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Der Sanitätsdienst bei den deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71
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I.

VIII. Abschnitt: Nördlicher Kriegsschauplatz.

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. g r ö SS eres Privathaus, sowie die Gendarmerie-Kaserne, fürT /arethzweeke benutzt. Das Lazareth hatte bis Ende Novembernen Zugang von 370 Mann. Im Dezember betrug derselbe, r noch 30 Mann. Von den sonach behandelten 400 wurden»fi'l theils geheilt entlassen, theils nach Chälons evakuirt, 29wurden am 5. Januar dem ablösenden Lazareth-KeservepersonalVIII. Armeekorps übergeben.

Dem 2. Feldlazareth VIII. Armeekorps waren in Compiegnezunächst die Kavallerie-Kaserne, die sogenannte Venerie undiW Kaiserliche Marstall überwiesen worden sämmtlich fürI.azarethzwecke wenig geeignete Gebäude. Als am 28. Novemberaus der Schlacht bei Amiens Verwundete in Compiegne ein-tnfen rücksichtigte das Lazareth zur Unterbringung derselben,uf das Kaiserliche Schloss. In Summa behandelte das Lazarethin Compiegne 1588 Mann, u. a. 453 meist leicht Verwundete.N'achdem das Lazareth seine letzten Kranken mittels Dampf-schiffs nach Soissons evakuirt hatte, wurde es am 12. Märzaufgelöst. Seitens der freiwilligen Krankenpflege waren demLazareth sechs Diakonissinnen und drei Krankenpflegerinnenüberwiesen worden. Im Laufe des Dezember hatte das Lazaretheine schwierige Lage, da es sich zeitweilig ohne jeden militä-rischen Schutz befand.

Das 10. Feldlazareth I. Armeekorps übernahm am20. November von dem 11. Feldlazareth XIII. Armeekorps inGrand Pre 28 Kranke, welche in der Gendarmerie-Kaserneuntergebracht waren. (Vergl. Seite 156.) Am 4. Dezemberwurde das Lazareth in Grand Pre nach Rücksendung der letztenKranken aufgelöst.

Das 3. Feldlazareth I. Armeekorps etablirte sich am23. November zu Noyon in dem Hopital generale nebst derBrüderschule, einem Privathause, im Maison de Charite undin dem Kapitelsaale der Kirche. In Summa nahm dasLazareth daselbst 565 Mann auf, darunter 195 Verwundete,und beendete seine Thätigkeit in Noyon am 7. Januar. Eshatte während des Dezember kritische Lagen zu überstehen,da Noyon bis zum 9. Dezember ohne militärische Besatzungwar. Ein am 11. Dezember von dem Lazareth nach La Fereabgesandter Krankentransport in der Stärke von 3 Offizierenund 102 Mann wurde bei Tergnier von feindlichen Truppenaufgehoben und nach Harn gebracht. Mehrfach geschahenin dieser Zeit von Einwohnern Noyons Angriffe auf Lazareth-dehilfen und Trainsoldaten; erst nachdem Königlich SächsischeTruppentheile in Noyon eingerückt waren, wurde die Haltungder Bevölkerung eine ruhigere. Nach Aufhebung des Kranken-transports nach La Fere fanden die ferneren Evakuationenüber Compiegne nach Soissons statt.

Das 1. Feldlazareth I. Armeekorps löste am 13. Novembermit der 2. Sektion in dem Dorfe Boulzicourt das 11. FeldlazarethXIII. Armeekorps ab. (Vergl. Vormarsch der III. und Maas-Armee nach Paris.) Vom 15. November ab war es mit der1. Sektion in dem Dorfe Guignicourt thätig. Im ersteren Ortewurden in Summa 129 Mann behandelt, darunter 27 Verwundete,in letzterem 12 Verwundete. Die Evakuationen erfolgten nachRefhel und Reims. Guignicourt konnte schon am 21. November alsLazareth aufgegeben werden, während dasjenige in Boulzicourtseine letzten Pflegebefohlenen am 27. Dezember evakuirte.

Das 6. Feldlazareth I. Armeekorps war seit dem Abenddes 15. November in Donchery etablirt und übernahm am18. November auch die aus der Schlacht von Sedan her nochin Donchery befindlichen 25 Verwundeten, welche zuletzt inder Behandlung des Lazazeth-Reservepersonals IV. Armeekorpsgestanden hatten. Das Lazareth benutzte zwei Privathäuser,ein von Nonnen geleitetes Hospice, die Salle dAsyle und dieKavallerie-Kaserne. Es gingen vorzugsweise Marschkranke zu,welche thunlichst evakuirt wurden, da das Lazareth bereits

Smitäts-Bericht über die Deutschen Heere 1870/71. I. Bd.

am 21. November der 1. Infanterie-Division zu folgen hatte.Bei dem Bestände von 127 Verwundeten und Kranken bliebentsprechendes ärztliches und Pflegepersonal zurück, welchesseine Thätigkeit am 3. Januar beendete, nachdem der Bestandallmälig nach Reims evakuirt worden war.

Am 26. November hatten die Divisionen des VIII. Armee-korps zwischen Moreuil und Bssertaux Quartiere bezogen.Als die 30. Infanterie-Brigade über Moreuil hinaus rückte,wurde dieselbe in ein Gefecht verwickelt'), in Folge dessendas 1. Sanitätsdetachement VIII. Armeekorps einen Verband-platz in Berteaucourt zwischen Moreuil und St. Nicolaserrichtete.

In der Schlacht bei Amiens 2 ) am 27. November 1870marschirte bei dem I. Armeekorps das 2. Sanitätsdetachementmit der Avantgarde und errichtete während der Schlachtmit der 1. Sektion einen Verbandplatz in Domart sur Luce,mit der 2. einen solchen in Demuin. Das 1. Sanitäts-detachement I. Armeekorps, am 27. November in Moreuileingetroffen, war in Folge des starken Kanonendonnersvorwärts marschirt und nach Demuin gelangt. Von dortdurch Befehl der 2. Division nach Hangard beordert, suchtees das Schlachtfeld nach Verwundeten ab, fand jedoch keineGelegenheit, eine ausgedehnte Thätigkeit zu entfalten.

Von den Sanitätsdetachements VIII. Armeekorps wardas 1. der 15. Infanterie-Division zugetheilt worden, welchejeder Brigade eine Sektion überwiesen hatte. Beide Sektionengelangten bei Boves bezw. Sains und bei Thennes zurWirksamkeit.

Das 2. Sanitätsdetachement VIII. Armeekorps, der16. Infanterie - Division beigegeben, errichtete zunächstVerbandplätze in den ersten Häusern von Rumigny, imweiteren Verlaufe der Schlacht solche in Hebecourt undSchloss Dury: an beiden Orten blieb es bis zum 1. Dezemberbeschäftigt.

Von den Feldlazarethen der I. Armee gelangte amSchlachttage das 6. Feldlazareth VIII. Armeekorps inHebecourt und das zur 3. Kavallerie-Division gehörige11. Feldlazareth VII. Armeekorps in Marcelcave zurEtablirung, ausserdem theils in der Nacht zum 28., theilsam Morgen des 28. November vom I. Armeekorps das5. Feldlazareth in Moreuil, das 7. in Le Quesnel und vomVIII. Armeekorps das 4. in Sains.

Das 6. Feldlazareth VIII. Armeekorps etablirte sich zunächstam nördlichen Ausgange von Hebecourt in einer Villa und einemgrösseren Gehöfte, war jedoch weiterhin genöthigt, in dem starkzerschossenen Dorfe eine Anzahl kleiner Gehöfte am südlichenEnde zur Aufnahme von Verwundeten herzurichten. Am1. Dezember übernahm das Lazareth auch die Sorge für diein Dury bisher vom 2. Sanitätsdetachement VIII. Armeekorps

!) Generalstabswerk II, S. 583.

2 ) Vergl. Generalstabswerk II, S. 585 ff. Die Verluste betrugennach Anlage 99:

todt .... 19 Offiziere, 211 Mann,verwundet . 56 984 ,

vermisst . . 1 21 ,

76 Offiziere, 1216 Mann.

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