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VII. Kapitel: Zelte und Baracken.
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Fenster waren mit Rouleaux von graner Leinewand ver-gehen. Unter jedem Fenster befand sich im Boden eine94qcm grosse, durch Klappen schliessbare Ventilations-öffnung.
Für den Winter wurde der Raum unter der Barackedurch Holzrahmen, die mit Dachpappe überspannt waren,geschlossen. Jede Baracke erhielt zwei, später drei Stein-kohlenfüllöfen mit Mänteln, welchen von unten her frischeLuft zuströmte. Die Rauchrohre mündeten nach recht-winkliger Biegung in einen nach unten > trichterförmigerweiterten Ventilationsschacht und durch denselben überdas Dach hinaus ins Freie. Die Heizbarkeit erwies sichals eine genügende.
Die Benutzung des Lazareths begann unmittelbar nachVollendung des Baues. Baracke 1 wurde am 25. August,Baracke 2 am 6. September, Baracke 3 am 26. Septembermit Verwundeten belegt, welche zum Theil auf dem Wegeüber Belgien anlangten.
Bis zu der Ende Mai 1871 erfolgten Schliessung desLazareths betrug der Gesammtzugang 282 Mann, wovon29 = 10.3 pCt. starben.
Die Zahl der Verpflegungstage belief sich auf 16 963.
Die Gesamintbaukosten des Lazareths betrugen etwa8000 Thlr.
2. In Dnsseidorf
(vergl. Tafel LI)
waren bei dem in der Kaserne etablirten Reservelazarethim August auf dem anstossenden Exerzirplatze acht ausdem Zeltlager-Depot in Liegnitz überwiesene, modellmässigeKrankenzelte zu 12 Betten in schachbrettartiger Anordnungaufgestellt. Dieselben wurden jedoch nur mit je achtBetten besetzt und blieben von Mitte September bis gegenEnde Oktober mit Typhus- und Hospitalbrandkranken belegt.Insbesondere die letztgenannte Krankheit nahm unter demEinfluss der Zeltbehandlung meist einen günstigen Verlauf.
Der starke Zuwachs an Kranken machte jedoch dieErbauung von Baracken dringend wünschenswerth. Die-selbe erfolgte durch Holländische Aerzte und Vereine,welche überhaupt in der mit Kranken und Verwundetenangefüllten Stadt eine segensreiche Thätigkeit entfalteten.
Die erste Baracke wurde Anfang September vomDr. Berns aus Utrecht auf eigene Kosten hergestellt undam 15. September vollendet. Eine zweite Baracke, vomHolländischen Komitee zum rothen Kreuz erbaut, war am23. September, eine dritte, durch einen Holländischen Privat-verein gestiftet, Anfang Oktober, und eine vierte, etwasgrössere, gleichfalls aus den Mitteln des HolländischenKomitees zum rothen Kreuz errichtet, Anfang Novemberbelegungsfällig.
Mit Ausnahme der Bettstellen beschaffte das Hollän-dische Komitee auch alle Ausstattungsgegenstände. DasTrinkwasser lieferte die vortreffliche städtische Wasserleitung.
Die drei zuerst gebauten Baracken waren 20.sml(mit Anbau 25 m), 6.7 m breit, bis zum Dach 3. um |,j,.Dachfirst 6.3 m hoch. Sie hatten einen etwas über 1«Erde erhöhten Fussboden, einfache Bretterwände doti Jverschalte Dächer und durchlaufende Dachreiter von 1Breite, mit jederseits fünf Luken von l. s m Länire78 cm Höhe. An jeder Längsseite befanden sich ftWan jeder Stirnseite ein Fenster. Neben der Einsaat»thür an eine*' Stirnseite lagen zwei Nebenräunie n2.5 m Länge und 2.26 m Breite für das Wartepersonal. Uanderen Giebelende war ein 4.2ö 111 langes, 2m bndurch ein Fenster erhelltes Badezimmer angebaut. |i ( .Krankenraum selbst besass eine Länge von 17. um.
Zur Ueberwinterung wurden die Fugen der Wand,.mit Latten vernagelt und die Wände aussen mit Asphaltpappe bekleidet, der Sockelraum, mit Freilassung- ehVentilationsluken, durch einen Erdwall geschlossen, dieLuken des Dachreiters mit stellbaren Klappen versehenDa sich Füll-Reguliröfen nicht bewährt hatten, so erhielljede Baracke zwei grosse eiserne Tvommelöfen, welche mlange eine genügende Wärme erzeugten, als mit IStückkohlen geheizt werden konnte. Leider liess sich (lies,,.Feuerungsmaterial nicht jederzeit in ausreichender Quantitätbeschaifen.
Die vierte, vorzugsweise für Typbuskranke bestimmteBaracke, gleich den vorher erwähnten mit 20 Betten aus-gestattet, auch von derselben Konstruktionsart, hatte etwasgrössere Dimensionen und war gleich für den Winter-gebrauch eingerichtet. In eine andere legte man Leutemit schlecht aussehenden und brandigen Wunden: diebeiden übrigen Baracken dienten hauptsächlich zur Behand-lung von Operirten. Letztere wurden von dem Zeitpunktan, wo der Barackenbau vollendet war, ausschliesslich in denBaracken behandelt. Für die Zweckmässigkeit dieses Ver-fahrens spricht folgende Zusammenstellung der vor Erbauungder Baracken und der später erreichten Operations-Resultate.
In der Kaserne wurden behandelt:
8 Unterbindungen.....mit 6 Todesfällen,
8 Resektionen.......5
14 Amputationen und Exartikul. . 12
Sa. 30 Operationen......mit 23 Todesfällen.
\\i den Baracken, resp. Zelten:
5 Unterbindungen.....mit 3 Todesfällen,
3 Resektionen.......ü „
16 Amputationen.....„5 r,
Sa. 24 Operationen......mit 8 Todesfällen.
Die Baracken blieben bis zum 20. Februar 1871 inder Verwaltung des Holländischen Komitees. Als dann dergrösste Theil der Holländischen Aerzte und Pfleger in dieHeimath zurückkehrte, übernahm die Königliche LazarettVerwaltung die Baracken gegen einen geringen Miethzin-bis zum 1. Mai 1871.
Die Baukosten hatten je 900 resp. bei der viertenBaracke 1000 Thlr. betragen.