Operationsrauin, als Koch- und Waschküche, als Leichen-kammer, sowie als Ofenhaus zum Trocknen der Erde fürdie Klosets dienten.
Das Wasser wurde durch eine Dampfmaschine von8 Pferdekräften aus dem Rhein gepumpt und filtrirt.
Die ganze Einrichtung und Ausstattung des Lazarethswar eine höchst reiche, fast verschwenderisch zu nennende;ebenso reichlich war das Personal bemessen, das aus 2 Chef-ärzten (Mr. Simon und Dr. Thudichum), 10 Assistenten,5 Heilgehilfen (dressers), nebst dem nöthigen Wärter-personal bestand.
Dieser Ausstattung entsprach die Wirksamkeit desLazareths nicht vollkommen. Bei seiner hohen und isolirtenLage hatte es Mühe, überhaupt Patienten zu bekommen,und war nie mehr als bis zur Hälfte belegt.
Im Ganzen wurden während seines Bestehens vom16. September bis 26. Oktober 172 Mann, meist Ver-wundete, darin behandelt, von welchen 20 = 11.6pCt. starben.
Das Lazareth endete durch eine Katastrophe, indembei dem orkanartigen Sturme, der am 26. Oktober überden grössten Theil des Kontinents brauste, sämmtlicheZelte hinweggefegt, einzelne in den Rhein geschleudertwurden; mit Mühe konnten die Kranken in das nahe Hotelgerettet werden worden.
Die Zelte sind in Bingen nicht wieder aufgestellt,sondern später dem Lokalkomitee in Köln, wo inzwischendie zweite grosse Zeltanlage ins Leben getreten war, alsGeschenk überwiesen.
2. Das Zeltlazareth am Thürmchen bei Köln,
welches von dem Lokalkomitee zur Pflege im Felde ver-wundeter und erkrankter Krieger für den RegierungsbezirkKöln gegründet und unterhalten wurde, begann seineThätigkeit am 22. August mit drei von Bodewig undFreydank in Mülheim a. Rh. nach dem amtlichen Musterangefertigten Krankenzelten zu je 12 Betten, und wurdealsbald durch ein Geschenk des Deutschen Hilfsvereins zuLondon, bestehend in 20 Englischen Zelten mit je 10 voll-ständig eingerichteten Betten, wesentlich vergrössert.
Das Lazareth lag auf erhöhtem Terrain nördlich Kölnam linken Rheinufer bei dem ehemaligen Aachener Bahn-hofe „am Thürmehen", theils in dem Mumm'sehen Garten,theils auf dem Bahnhofsterrain. — Eine in unmittelbarerNähe dicht am Rhein liegende Villa (Stein) wurde demLazareth für die Rekonvaleszenten zur Verfügung gestellt.
Die Wasserversorgung geschah durch die Wasserleitungder Rheinischen Eisenbahngesellschaft; die Gasleitung unddas Gas lieferte die Englische Gasgesellschaft zu billigenPreisen; die Wohnräume für die Aerzte und helfendenDamen, sowie die Bureau- und Depotlokalitäten befandensich im Haupthause des Mumm'schen Gartens; eine Remisediente als Küche, zwei Treibhäuser als Waschküche undTrockenraum.
In der Baracke des ehemaligen Thürnichen-BaUwurden durch Anbringung von VentilationsklappenBoden und im Dach ein Krankenraum zu 90 Betten f Pein Offizierskrankenzimmer, ein Operationssaal undSchlafsaal für Damen hergestellt.
Die Zelte standen einzeln, mit entsprechendem Abswjedes mit einem Graben umgeben. Die KonstruktionPreussischen Zelte ist bekannt, 1 ) die der Englischen «idie beim Zeltlazareth Bingen beschriebene, 2 ) mitUnterschiede, dass an Stelle des Holzbodens eine ßaufschüttung trat und je eines der halbrunden /zur Aufnahme der mit Abfuhrtonnen ausgestatteten K] 0idurch einen Vorhang von dem übrigen Zeiträumegetheilt war.
Eine bedeutende Erweiterung erfuhr das LazarethJanuar 1871, indem der genannte Londoner Verein almals 25 Zelte, deren grösserer Theil auf dem RochnjUbei Bingen gestanden hatte, als Geschenk überwies: 1selben fanden ihre Aufstellung zur anderen Seite iSchienenstranges, dem Bahnhof gegenüber.
Bei Eintritt des Winters, als das Bedürfniss der Heizusich stärker geltend machte, vereinigte man die Engli^Zelte zu Gruppen von je vier in der Weise, dass drei Üin einer Linie nach ihrer Längsrichtung verbunden wirfwährend das vierte in der Mitte rechtwinklig aufLinie stiess. Da, wo die Zeltdächer einander berührt?brachte man eine mit Asphalt bekleidete Ablaufrinnean die Stelle der aneinanderliegenden Zeltwände tratverschiebbarer Vorhang. Das mittlere (vierte) Zelt dienals Eingang, sowie als Unterhaltungs- und Speiseramwährend die drei anderen die Betten enthielten. InjeiZelt wurde an Stelle des entfernten 10. Bettes, naheMitte des Innenraumes — nachdem die ersten Versuche,Heizung durch Gasöfen zu bewirken, ungünstigwaren — ein eiserner Kohlenofen aufgestellt, und dasröhr durch eine der beiden im Dachfirst befindlichen FeralÖffnungen geleitet. Die Einrichtung bewährte sichGanzen gut; es konnte mit Leichtigkeit eine Temperatdifferenz von 15—20° Reaumur gegen die Ausseierzielt und erhalten werden. Jedoch blieben als urameidliche Fehler dieses Systems bestehen: ungleichmäsiVertheilung der Wärme im Zelt, leicht stattfindende Ueteheizung des Ofens und deren nachtheilige Einflüsse, sehntAbkühlung des Zeltes, sobald das Feuer erlosch ödenReinigung des Ofens entfernt werden musste, Raumbeengiin der Mitte des Zeltes und Feuergefährlichkeit.
Es bestanden nunmehr neun Zeltgruppen derschriebenen Art zu je 27 Betten, während acht EngriscZelte zu je 9 und die drei Preussischen zu je 11 Bettei
!) Vergl. S. 312 und 313.
2 ) Vergl. S. 331.
3 ) Vergl. vorstehend. (Schlusspassus sub 1.)
4 ) Der Raum des 12. Bettes war ebenfalls durch den Ofen hjgenommen.