276
V. Kapitel: Sunitätszüge.
so liat sich doch ini Ganzen die Ofenheizung in den Preussi-scheu Krankenwagen hinreichend bewährt. Auch bei.strengster Kälte gelang es, eine Durchschnittstemperaturvon 8—10° R. zu erzeugen und zu unterhalten. Klagenüber Kälte in den Krankenwagen kamen selten vor. NachWiedereintritt wärmerer Witterung musste eher gegen über-mässiges Heizen angekämpft werden.
Gegen zu starken Luftzug an den Fenstern half sorg-fältiges Verkitten der Fugen und Ritzen, gegen Durch-nässung der an den Fenstern gelegenen Matratzen beimAufthauen der gefrorenen Scheiben das Anbringen vonBlechrinnen längs der Fenster und Ableitung des Thau-wassers in kleine Sammelgefässe:
Die bekannte Thatsache, dass eiserne üefen zwar raschheizen, aber auch rasch wieder erkalten und viel Brenn-material verbrauchen, ist wiederholt — und nicht mitUnrecht — als Mangel dieser Heizmethode hervorgehobenworden. Auch wurde von einzelnen Führern der Sanitäts-züge als Missstaud bezeichnet, dass die Oefen schwer zureinigen und von Schlacken zu befreien seien.
Die Ventilationsvorrichtungen der Krankenwagenbestanden in 2 bis 3 kleinen laternenartigen Dunstabzügen inder Wagendecke und in besonderen, mit Schiebern ver-sehenen Oeffnungen in den Seiten- und Stirnwänden derWagen. Da aber diese Maassnahmen zu einer genügendenVentilation nicht ausreichten, zumal auch die in denWagen untergebrachten Uniformstücke etc. zur Luftver-schlechterung beitrugen, so sah man sich genöthigt, dasbewegliche Fenster an der hinteren Wagenthür dauerndherabzulassen, oder auch, wenn es die Witterung zuliess,diese Thür ganz offen zu halten. Durch Vorziehen oderZurückschlagen der Portieren an den Stirnthüren Hess sichdabei der Luftzutritt beliebig regeln. Die Urtheile derAerzte auf den Preussischeu Sanitätszügen über die Zweck-mässigkeit dieser Vorrichtungen gingen zwar weit aus-einander, doch sind Thatsachen von nachtheiligem Finflussungenügender Lufterneuerung in den Krankenwagen nichtberichtet worden.
Die Beleuchtung der Preussischeu Krankenwagenerfolgte bei Tage durch die in genügender Anzahl vor-handenen Seiten- und Wagenthürenfenster. Die unterenTragen erhielten dabei freilich relativ wenig Licht, nament-lich wenn es nothwendig wurde, die oben liegenden Krankengegen zu grelles Sonnenlicht und die von der schneebedecktenLandschaft ausgehenden Reflexstrahlen durch Zuziehen derFenstervorhänge zu schützen. Zur Beleuchtung bei Nachtdienten die in Decken und'Stirnwände eingefügten, theilsdurch Oel gespeisten, theils Stearinkerzen enthaltenden Coupe-laternen. Daneben besass jeder Krankenwagen noch eineHandlaterne mit einer Stearinkerze. Dieser Beleuchtungsarthafteten verschiedene Mängel an, insofern die Coupelaternenden Wagenraum keineswegs ausreichend erhellten und dieStearinkerzen nicht über sechs Stunden brannten. Zudemereignete es sich bei grosser Kälte nicht selten, dass das
Oel in den Laternen einfror, ohne dass während derbieine Erneuerung der Kerzen oder eine ErwärmungOels stattfinden konnte, weil die Laternen nur von anszugänglich waren. Die Handlaternen allein aber koujden Wagenraum unmöglich genügend erhellen. gJwurde deshalb der Etat eines Sanitätszuges an HandlateJvon 20 auf 25 erhöht. (Ausserdem erhielt jeder Zu<r,Operationsleuchter.)
Das gesammte bewegliche Inventar der PreusäiKrankenwagen bestand aus folgenden Gegenständem12, später 10 Krankentragen,40 Gummiringe mit Lederriemen, bezw. FederapparatJ2 Goupelaternen mit 2 Vorhängen,1 eiserner Ofen mit 1 Kohlenkasten, 1 Köhler«
und 1 Feuerzange,1 hölzerner Tisch mit Klappsitz,8 Fenstergardinen,1 Läufer aus Wachsleinwand,
8 doppeltheilige Portieren für die Stirnthüren,
9 Huthaken,5 Hutnetze,1 Handfeger,1 Thermometer,1 Wasserfass (15 Quart enthaltend) mit 1 MessingJ
1 Trichter (zur Füllung des Fasses) und 1 Ziiikif(zur Aufnahme des vom Hahn abträufelnden Wl1 Waschschüssel,
1 Wasserglas,
2 Wasserkasten mit Deckel (für den eisernen Ofen).
Das Fass lagerte neben dem Ofen unter dein Tidessen Platte vorspringende Randleisten besass und iReihen Fächer zur sicheren Aufstellung von Flaschen \hielt. Die zum Aufhängen der Ausrüstuugsgegenstaider Kranken bestimmten Haken wurden in die Mittelpfdund Längswände eingeschraubt. Die Hutnetze hingen iden oberen Krankentragen zur Benutzung für dieltreffenden Kranken; die unteren Tragen hatten keine isprechenden Vorrichtungen, was vielfach zu BedaJAnlass gab. Desgleichen wurde es als ein Mangel!zeichnet, dass über den Tragen keine Riemen zuraufrichtung der Kranken angebracht waren und da*Krankenwagen keine Trittbretter enthielten, auf wellman bequem zu den Insassen der oberen Tragen hatte!langen können. Ebenso fehlten Tafeln zur AufzeiAjder Diätverordnungen. Behufs Unterbringung von Gesiwaren die Wagenwäude mit besonderen Gestellen versdi
Krankenwagen des X. Preussischeu (HainioviJ
scheu) Sanitätszuges.
{Siehe Tafel XIX.)
(Güterwagen ohne lnterkommunikation, mit Thürenj
beiden Längswänden.)
Jeder Wagen enthielt 12 an den 4 Wänden in i
Etagen aufgehängte Lagerstellen. Zur Lagerung diel
nicht die Preussischeu Feldtragen, sondern etwas brei|
mit Fussbrett und kurzen Handgriffen versehene ]
in deren Holzrahmen als Unterlage für die Matratze!