Zweiter Abschnitt.Einrichtung und Ausstattung der Sanitätszüge. — Dienstbetrieb auf denseRiJ
I. Zusammensetzung der einzelnen Züge.
Zahl und Art der Wagen.
Während bei Aufstellung der verschiedenen DeutschenSanitäts-, Spital- und Lazarethzüge im Beginn desKrieges eine systematische Trennung der liegend und dersitzend zu transportirenden Kranken und Verwundetennicht durchweg in Aussicht genommen worden war, führtendie im Laufe des Feldzuges gewonnenen Erfahrungen zudem Grundsatz, diese beiden Kategorien systematisch auseinander zu halten.')
Ausschliesslich für den Transport liegender Patientenwaren eingerichtet die drei ersten Preussischen Sanitäts-züge aus Personenwagen 4. Klasse, sowie die beiden fin-den Krankenbedarf ausgerüsteten Güterzüge, desgleichendie drei Weissenburger Lazarethzüge, die PreussischenSanitätszüge No. I bis X, die beiden Lazarethzüge des Herrnv. Hoenika, der Sanitätszug des Berliner Hilfsvereins, derMainzer, der Hattinger, der Hamburger und der PfälzerLazarethzug. Dagegen führten die vier Bayerischen unddie drei Württembergischen Spitalzüge, der Badische undder Kölner Lazarethzug neben den mit Lagervorrichtuugenausgestatteten Wagen noch eine wechselnde Anzahl solcher,welche sitzend zu Befördernde aufnehmen konnten. —Endlich waren der Sächsische und der Frankfurter Sanitäts-zug ursprünglich zwar nur zur Aufnahme liegend zu Trans-portirender bestimmt, beiden Zügen wurden aber auf demKriegsschauplatz mehrfach weitere Wagen zur Mitnahmevon sitzend zu befördernden Rekonvaleszenten, Leicht-verwundeten und Leichtkranken angehängt.
Alle diese hier unter dem Gesammtbegriff „Sanitäts-züge" zusammenzufassenden Formationen stellten fahrendeLazarethe dar, welche durch Ausrüstung und Organisation
') In der Kriegs -Sanitätsordnung von 1878 ist diese Unter-scheidung festgehalten: nach derselben sind Lazareth- und Hilfs-Lazarethzüge, welche unter der gemeinsamen Bezeichnung „Sanitäts-züge" zusammengefasst werden, ausschliesslich zur Beförderung liegendzu Trausportirender bestimmt, während zur Aufnahme derjenigen"Verwundeten und Kranken, deren Zustand das Fahren im Sitzen ge-stattet, Krankenzüge dienen sollen.
dazu befähigt waren, die darin Untergebrachten für 1|JZeit zu beherbergen, angemessen zu verpflegen undjweite Entfernungen hin den heimathlichen PflegestarJzuzuführen.
Die ausserdem noch vom Kriegsschauplatz nach jHeimath abgelassenen zahlreichen Eisenbahnzüge, welJihre Insassen (Leichtverwundete, Leichtkranke und inesende) ausschliesslich in sitzender Stellung befördertsowie die ersten Improvisationen mit Strokschüttung u. s,Jwelche bei Beginn des Feldzuges nothgedrungen auchTransporte Schwerverwundeter dienen mussten,da sie einer specifischen Ausrüstung, OrganisationLeitung entbehrten, in dem Folgenden ausser Betracht I
Aus dem Umstände, dass anfangs ein einheitliJPlan für die Einrichtung von Sanitätszügen nicht vor«erklärt sich die zu Tage getretene grosse Verschieden!]in der Zusammensetzung der einzelnen Züge, welche iwährend des Feldzuges erhebliche Abänderungen erfalamusste. So repräseutirten beispielsweise die als erste«dem Kriegsschauplatz erschienenen Bayerischen Spitizüge ursprünglich je einen Wagencomplex von40 Wagen, in denen sehr grosse Mengen von Kraulund Verwundeten (560 bis 881 Mann) befördert wurden,zeigte sich aber bald, dass diese langen, für den Haatransport berechneten Züge den Anforderungen weniger!entsprechen im Stande waren, ak kleinere, bewegund mit weniger, aber besonders ausgewählten InsasJbelegte Züge, da erstere bei den damaligen VerkelVerhältnissen nur unter Schwierigkeiten befördert werikonnten, durch ihre Schwerfälligkeit auf den ohnehin rafüllten Bahnhöfen des Kriegsschauplatzes und der Grtjländer Verkehrsstörungen verursachten und auf den iangelegten Umgehungsbahnen, um überhaupt vorwärtswegt zu werden, öfters getheilt werden mussten. Allwar es bei dem Mangel eines vollständigen KommunikatioiSystems unvermeidlich, dass unter der Länge der Züge Iärztliche Dienst, die Verpflegung und die Beaufsichtig!der Kranken litt. Dies waren die Gründe, welcheBayerische Kriegsverwaltung bald veranlassten, die langi