III. Abschnitt: Zelte und Baracken in Deutschland.
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3. Barackenlazareth zu Frankfurt a. M.
(Vergl. Tafel XLVII.)
Im Park der früher Kurfürstlichen Villa,(Festende der Stadt, nahe den Main- und den Westbahn-gelegen, errichtete der Frankfurter Verein zur PflegeFelde verwundeter und erkrankter Krieger eine grösserefcrackenanlage. Die Villa, von der damaligen Eigen-hnmerin der Hessischen Ludwigshahn-Gesellschaft, zurVerfügung gestellt, bot in den vorhandenen Räumen undBebengebäuden hinreichend Platz für Bureaus, Küche,Wohnungen der Aerzte und Wärterinnen und dergl. Inänem Orangeriegebäude konnten 30 Krankenbetten auf-stellt werden. In dem schönen und geräumigen Parkeäelbsl wurden an passenden Stellen, ohne strenges System in
ouppirung, fünf grosse Baracken zu je 20 und zweikleine zu je 10 Betten errichtet, welche ihrer Konstruktionund inneren Einrichtung nach vollkommen den oben be-schriebenen älteren Baracken des Reservelazareths II glichen;TO n welchen sie auch hinsichtlich der Grösse nur wenigdjfferirten. Der Krankensaal war 20.a m lang, 6 m breit,bei einer Wandhöhe von 3.13 m und Giebelhöhe von 4.3 m.
Die Wasserversorgung geschah mittels Rohrleitungus einem durch Brunnen gespeisten Reservoir, die Ent-rfsserung durch ein in den städtischen Kanal in der Gut-lantstrasse mündendes Röhrensystem.
Die Kloseteinrichtung bestand auch hier in Kübeln,welche abgefahren werden konnten. Die Wege zwischenden Baracken und Gebäuden waren gepflastert. Die Gas-beleuchtung wurde von der neuen Frankfurter Gasgesell-achaft unentgeltlich gestellt.
Die Wintereinrichtungen waren die gleichen wie imReservelazareth 11; die doppelte Austapezierung der Wändegenügte jedoch nicht, um zu guten Heizresultaten zu"■dangen, welche sich sofort besserten, als auch das Dachderselben Umänderung unterworfen worden war. DieHeizung erfolgte anfangs durch Wagner'sche Zirkuliröfen,später durch grosse eiserne Füll-Reguliröfen. Die mit Hilfeder letzteren erreichte Temperatur betrug im Februar durch-schnittlich Morgens 10°, Mittags 12° und Abends IOV2 0 .
Das Lazareth wurde am 15. August 1870 eröffnet undam 31. März 1871 geschlossen; dasselbe war meist mitSchwerverwundeten belegt.
Die Anzahl der Verpflegten betrug <J68 Kranke undVerwundete mit 25 583 Behandlungstagen. Fs starbenlii Mann = 4.7.i pCt.
Der Bau der Baracke kostete 10 200 II.; die innereEinrichtung derselben 7340 fl. Die Kosten der Winter-einrichtung beliefen sich für jede der grösseren Barackenauf 329 fl.
Im Anschlüsse hieran ist noch die Baracke zuerwähnen, welche Mitte August bei dem Reserve-lazareth zu Bad Weilbach am Taunus vom FrankfurterVerein zur Pflege im Felde verwundeter und erkrankter
Krieger erbaut worden ist. Dieselbe unterschied sich inihrer Konstruktion von den zuletzt beschriebenen nur durchihre etwas grösseren Dimensionen. Sie war für 30 Krankeeingerichtet, 28.3 m lang, 6.3 m breit, hatte 3 m Wandhöhebei 4.7 m Giebelhöhe und stand in der Mitte einer neuenGartenanlage in der Nähe des Kurhauses. Bis findeOktober ist sie mit Typhuskranken und Rekonvaleszentenbelegt gewesen, dann aber nicht weiter in Gebrauch ge-zogen, obgleich sie mit denselben Wintervorkehrungen,wie die Frankfurter Baracken, versehen worden war.
Die Baukosten betrugen 2527 fl. 40 kr. = (1444 Thlr.13 Sgr.) ohne Wintereinrichtung und Ausstattung.
4. Krankenbaracken der Stadt Nürnberg:.
(Vergl. Tafel LH.)
Bei dem Mangel geeigneter öffentliche]- Gebäude sahensich die städtischen Behörden zu Nürnberg veranlasst, den Bauvon Kraukenbaracken zu beschliessen. Während anfangs Ba-racken für 120 Verwendete in Aussicht genommen waren,konnte man sich schliesslich mit Rücksicht auf die reichliebzur Disposition gestellten Privatlokale auf die Erbauungvon zwei Baracken für je 32 Kranke beschränken.
Der ursprüngliche Plan, luftige Sommerbaracken her-zustellen, welche unter Umständen eine spätere Verwendungfür städtische Zwecke finden könnten, wurde noch währendder Fertigstellung aufgegeben, vielmehr gegen Ende Augustsogleich damit vorgegangen, die Baracken wegen der voraus-sichtlich längeren Benutzung mit den nöthigen Vorrichtun-gen für den Winter zu versehen.
Beide auf dem städtischen Flaschnerhofgarten erbauteBaracken standen in einer Linie — die Längsfrontennach Süd und Nord —, von einander 4.4 m entfernt unddurch eine 2.33 m breite, gedeckte Veranda verbunden; derHaupteingang zu jeder Baracke befand sich unter dieserVerdachung. Grösse, Konstruktion und Raumeintheilungwaren bei beiden nicht unterschieden; jede Baracke enthieltausser einem Krankenraum für 32 Mann noch an denStirnenden je zwei durch einen Mittelgang getrennteKabinen für Küche, Bäder, Wasch- und Verbandzeug,Wärter und für Latrine.
Die Baracken waren aus Riegelwerk erbaut und ruhtenmit ihren Langschwellen auf vier Reihen gemauerterPfeiler, welche letztere den gewachsenen bezw. regulirteuErdboden 0.64 m hoch überragten, so dass zwischen diesemund den Lagerhölzern des gefalzten Bretterbodens ein etw r a70 cm hoher Hohlraum blieb. Die Umfassungswände hattenmit Backsteinen ausgemauertes Fachwerk und innere Ver-schalung von vertikal stehenden Brettern mit Deckleisten.Das Dach war ein einfaches Satteldach mit Schwellen undPfetten. In der Mitte jedes Bundbalkens war eine Stuhlsäuleals Träger der Firstpfette verzapft; zur Verstärkung desSparrwerkes dienten je zwei, an den Bundbalken und denStuhlsäulen verzapfte und durch Zangen verbundene Streben.