362
VII. Kapitel: Zelte und Baracken.
Band
eine Baracke errichtet worden, welche, als Musterbarackevon Ihrer Kaiserlichen und Königlichen Hoheit der FrauKronprinzessin des Deutschen Reiches und von Preussengestiftet und nach Höchstderen eigenen Angaben durchBaumeister Jacobi erbaut, eine geschichtliche Bedeutungerlangt hat.
Die Baracke (vergl. Tafel XLVIII) lag, von neu an-gelegten Gartenanlagen umgeben, hinter der als Reserve-lazareth dienenden Infanteriekaserne am nordöstlichen Endevon Homburg, auf dem nach NO abfallenden Exerzirplatze,durch ein muldenförmiges Wiesenthal von dem gegenüberliegenden Haartwalde getrennt, mit ihrer Längsrichtungvon SW—NO, der von der Stadt und Kurhausgesellschafterbauten Baracke schräg gegenüber und etwa 18.8 in vonderselben entfernt.
Die Musterbaracke war 26.1 m lang, 7.,-, in breit; ihreSeitenwandhöhe betrug 2.8 m, die Höhe vom Fussbodenbis zum Dachreiterfirst 5.75 m. Sie stand auf gemauertenPfeilern, welche, dem absteigenden Terrain sich anpassend,am südwestlichen Ende I.25 m, am nordöstlichen 2.5 bis2.8 m hoch waren, hatte einen doppelten, aus einzölligen,mit eisernen Federn verbundenen Dielen bestehenden Fuss-boden, doppelte Wände und doppeltes Dach: die Zwischen-räume waren mit Wirrstroh ausgefüllt. Die äussere Wand-verschalung bestand aus horizontalen, sich schuppenförmigdeckenden, die innere aus vertikal stehenden Brettern.Die Längswände waren in acht Felder getheilt, von welchendie beiden äussersten den Nebeiiräumen, die sechs mittlerendem Krankensaale entsprachen. Bei den sechs Mittelfeldernwar die Wand nur bis zur Höhe von I.20 m in der an-gegebenen Weise ausgeführt; im oberen Theile nahm dieMitte jeden Feldes ein 1 m breites festgenageltes Glas-fenster ein, während die Seitentheile aus grossen Holz-klappen bestanden, welche, mit Charnieren an der oberenRiegelkante befestigt, beliebig weit nach aussen geöffnetwerden konnten; der ganze obere Theil der Wand desKrankensaales bestand in dieser Weise jederseits aus sechsFenstern und zwölf Holzklappen. Oberhalb der Fensterbefand sich je eine 1 m breite, 26 cm hohe, durch Schnürenach innen stellbare Klappe; ebenso waren unterhalb derFenster dicht über dem Fussboden 94 cm breite, 13 cm hoheKlappen angebracht, welchen in der äusseren Verschalungje fünf kleine, 5.s cm im Quadrat haltende Oeffnungen ent-sprachen.
Das überhängende Dach war mit Dachpappe gedeckt,getheert und gesandet und der ganzen Länge nach miteinem 1.8 m breiten, etwa O.g m hohen Dachreiter versehen,welcher jederseits acht etwa .'> m lange, 37 cm hohe, voninnen durch Schnüre zu öffnende Holzklappen besass; einegleiche Klappt; war in seinen Giebelseiteil angebracht.
Im Innern der Baracke fanden sich, beim Eintritt vonder Siidwestseite aus, zu beiden Seiten des nach aussenund nach dem Krankensaale mit Flügelthüren versehenenKorridors zwei kleine quadratische Räume abgetrennt.
welche je ein Fenster an der Giebelseite, über demselh»eine Ventilationsklappe und in 2.8 m Höhe eine mitwand überzogene Decke besassen; dieselben dientenWärter- resp. als Verbandmaterialienraum. [Jeherdie Baracke führenden Eingangsthür befand sich ein |Fenster, vor welchem eine Laterne angebracht war.
Zwei gleich grosse, durch einen Korridor getrenntNebenräurne bildeten das Nordostende der Baracke rleine diente als Badezimmer und war mit einer Warnausgestattet, welche sich durch eine deckelartio'e y 0 ,,richtung zum Speisetisch für die Wärterinnen umgestalte!liess; der gegenüberliegende, mit einem Ausgussbeckmversehene Raum diente als Putzraum: ein in demselbeiangebrachter Verschlag enthielt das Waterkloset. V«dem Putzraum aus führte eine Thür in eine, dem Giebelaussen angebaute kleine Waschküche mit eingemauertemKessel, von welchem aus auch das erwärmte Badewassemittels eines Rohres nach der Wanne geleitet wurdeEine vor der nordwestlichen Ausgangsthür hergestellt«mit Geländer versehene Veranda ermöglichte auf eineseitlichen Rampe den Ausgang ins Freie.
Der Krankensaal war mit 20 Betten und der gleiche:,Zahl von Tischen, Stühlen und Kleiderständern, fernermit Sesseln, Schreibtischen, Kommoden und zwei mit Wannund Kaltwasserleitung versehenen Waschtoiletten aus-stattet. Der Fussboden war angestrichen und lackirt; *den Wänden hingen Bilder und Landkarten: Blumentischeund Ampeln mit Blattpflanzen zierten den Raum; dieFenstawaren mit Lambrequins behangen; auch eine Wanduhr sowieThermometer und Barometer fehlten nicht; die ganze Ein-richtung bot ein harmonisches Bild von Wohnlichkeit,geeignet, in den Leidenden das tröstende Gefühl ein«behaglichen Häuslichkeit zu erwecken.
\h^r Kubikinhalt des Krankenraums betrug 814.6cbm:pro Bett ergab sich ein Luftraum von 40.6 cbm.
Die Baracke war mit Wasserleitung versehen, welcheBad, Waschtische und Kloset versorgte; die Abflüsse ■mit hydraulischen Verschlüssen — mündeten durch St»gutröhren in die nahe gelegenen Wiesen. Die Beleuchtmjfand durch Gas statt. Zur Behaglichkeit der InsuMtrug namentlich die Art der Heizung bei, welche beider im Oktober vorgenommenen Wintereinrichtung in derWeise eingeführt wurde, dass der Lnt.erraum der Baracke.unter Freilassung einer Thür an der Nordostseite und je22 Ventilationsöfl'nungen in den Langseiten, durch Backsteinmauerung geschlossen und in dem so gewonnenen Räume eh*Luftheizung eingerichtet wurde. Heber einer Feuerungderen Rauchrohr in einen die Baracke überragenden, seitlielistehenden Schornstein führte, befand sich eine gewollt;'Heizkammer, welcher die frische Luft von aussen zugefSWward, während die erwärmte Luft in einem lang- daBaracke verlaufenden, mit Abzweigungen versehenen Rohrzu den mit Schiebern versehenen Oeffnungen im Fussbodenund durch diese in die Baracke gelangte. Dergleichen
y.
«a
<
« I
!<*=