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Der Sanitätsdienst bei den deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71
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V. Kapitel: Sanitätezüge.

Bemerkt soll noch werden, dass ein eigener Speise-wagen, in welchem die marsclifähigen Zuginsassen ihreMahlzeiten einnehmen konnten, wie solcher neuerdings be-sonders von Billroth empfohlen worden ist, in keinemder Deutschen Sanitätszüge vorgesehen war.

C. Depot- (Vorraths-, Magazin-, Proviant-)Wagen.

Mit Ausnahme der ersten von Preussen abgesandtenZüge und der Weissenburger Lazarethzüge, in welchenletzteren die Küchen- und Waschvorräthe in dem Wagenfür das weibliche Personal untergebracht waren, führtensämmtliche Sanitätszüge zur Aufbewahrung der Lagerungs-vorräthe, Bettstücke, Decken, Wäsche, Speisevorrätheu. s. w. einen bis mehrere besondere Wagen mit sich.Die Preussischen Sanitätszüge No. 1 bis IX hatten zwei,der Hannoversche Zug einen Depotwagen, die BayerischenSpitalzüge 2 bis 4 Vorrathswagen, der Pfälzer Lazarethzugund der Sächsische Sanitätszug einen Magazinwagen, dieWürtteml»ergischen Spitalzüge einen Proviantwagen, derBadische und der Mainzer Lazarethzug einen Depotwagen;der Kölner Sanitätszug verwendete für diesen Zweck einenGepäckwagen, ebenso die Lazarethzüge des Herrnv. Hoenika, der Berliner, der Hattinger und der Frank-furter Sanitätszug, sowie endlich der Hamburger Lazarethzug.

In den Preussischen Sanitätszügen I bis IX warenfür diesen Zweck zwei durchgängige nicht heizbare Güter-wagen eingestellt, von welchen der eine als Vorrathsraumfür den täglichen Bedarf an Lebensmitteln und Wäsche etc.,der andere mehr als Reservemagazin diente. Der erstge-nannte (Depot-) Wagen war durch feste Bretterwände,zwischen denen in der Längsrichtung des Wagens einschmaler Mittelgang blieb, in vier verschliessbare Kammerngetheilt, an deren Wänden sich Bretter- und Lattenver-schläge behufs übersichtlicher Ordnung der Vorräthe be-fanden. Die Fensterwand des Wagens blieb frei, um Luftund Licht eintreten zu lassen und Raum für die Ver-packungs-, Sortirungs- und Ausgabegeschäfte des Verwalterszu gewähren. Eine Kammer enthielt ein besonders ver-schliessbares Gelass mit Lattengerüsten zur Aufnahme desFlaschenlagers, eine andere barg in einem besonderenVerschlage die Kartoffelvorräthe.

In dem zweiten (Hauptdepot-) Wagen lagerten dieVorräthe in Fässern, Kisten und Säcken ohne besondereEinrichtung von Verschlagen oder dergl.; der einzige vor-handene Lattenverschlag nahm die gebrauchte Wäsche auf.

In Folge der fehlenden Heizvorrichtung kam es beistarkem Frost vor, dass die Kartoffeln erfroren und Flaschenzersprangen; auch erschwerte die Kälte dem Verwaltereinen längeren Aufenthalt in diesem Wagen. In denBayerischen Vorrathswagen bildeten ideht Bretterwändesondern Vorhänge die Scheidewände zwischen den einzelnen

Kammern. Der Pfälzer Magazinwagen enthieltHeizvorrichtung. In den W ü r 11 e m b e r g i s c h e n Pro«wagen befand sich gleichzeitig ein Abtritt; im BadislVorrathswagen die Apotheke und der Eisschrank,Feuerungsmaterial.

Betreffs der ökonomischen Ausstattung dieser ttjvergl. Beilagen 76, 77 und 78.

D. Verwaltungswagen.

Die meisten Sanitätszüge enthielten einen besondjVerwaltungswagen, welcher dem Oberpersonal des )\als Bureau zur Erledigung der schriftlichen Arie]diente; in demselben befanden sich ausserdem bei eiiiZügen die Apotheke, sowie Wohnräumlichkeiten für]Verwalter, bei einigen auch solche für einen Arzt.

Die Einrichtung des Preussischen Verwaltungswap(vergl. Tafel XXVII) war im Wesentlichen folgende:gewöhnlicher Personenwagen 3. Klasse, in welchem ITheil der Sitzbänke an Ort und Stelle blieb, wurdldrei Abtheilungen geschieden, deren grösste den ?Jund Schlafraum für den Verwalter und einen Assistenibildete. Als Nachtlager verfügten diese Beidenzwei eiserne Bettstellen nebst Matratzen und sonstüZubehör. Verschliessbare Wandschränkchen überBetten, 2 Tische mit Schubladen, Schreibzeug und fl'aiflasche und die im Coupe belassenen Sitzbänke verJständigten das Inventar dieses Raumes, dessen Fenstetlkleinen Vorhängen versehen waren. Die Hutnetze dit(zur Aufnahme von Verband- etc. Gegenständen. -Inächstkleinere, 4 Fuss 8 Zoll lange Abtheilung enlllauf der einen Wagenseite den eisernen Ofen (mit ]Vorrichtung zur Bereitung von Thee u. s. w.) nebstrungsgeräth und Kohlenkasten, zwei Konsolbretter ITheekessel, Berzeliuslampe und grösseren Apotlitlgeräthschaften, auf der anderen Seite die Apotheke fArzneischrank und Rezeptirtisch. Auf letzterem stader Wagenwand befestigt, ein Repositorium mit 4von Fächern für 32 viereckige Standgefässe. Der Eiltirtisch hatte drei Schubladen zur Aufnahme vonMedizinflaschen, Bindfaden, Korken und anderen kleiiJApothekenbedürfnissen. Die letzte und kleinste Abtheilides Wagens enthielt auf der an die Apotheke anstoMiWagenseite ein Gestell für Verbandgegenstände, widurch einen Vorhang gegen Eindringen von Staubgeschützt war, auf der anderen Seite den Abtritt und JWaschvorrichtung. Die Aufstellung des Ofens inmittleren Wagenabtheilung hatte den Uebelstand zur Fi|dass einerseits der Wohnraum nicht immer hinreiderwärmt werden konnte, andrerseits die im Apothekern^untergebrachten flüssigen Substanzen wegen der NälitjOfens häufig verdampften. Die Geräth- und ÄraAusstattung dieses Wagens findet sich in Beilage 79.

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