Druckschrift 
Der Sanitätsdienst bei den deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71
Entstehung
Seite
281
Einzelbild herunterladen
 

11.

II. Abschnitt: Einrichtung und Ausstattung der Sanitätszüge. Dienstbetrieb auf denselben.

281

Als weitere Ausstattungsgegenstände dieser Wagen m nennen: Haken und Netze an den WagendeckenBenutzung für die Insassen der oberen Tragen:den Decken mit Gurten befestigte Querhölzer, zumIbstaufrichten der Kranken; ferner für jeden WagenIrrigatoren, 1 Eiterbecken, 2 Verbandbretter miterbandzeug, 2 Waschbecken. 2 Wasserkrüge, 1 Wasser-nd 1 Tisch, 2 Stühle, 1 kleine Rank, 1 Nacht-bhl 2 Bettschüsseln, 2 Uringläser, 2 Spucknäpfe.Ljesslich ist noch zu erwähnen, dass der Fussboden imtel^ang mit Stroh- oder Seegrasmatten bedeckt und dasser den Bahren der unteren Schicht Heu oder Stroh hochgeschüttet war.

Eine Besonderheit bot bei den Württembergischenm>n das Verladen der Kranken dar. Im Gegensatz zubei den übrigen Deutsehen Sanitätszügen mit Inter-uiminikation geübten Verfahren wurden hier die Wagender Beladung oder zum Zweck ihrer Entladung erstgeinander gekuppelt, um auf diese Weise das Auf-gen der Tragen auf die Plattform und das Hineinschiebendie Wagen bezw. das Herausziehen aus denselben be-emer und in einer für den Kranken weniger beun-Lenden Weise zu ermöglichen. Der durch das Ab-pneln bedingte Zeitverlust Hess sich durch die grösserehnelligkcit des Verladens ausgleichen.Sämmtliche Krankenwagen waren verschliessbar, nume-mit dem Genfer Kreuz bezeichnet und mit einer|fel versehen, welche die Namen des dem Wagen zu-heilten Arztes und des betreffenden Unterpersonalshielt.

L rankenwagen des Badischen Lazarethzuges.(Siehe Tafel XXIII.)

Der Badische Lazarethzug bestand, soweit es sich umKrankenwagen handelte, anfänglich aus

1) Wih'ttembergischen durchgängigen PersonenwagenLlasse, aus welchen die Sitze entfernt und in ent-eilender Weise durch Lagerbahren ersetzt wurden;

2) nicht durchgängigen Güterwagen, auf deren BodenReihe von Fischer - Lipowskischen Universalschweben

über welchen als zweite Etage Lattenhängebahren,Wand und Decke befestigt, schwebten (diese Wagenden später ausser Gebrauch gesetzt);

3) nicht durchgängigen Badischen gemischten Wagenlund 2. Klasse, aus denen Sitze und Scheidewände ent-

Bnt waren, um je fünf eisernen Ordonnanzbettladen Platzzu

') Vergl. S. 272. Anmerkung 1.

Sanitäts-Bericlit ülier die Duiteclieii Heere 1870 71. I. B.l.

»eben. (Vergl. Tafel XXIII, Fig. 1.) Dieselben

frden gleichfalls wieder ausgeschieden.Später kamen hinzu:

4) durchgängige Stallwagen, 1 ) aus welchen man die Stall-riehtungherausgenommen hatte. In diesen Wagen wurdenvier Universalschweben auf dem Boden aufgestellt, über

welchen je vier Hängebahren an Gurten von der Wagen-decke und den Seitenwänden herabhingen (Fig. 2):

5) durchgängige Wnrttembergische Personenwagen."i. Klasse, in welchen an Stelle der Sitze acht eiserneOrdonnanzbettladen mit dem nöthigen Zubehör aufgestelltwaren (Fig. 3);

6) für Offiziere hergerichtete heizbare Hofsalonwagen.mit je zwei Bettstellen nebst Matratzen, Kopfpolstern undDecken, ferner Tischen, Sophas, Spiegeln u. s. w. ausgestattet.

Sämmtliche Krankenwagen ad 1 bis 5 enthielten eiserneOefen nebst Heizgeräthen, Cocosmatten zur Belegung <\e^Mittelganges, Querhölzer über den Bängebabren, Verband-tisch, Spiegel und eine reichliche Ausstattung mit Geschirr.

Krankenwagen des Hamburger Lazarethzuges.Dieselben wurden auf dem Kriegsschauplatze requi-rirt') und mittels der dahin mitgenommenen Aus-rüstungsgegenstände eingerichtet. Dazu war von demIngenieur llennicke ein von den bisher beschriebenen Me-thoden vollkommen verschiedenes Aufliängesystem derTragen in Anwendung gebracht, welches seither den NamenHamburger System" behalten hat. Für je zwei übereinanderaufzuhängende Tragen sind vier schmiedeeiserne Zangen,sogenannteTeufelsklauen", erforderlich, deren untere

Zeichnung 9. Teufelsklaue. (Hamburger System.)

Schenkel Dinge tragen, in welche ein in einen Hakenendender Federapparat eingehängt ist. Die Zangenendenwerden an die Spriegel der Wagendeckon angelegt undhaken sich bei Belastung der Tragen in dieselben immerfester ein; ihr Abgleiten wird durch eine die beiden unterenSchenkel zusammenhaltende Schraube verhindert. An denHaken im unteren Ende der Federapparate werden durchhänfene Schlaufen (oder Gliederketten) vier Stangen be-festigt, welche je zwei viereckige Oesen zur Aufnahme derTragestangen der übereinander aufzuhängenden Tragen be-sitzen. Das seitliche Schwanken dieser hängenden Lager-vorrichtung wurde dadurch verhindert, dass man die derWagenwand zugekehrten Tragestangen mittels Riemenoder Gummiringe in Haken einhängte, welche in dieLängswand des Wagenkörpers eingeschraubt waren, so

Vergl. S. 272.

30