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V. Kapitel: Sauitätszüge.
der Evakuationskomiuission zu Weissenburg behufs Forinirungwirklicher Sauitätszüge zur Verfügung gestellt wurden. 1 )Die Kommission kam dieser Aufgabe so schnell nach, dassschon am 17. Oktober der erste Zug, als WeissenburgerLazarethzug No. 1 bezeichnet, völlig ausgerüstet entsendetVerden konnte. Ein zweiter Zug veiiiess Weissenburg am24. Oktober, ein dritter am 11. November 1870. 2 )
Da jedoch bei Beginn der kalten Witterung die derHeizvorrichtung entbehrenden Weissenburger Züge den An-forderungen nicht mehr entsprachen, so wurde ihre Auf-lösung beschlossen. Das verfügbare Material derselbenfand, soweit es in den Rahmen der nunmehr maassgebendgewordenen Bestimmungen passte, bei der Ausrüstung von10 neuen Preussischen Sanitätszügen Verwendung.Neun derselben wurden in Berlin nach gleichem Plane er-richtet; der X. (Hannoversche) Zug erhielt eine besondereEinrichtung.
Am 15. November 1870 ging der erste dieser Züge,aus 20, mit Heizvorrichtung versehenen Wagen bestehend,nach Weissenburg ab und von dort am 17. weiter; am 21.und 30. November folgten der 1J. und JH.; am 8., 13., 21.und 30. Dezember der IV., V., VI. und VII. staatlicherseitsaufgestellte Preussische Sanitätszug, am 1. Januar 1871 derX. (Hannoversche); am 15. Januar und am 3. Februar 1871endlich liefen die (Preussischen) Sauitätszüge No. V1I1 undIX aus. 3 )
Inzwischen war auch seitens der Sächsischen Militär-verwaltung ein Sanitätszug ausgerüstet worden, dessenThätigkeit im Dezember 1870 begann.
B. Süddeutsche Staaten.
Den Bayerischen Behörden gelang es mit Hilfe derRathgeberscken Fabrik in München und unter Mitwirkungder Bayerischen freiwilligen Krankenpflege sehr rasch,vier Spitalzüge aufzustellen, von denen der erste bereits am7. August nach dem Kriegsschauplatze abging; die übrigenfolgten schnell nach. Im November 1870 wurde der vierteBayerische Spitalzug aufgelöst; seine Bestandtheile fandenzur Ergänzung der Züge I bis III Verwendung.
Ebenso ermöglichten die erwähnten sorgfältigen Vor-bereitungen, welche die Württembergische Militär-verwaltung diesem Gegenstande gewidmet hatte, und dasenergische Eingreifen des Ministers von Varnbüler, dassebenfalls noch im Laufe des August drei WürttembergischeSpitalzüge — als die ersten durchgängigen Züge — aufdem Kriegsschauplatze erscheinen konnten.
In Baden wurde im Oktober ein aus Badischen undmehreren vom Kriegsschauplatze her nach Karlsruhe ge-langten Güterwagen ein Lazarethzug eingerichtet, derselbe
i) Vergl. S. 240.
2 ) Vergl. Beilage 73.
3 ) Vergl. hierzu und zu dem Folgenden Beilage 82 bis 87.
jedoch nach der ersten Fahrt wegen erfolgter Reklamaider Wagen aufgelöst. Der eigentliche „Badische LazaJzug" (siehe zweiten Abschnitt) begann seine Fahrten JNovember, erhielt jedoch seine endgiltige Zusammenseinerst im Februar. 1 )
C. Freiwillige Krankenpflege.
Wahrend r die staatlichen Organe in der beschriefeJWeise bemüht waren, die Errichtung von Sanitäteanach Möglichkeit zu fördern, hatte sich auch diewillige Krankenpflege mit lebhaftem Eifer dersJAufgabe gewidmet. Der erste durch ihre BemühungeJStande gekommene, mit Material und Lebensmitteln;Art, sowie mit eigenem ärztlichen und Pflegepersonal igestattete Sanitätszug wurde von Frankfurt a. M,gesandt. Leider verzögerten Verkehrsstockungen aufüberlasteten Bahnen das Eintreffen dieses Zugs in Reuso dass derselbe unverrichteter Dinge zurückkehren :da sich dort zur Zeit transportable Kranke und Verwnanicht mehr vorfanden. Dagegen gelang es einem SchlesiMGutsbesitzer, dem Herrn v. Hoenika, welcher einen eigejLazarethzug mit Betten und sonstigen Erfordernissen iGüterwagen hergestellt hatte, Anfang September 1870 eReihe Schwerverwundeter in die Heimath zurückzusckafl
Wenige Tage darauf erschien ein in K öln aufgestivon dem dortigen Hills verein ausgerüsteter Sanitäfcijauf dem Kriegsschauplätze.
Der Erfolg der Hoenikaschen Expedition veranlasden „Berliner Hilfsverein für die Deutschen ArnFelde", gleichfalls einen eigenen Lazarethzug aue Mgängigen, mit Trage-Einrichtungen versehenen Wagen Ikonstruiren und diesem Zuge, nach dem VorgangeWürttemberg, Küche und Proviantmagazin mitzogaAm 2. Oktober trat dieser aus 14 Wagen (danij10 Krankenwagen) bestehende Zug seine erste Fahrt iProfessor Dr. Virchow an. Im Ganzen führte er vierFakaus. Da sich die Zahl der Staats- und Vereins-Sanitatsiinzwischen bedeutend vermehrt hatte, blieb derselbe^bis zum 6. Dezember in Verwendung.
Die drei Sanitätszüge von Mainz, HamburgHattingen, welche die freiwillige Krankenpflege im Vamit den staatlichen Organen in Thätigkeit setzte, giqder Reihe nach im November auf den Kriegsschauplatz |Die letzte Leistung der freiwilligen Krankenpflegediesem Gebiete war die Errichtung des PfälzerLazaizugs, welcher seine erste Fahrt im Februar autrat inGanzen drei Reisen ausgeführt hat.
Als ausschliesslich staatliche Schöpfungenübrigens nur die ersten fünf aus Personen- bezw. Gütenva;
') Die Fahrt im Oktober ist in Beilage 81 mit erwiBeilage 86 hingegen in Anbetracht der oben erwähnten Verla«mit Absicht ausser Betracht gelassen.