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Der Sanitätsdienst bei den deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71
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360
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VII. Kapitel: Zelte und Baracken.

Ausnahme einiger Ventilationsöffnungen ringsum zugemauert,das Fachwerk der Wände mit trockenen Tuff- oder Ziegel-steinen ausgesetzt und an der Aussenseite mit Bretternverschalt, der Dachreiter durch eine unter demselben an-gebrachte Holzdecke mit zu öffnenden Klappen abgesperrtwurde. Bei den städtischen Baracken fand eine vollständigeAusmauerung sowohl des Hohlraums unter dem Fussboden,als auch der Wände mit Backsteinen und Kalk statt; inder Höhe der Seitenwände wurde durch einen horizontalenHolzplafond Dach und Dachreiter abgesperrt, hierdurchallerdings auch der Luftraum der Baracke wesentlich ge-schmälert. Glasfenster an Stelle der Leinewandrahmenund verschliessbare Ventilationsöffnungen unterhalb derFenster halfen die Wintereinrichtung vervollständigen.Die Heizung erfolgte in jeder Baracke durch zwei grosseeiserne Cylinderöfen, deren Rohre horizontal nach der Mitteder Baracke und hier von einem grösseren, unten offenenVentilationsrohr umgeben, über das Dach hinaus verliefen.Letztere Einrichtung fehlte im Anfange bei den staatlichenBaracken, wurde aber daselbst im Januar gleichfalls an-gebracht, da ohne Vergrösserung der wärmeabgebendenFläche durch Verlängerung und seitliche Führung der Rauch-rohre die Heizung ungenügend blieb. Nach dieser AenderungHess sich eine Temperatur erzielen, die höchstens 12°R.niedriger blieb als in den städtischen Baracken, trotz deserheblich grösseren Luftraumes.

Bis zum 30. Juni 1871 sind in dem Barackenlazarethim Ganzen 8842 Mann mit 177 645 Verpflegungstagen be-handelt worden. Wundinfektions- und Lazarethkrankheitentraten nur vereinzelt, nie epidemisch auf.

Im Mai 1871 wurden die Wintereinrichtungen entferntund die Baracken wieder für den Sommergebrauch ein-gerichtet, ein Theil derselben jedoch vom Juni an nichtmehr belegt; dagegen füllten sich mehrere Baracken imAugust wieder mit evakuirten Ruhr- und Typhuskranken.Im Oktober 1871 wurden zwei Baracken von der Pfingst-weide in den Garten des Garnisonlazareths transferirt,erhielten dort einen doppelten Boden sowie einen innernAnstrich und nahmen die Verwundeten aus den Zelt-baracken auf. Mit der am 15. Dezember erfolgten Ueber-führung der zweiten chirurgischen Station von der Pfingst-weide in die Baracken des Lazarethgartens endete dieWirksamkeit des Barackenlazareths der Pfingstweide nachfast l 1 /* jährigem Bestehen.

b. Reservelazareth No. II.

(Vergl. Tafel XL VI.)

Gleichzeitig mit dem Barackenlazareth auf der Pfingst-weide erbaute die städtische Lazarethkommission auf Kostender Stadt ein zweites Lazareth, aus zehn grösseren Holz-baracken zu 2024 Betten und vier kleineren zu 10 bis12 Betten bestehend, in Sachsenhausen, in dem so-genannten Vaconins'sehen Garten, einem städtischen, mitRasen bewachsenen und einer Mauer umgebenen Grund-

stück in unmittelbarer Nähe des Offenbacher Bahnhof*des städtischen Rochus-Spitals.

Für Bureaus, Wohnungen, Küche, Vorrathsräumedergleichen wurden am Eingange des Gartens stehe«vorhandene Gebäude eingerichtet und benutzt.

Die Krankenbaracken standen in zwei nicht Jparallelen Reihen, welche von 0W verliefen, w a Ldie einzelnen Baracken bei einem Abstände von ( t,untereinander eine Längsrichtung von SN einnakDer Abstand der beiden Reihen von einander betr25m; in jeder Reihe standen am östlichen Endeikleine Baracken.

Die grösseren Baracken hatten eine Länge von i\eine Breite von 6.6 m und eine Seitenwandhöhe von3 4Die Höhe vom Fussboden bis zur inneren FirstliriejDachreiters betrug 4.7 m. Der einfache Fussboden inur etwa 45 cm von der Erde entfernt und lag auf Uschwellen, welche auf dem Erdboden aufruhten,

Die Seitenwände hatten eine einfache äussere Tschalung und bestanden aus einzelnen Feldern von \ fBreite, von welchen abwechselnd je eins festgenageltmit einem feststehenden Glasfenster versehen war, wak,sich das zweite in zw T ei übereinander liegenden Hflklappenartig um die obere Achse drehen und nach anaufstellen Hess; die obere dieser Klappen bestandeinem mit Leinewand bespannten Rahmen, die unterenBrettern. Die Fenster, vier bis sechs jederseite1.4 m breit und hoch. Ein weiteres, aufstellbares Ffbefand sich in den Giebeln über jeder Eingangsthür.Dach und der nur 28 cm hohe Dachreiter waren an- ieinfachen, mit Theerpappe belegten Bretterlage berge-:-Am nördlichen Ende der Baracke war ein Wärterziuiund ein Klosetraum abgetheilt, letzterer mit Kübelnsehen, welche von aussen weggenommen und entleert kkonnten. Abgesehen von der geringeren Länge und 1unterschieden sich die kleineren Baracken in ihrerstruktion nicht von den soeben beschriebenen.

Die Wasserversorgung erfolgte durch einen iiMitte des Lazareths liegenden Brunnen, die Entwi«durch ein in eine Versickerungsgrube mündendes Röhre:

Die Beleuchtung lieferte die neue Frankfurtergesellschait unentgeltlich.

Die Belegung des Lazareths begann am 12. £1870; die Behandlung geschah durch Civilärzte, diepflege durch Damen der Stadt, Diakonissen und barmkSchwestern. Auch hier wurden die Betten derfast nie alle gleichzeitig belegt, die einzelnen BarackenZeit zu Zeit geräumt und desinfizirt.

Im Oktober machte sich die Nothwendigkeitrichtungen zur Ueberwinterung geltend, welcheNovember beendet waren.

Zunächst erhielt der Sockelraum einen VerschlussBretterverschalung, unter Freilassung einiger VentilatÖffnungen; die oberen Klappen der Seitenwände

der :