mma
ndl.
III. Abschnitt: Zelte und Baracken in Deutschland.
337
Westlich vom Schlosse auf erhöhtem Terrain mit
ckenein Sandboden und einigen Bäumen wurde aufTtärnskalische Kosten ein Komplex von 20 Baracken■baut (vergl- Tafel XXXV, Fig. 1 bis 4), von welchenhon am 25. August, 9 am 12. Oktober und eine
mße ursprünglich für Yerwaltungszwecke bestimmte,aber als Bade- und Isolirraum benutzte BarackeI 10 Betten am 25. Oktober belegt werden konnten.
Bis dahin waren 7 theils gemiethete, theils freiwilligUassene Barackenzelte auf dem Platze vor dem Schlosse»fee^tellt und mit durchschnittlich 105 Mann belegtewesen.
Die Situation der Baracken war derartig, dass die zuersttoten zehn einen aus- und wieder einspringenden WinkelBeten während sich die neun anderen südlich und östlichen diesen ohne bestimmte Anordnung befanden. Sämmt-cbe Krankenbaracken standen parallel mit der Längs-chtung von Nord nach Süd, in einem gegenseitigen Ab-mde von 9.4 bis 10.2 m; die Verwaltungsbaracke hatte
Richtung von West nach Ost.
Dimensionen und Konstruktion der Baracken entsprachen
Allgemeinen der vom Preussischen KriegsministeriumLssenen Vorschrift; die einzige Abweichung betraf diene Eintheilung. Der die Klosets enthaltende Anbaufand sich nämlich an demjenigen Giebelende, welches dieiparaträume enthielt; der Verbindungsgang' mündete daherfcht in den Krankenraum, sondern in den von der kleineren[pngHthnr in den Krankenraum führenden Korridor, undar dicht an dieser Thür: an dem Klosetgang befand sichwerden) noch ein kleiner Anbau für Pissoirs. Die Separat-ame waren ein Wärterzimmer mit Theeküche und ein.dezimmer. Am anderen Giebelende führte - eine grosseügelthiir direkt aus dem 30 Betten fassenden Kranken-de ins Freie.
Von den 10 Fenstern jeder Längswand war die Hälfteet, die andere Hälfte entweder um eine im oberenirizontalen Drittel befindliche Achse drehbar, oder (beiin später gebauten Baracken) in zwei Theile getheilt, derenrer kleinerer sich nach aussen offnen Hess, während dertere festgenagelt war.
Die Klosets waren nach dem Müller-Schuer'sehen
stem (Trennung der festen und flüssigen Bestandtheile)
[gerichtet: letztere flössen durch einen Kanal ab; erstere
rden von einem Blechkübel aufgenommen, welcher nach
esmaliger Benutzung mit Desinfektionspulver versehen
'erden sollte; da dies nicht regelmässig geschah und über-
inpt die richtige Handhabung dieser Einrichtung weder
j»n den Wärtern, noch von den Kranken, am wenigsten
n den erkrankten Kriegsgefangenen erzwungen werden
mute, so ergaben sich mannigfache Missstände, welche
ieses System als nicht zweckentsprechend erscheinen Hessen.
Das Lazareth stand mit der sogenannten „Wasserkunst"Herrenhausen in Verbindung, wodurch sowohl die Zu-
Sunititü-BericM über die Deutschen Heere 1870/71. I. Bd.
leitung des nöthigen Nutzwassers als die Entwässerungsichergestellt war. Das Trinkwasser lieferten Brunnen.
Im November erfolgte die Einrichtung von 15, imDezember diejenige der übrigen 4 Baracken für den Winter-gebrauch. Zu diesem Zwecke wurde der freie Sockelraumdurch eine 15 Centimeter starke Ziegelmauer geschlossenund diese durch einen Erdanwurf verstärkt; an den Stirn-seiten blieb je eine schliessbare Ventilationsöffnung; ebensoblieb an den Längsseiten je eine Oeffnung, welche miteinem Holzkanal in Verbindung stand, der die Luft vonunten her in den Mantelraum des Ofens zu führen bestimmtwar. Die Wände wurden mit einer Schicht von Back-steinen ausgesetzt und erhielten eine zweite Verschalung.Die Dachreiter wurden mit Holzklappen versehen. Vondem grossen Ausgangsthor ward eine Hälfte ganz ver-schlossen; die andere erhielt im Innern einen durch Thürenabzusperrenden Vorbau. Die Heizung geschah vermittelszweier, mit Eisenblechmänteln umgebenen Steinkohlen-Füllöfen. Die Rauchrohre verliefen in 7 bis 8 Fuss Höhe,8 bis 9 Fuss weit horizontal und stiegen dann in einemunten offenen Eisenblechschlot über das Dach hinaus.
Da die Baracken, namentlich die zuerst sehr schnellund meist mit zu frischem Holz gebauten zehn, vielfach anWänden, Dächern, Thüren und Fenstern undicht waren,auch zahlreiche Sprünge und Ritzen aufwiesen, so gelang esnicht, mit Hilfe der oben angegebenen Mittel eine ge-nügende Wärme zu erzeugen. Es wurde daher im Januarim grössten Theil der Baracken über die Querbalken desDachstuhls eine mit 1 bis 3 schliessbaren Luftklappenversehene Bretterdecke gelegt. Durch diese Maassregelward der Luftraum, welcher vorher schon, auf 30 Bettenberechnet, nur etwas mehr als 15.3 Kubikmeter pro Bettbetragen hatte, um fast ein Fünftel verringert und dieVentilation erschwert; die Heizbarkeit wurde allerdingsverbessert, doch gelang es nur in den später und sorg-fältiger gebauten Baracken, dauernd eine einigermaassengenügende Innentemperatur zu erreichen.
Einen weiteren, die Reinhaltung der Baracke er-schwerenden Uebelstand bildete die Eigenschaft des ver-wendeten Heizmaterials, stark zu stäuben und zu russen.
Das Lazareth blieb bis tief in den Sommer 1871 hineinin Thätigkeit und bestand vom 1. April ab nach Schluss derübrigen Reservelazarethe allein weiter; von Anfang Maian wurden nur noch die Baracken, nach Entfernung derWintereinrichtungen, zur Krankenbehandlung benutzt, dasSchloss aber für Verwaltungszwecke und zu Wohnungenverwendet.
Bis Ende Juni hat das Lazareth in seinen 1300 Betten,von welchen 580 auf die Baracken kamen, 4735 Krankeund Verwundete behandelt. Die Gesammtmortalität betrug86 = 1.8 pCt. Wund- und Hospitalkrankheiten tratennie epidemisch auf; einzelne eingeschleppte Fälle vonHospitalbrand heilten rasch.
Die Kosten der ganzen Anlage betrugen 38 550 Thlr.
43