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Der Sanitätsdienst bei den deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71
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V. Kapitel: Sanitätszüge.

Erster Abschnitt.

Entwickelung des Eisenbahn-Transportwesens für Verwundete und Kranke.Gesammt-Uebersicht über die im Deutsch-Französischen Kriege ausgerüstet!

Sanitätszüge.

I. Eisenbahntransport Verwundeter und Kranker vor und in dem Kriege

des Jahres 1866.

Während des dem Deutsch-Französischen Kriege vor-angegangenen halben Jahrhunderts, in welchem die Aus-breitung der Schienenwege über die Staaten Europassich vollzog, war weder die Möglichkeit noch dieVeranlassung gegeben, das neu entstandene Transport-mittel für ungesäumte Fortführung von Verwundeten undKranken auf weite Entfernungen hin in annähernd sogrossem Maassstabe wie im Jahre 1870/71 zu verwerthen.Nur räumlich beschränkte oder rasch beigelegte Völker-zwiste unterbrachen während jener Periode den Euro-päischen Frieden; weder standen sich in diesen Feldzügenso gewaltige Heeresmassen gegenüber, noch wurden in sokurzer Zeitfolge gleich blutige Schlachten geschlagen, nochendlich gewann das Operationsgebiet eine so beträchtlicheAusdehnung, wie dies während des Krieges 1870/71 geschah.

Zur Zeit der kriegerischen Ereignisse im südöstlichenEuropa in der Epoche von 18151848, sowie derjenigenvon 18481850 in Deutschland war die Entwickelung desEisenbahnwesens überdies noch so primitiv, dass an eineausgiebige Verwendung der Eisenbahnen für Kriegszweckenicht gedacht werden konnte.

Auch während des Krimkrieges (18531856) bliebdie Verwendung der Eisenbahnen für den Transport vonVerwundeten und Kranken, entsprechend dem damaligenStande des Eisenbahnwesens im Osten Europas noch einedurchaus untergeordnete, während der Transport auf Dampf-schiffen immerhin schon einen bemerkenswerthen Umfangannahm.

Der Italienische Krieg von 1859 war zu schnellbeendigt, und der Dänische Krieg von 1864 bewegtesich überhaupt in zu kleinen Dimensionen, um auf dieEntwickelung des Eisenbahntransportes für Zwecke derKrankenpflege einen tiefer greifenden Einfluss ausüben zukönnen. Erst nach dem mit grösseren Truppenmassen und

auf einem ausgedehnteren Gebiete geführten DeutschKriege von 1866 wurde die Frage der KrankenevakiiaJauf Eisenbahnen Gegenstand lebhafterer Diskussionumfassenderer Maassnahmen. Hatten auch die während!Amerikanischen Sezessionskrieges gemachtenfahrungen schon vor dem Feldzuge von 1866 in DeutscMgebührende Beachtung gefunden, so war doch die dazwiailiegende Zeit und die Dauer des Krieges von 1866für eine ausgiebige Verwerthung derselben zu kurz.

Während des Sezessionskrieges in Nord-Amerika ivon Lettermann (1863) und Elisha Harris (1864J1865) der Gedanke durchgeführt worden, Verwundete!ihrem Lager in eigens mit Schwebevorrichtungen für |Tragen versehenen, durch Dachreiter ventilirtenmittels Oefen geheizten Eisenbahnwagen fortzuschaffen. I

Solche Hospitalwagen wurden nebst besonderen WaJfür das Pflegepersonal, sowie für den Transport von LenJund Labemitteln, Arznei- und Verbandgegenständen inach dem Kriegsschauplatz abgehenden Eisenbahnzügen jgegeben und rückten bei einzelnen Gelegenheitenbis auf das Schlachtfeld vor.

Bei der Einrichtung des Amerikanischen Eiseulultransports stellte jeder einzelne Hospital wagen,einem beliebigen Eisenbahnzuge angehängt wurde, Isich ein geschlossenes Ganzes dar. Derselbe entlineben dem Unterkunftsraum für die Kranken in Isonderen Verschlagen eine Kochvorrichtung, eine Apotl|Kloset u. s. w., konnte somit als ein SelbstständigkeitSchienen gestelltes Lazareth angesehen werden.

Die Deutschen Sanitätszüge des Jahres 1870/711gegen repräsentirten aus einer grösseren Anzahl von W|zusammengesetzte, geschlossene Formationen, deren'bindung mit anderen, nicht dem Krankentransport diene!Zügen grundsätzlich ausgeschlossen blieb. Die Wagei|