Band I.
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Band I. VI. Abschnitt: Bewegungen der III. und Maas-Armee nach der Schlacht bei Sedan, Einschliessung von Paris etc.
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sich 103 Typhus- und 31 Ruhrkranke. Im Laufe der nächstenZeit gingen weitere 90 Kranke zu. Das Personal blieb biszum 24. März 1871 in Thätigkeit und verpflegte im Ganzen7 Verwundete'und 656 Kranke. Ausserdem bestand am Bahn-hof eine Passantenstation von 130 Betten. 14 verschiedeneHäuser waren ursprünglich von dem Feldlazareth in dem vonden Einwohnern fast ganz verlassenen Städtchen belegt worden.Die Zimmer reichten meist nur für je sechs Betten, so dass dieHilfe von sechs Schwestern und einem freiwilligen Kranken-pfleger zu statten kam, zumal ein Arzt und vier Krankenwärteran Typhus erkrankten.
Auch von den während der Einschliessung und Be-lagerung von Paris etablirten Feldlazarethen wurden mehreredurch Lazareth-Reservepersonal abgelöst, welches theilsauf diese Weise, theils durch Neu-Erricktung stehenderKriegslazarethe nahe der rückwärtigen Grenze des Ein-Bchliessungs-Rayons die der Armee vor Paris zur Verfügungstehenden Sanitätsanstalten vermehrte.
Die erste Heranziehung von Reserve-Formationen er-folgte, als das I. Bayerische Armeekorps im Oktober denMarsch nach Südwesten angetreten hatte und es galt, eineausreichende Anzahl von Sanitätsanstalten desselben fürdie auf dem neuen Kriegsschauplatze zu erwartendenEreignisse verfügbar zu machen. In Folge dieser Not-wendigkeit wurden am 12. Oktober das Aufnahms-FeldspitalNo. 6 in Corbeil und das Aufnahms-Feldspital No. 10 inSt. Germain les Corbeil durch das Haupt-Feldspital No. 4und das (ebenfalls zur Spitalreserve gehörige) Aufnahms-Feldspital No. 1 abgelöst, nachdem bereits aus demselbenAnlass am 7. Oktober das unmittelbar vorher in Coulommiers(siehe später) zur Thätigkeit gelangte Haupt-Feldspital No. 5Befehl erhalten hatte, sich unverzüglich nach Corbeil zubegehen, wo es am 8. Oktober Morgens nach einem starkenXacütmarscke anlangte und sämmtliche leerstehenden Villenin den eine Stunde von Corbeil entfernt liegenden DörfernEtiolles und Soissy sous Etiolles überwiesen erhielt. Corbeilund dessen nächste Umgebung gestaltete sich damit zueiner Haupstätte der Krankenpflege vor Paris; die Be-deutung der dortigen Lazarethanstalten wuchs in demMaasse, als die Evakuations-Transporte von dem süd-westlichen Kriegsschauplatze her (vergl. das Kapitel„Krankenzerstreuung") sich mehrten.
Das Haupt-Feldspital No. 5 hatte bereits am 9. Oktobereinen Zugang von 425 Mann, meist Rekonvaleszenten undMaroden; in kurzer Zeit mussten Lagerstellen zur Aufnahmevon 800—900 Kranken vorbereitet werden. Die in Be-nutzung gezogenen Schlösser, Villen und Häuser — meistvon prächtigen Parks und Gärten umgeben — lagen fastinsgesamtnt an der Pariser Strasse, theilweise auf Anhöhen oderm Thalmulden nahe der Seine und waren zu Krankenzweckenvorzüglich geeignet. Allerdings war bei der Menge und dergrossen Entfernung der einzelnen Lokale von einander dieUeberwachung und Verpflegung sehr schwierig; die Zahl derim Gebrauch stehenden Zimmer und Säle betrug 132 —hierzukamen noch 8, im Oktober sogar 11 Küchen. Das ganze Spitalbestand aus je acht Abtheilungen für innerlich und äusserlichKranke, aus einer Abtheilung für Krätze nebst einer getrennten
Sanitäts-Bericht über die Deutschen Heere 1870/71. I. Bd.
Blatternstation in einem fast '/s Stunde von Etiolles entferntgelegenen Hause. Bald nach Eröffnung der Krankenaufnahmewar der höchste Tageskrankenbestand am 18. Oktober mit833 Mann erreicht. — Die höchste Krankenziffer wies inden nächsten Monaten der 15. November mit 750 Mann, der11. Dezember mit 679 und der 4. Januar 1871 mit 664 Mannauf. Nachdem schon Ende Januar der Krankenzugang sichmerklich verringert hatte, konnte das Spital am 4. März nachEvakuation der letzten 21 Kranken in das Aufnahms-Feld-spital No. 1 zu Corbeil St. Germain seine Thätigkeit abschliessen.Im Ganzen waren in Etiolles und Soissy vom 9. Oktober 1870 bis4. März 1871 5929 Mann (darunter 4177 Passanten) behandeltworden.
Das Bayerische Haupt - Feldspital No. 4, welches am
10. Oktober von Sedan herangekommen war, musste am
11. Oktober das Aufnahms-Feldspital No. 6 I. Bayerischen Armee-korps in Corbeil unter Uebernahme von 741 in zehn Häusernuntergebrachten Kranken ablösen. Schon während der Ueber-gabe des Bestandes trafen fortwährend neue Kranke ein, welchedie belegten Räume, selbst Korridore, überfüllten, so dass inden ersten Tagen Ordnung schwierig herzustellen und zu erhaltenwar. Von den zahlreichen Krankentransporten, die sowohl vonder Umgebung von Paris, als von Orleans und Chartres mittelstLandfuhrwerken und Eisenbahn nach Corbeil kamen, wurdendie meisten Schwerkranken, sowie die nicht mehr Transportablenzunächst dem Spital zugewiesen, ebenso auch die Blatternkranken(namentlich Franzosen von den durchpassirenden Gefangenen-Transporten im Dezember und Januar), deren Todesfälle dieSterblichkeit nicht unbedeutend erhöhten; zur Unterkunft dieserKranken waren die Mansarden-Räume des Hospice (Galignani)bestimmt. Der tägliche Krankenstand (zwischen 450 — 600)nahm erst im Februar erheblich ab; der Zugang betrug imOktober 1244, steigerte sich im November auf 2106, im Januarauf 2273 Mann und fiel im Februar auf 1523. Ausser derBesorgung ihrer Lazarethkranken fiel den Aerzten die Aufgabezu, den rückbeförderten Kranken Beistand zu leisten. DieThätigkeit des Hauptfeldspitals dauerte in Corbeil bis 12. März1871; am 16. März trat dasselbe seinen Rückmarsch nach Bayernan. Während des Zeitraumes vom 12. Oktober 1870—12. März1871 kamen zur Behandlung 4908 Kranke und Verwundeteund 4101 Rekonvaleszenten, somit 9009 Mann.
Das auf dem rechten Seine-Ufer, in St. Germain les Corbeil,thätige Aufnahms-Feldspital No. 10 IL Bayerischen Armeekorpswurde am 12. Oktober vom Aufnahms-Feldspital No. 1 abgelöst,indem letzteres 259 Kranke in vier Villen und einem Spinnerei-Saale übernahm. In kurzer Zeit wurden noch vier Villen neu-eingerichtet, ferner am 16. Oktober der nur mit Verwundetenbelegte Garten-Pavillon des Schlosses St. Germain (2 km von denübrigen Spitallokalen entfernt) übernommen, endlich ein kleinesGebäude als Passantenhaus für neun Offiziere benutzt. Insgesammtverfügte das Spital über genügende Räume zur Aufstellung von270 Betten für Mannschaften und von 18 Betten für Offiziere.Dazu wurden Mitte November zwei grosse leerstehende Häuserals Passantenhäuser eingerichtet, welche nebst einem Nebenbaufür 100—125 fast täglich durchpassirende Kranke und Ver-wundete bequeme Unterkunft auf Strohsäcken in erwärmtenRäumen darboten. Von den 11 benutzten Häusern lagen zehninmitten von Gärten oder Parks. Die Zahl sämmtlicher zur .Krankenpflege verwendeten Zimmer und sonstigen Räume beliefsich auf 83, welche in acht Kranken-Abtheilungen eingetheiltwaren. Längere Zeit stand auch ein Eiskeller zur Verfügung.Die Mehrzahl der zugegangenen Kranken litt an innerlichenErkrankungen (über 75°/o). Unter den äusserlich Kranken be-fanden sich 175 Verwundete. Während der fünfmonatlichen
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