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Der Sanitätsdienst bei den deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71
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Band ]

Band I.

VI. Abschnitt: Bewegungen der III. und Maas-Armee nach der Schlacht bei Sedan, Einsehliessung von Paris etc.

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vollkommen trocken, aber ohne Fenster, Thüren und Bretter-böden, konnte erst nach Beseitigung dieser Mängel am 6. Oktoberzur Unterbringung von Kranken benutzt werden. Als am1 und 2. Oktober auch noch die bisher von drei FranzösischenCivilärzten besorgten Kranken im Hospice, im Quarantaine-Gebäude und in der Villa Deudon übernommen und hierzu nochjene aus den umliegenden Kantonnements-Spitälern etc. beimAufbruch des I. Armeekorps nach Corbeil übergeführt wurden,steigerte sich die Krankenzahl so, dass der tägliche Bestanddes Spitals, der am 24. September 429 Kranke betrug, am

28. September auf 623, am 3. Oktober auf 744 Mann anwuchsund vom 7. Oktober an die Zahl von 800 Kranken täglich(einschl. der Passanten) überstieg. Sämmtliche Bäume warenüberfüllt; das ärztliche Personal, unterstützt von einigen zu-oetheilten Aerzten und mehreren Studirenden der Medizin,lammt dem durch Mannschaften der Landwehr-Bataillone ver-mehrten Wartepersonal blieb in fast ununterbrochener Thätigkeit.Am 11. Oktober erfolgte die Ablösung durch das eben ein-getroffene Haupt - Feldspital No. 4; demselben wurden741 Kranke übergeben. Insgesammt sind aufgenommen worden1839 Mann, darunter 164 Verwundete.

In demselben Orte trat auch das Aufnahms - FeldspitalNo.101.Bayerischen Armeekorps am 26. September in Thätigkeit.Dasselbe benutzte vier Villen und den Saal einer Baumwollen-spinnerei. Schon am zweiten Tage waren 363 Kranke vor-handen; insgesammt sind 647 Mann zugegangen. Am 12. Oktobergab das Spital den Rest seiner Kranken an das Aufnahms -Feldspital No. 1 ab.

Nordwestlich Corbeil, in Villebousin bei Longjumeau, schlugdas Aufnahms-Feldspital No. 9 I. Bayerischen Armeekorps am

29. September zunächst nur mit einer Sektion auf, benutztedas Schloss und 10 Häuser, sowie das nahe SchlösschenBallaiuvilliers, wo ein Französischer Arzt mit Beihilfe vonSchwestern die Kranken behandelte. Als die Räume nicht mehrausreichten, musste die zweite Sektion am 2. Oktober in deml'/s Stunden entfernten Schlosse Mont Huchet sich einrichten.Aufgenommen wurden hier 181 und in Villebousin 518 Kranke,359 am 8. Oktober verbleibende wurden dem Feldspital No. 11I. Bayerischen Armeekorps übergeben.

Das Aufnahms-Feldspital No. 12 IL Bayerischen Korpshatte in Verrieres le Buisson am 29. September in Thätigkeitzu treten. Dieser von seinen etwa 1100 Einwohnern damalsfast gänzlich verlassene Ort ist gepriesen wegen seiner reizendenLage im Bievrethale an dem terrassenförmigen südlichen Abhängedes vom Bois de Verrieres bedeckten Abschnittes der Hochebenevon Versailles, sowie wegen seines milden Klimas, da er durchdie Höhen und den Wald vor Nord- und Nordwestwinden ge-schützt, nach Süden aber offen liegt. Wegen dieser Vorzügeein beliebter Sommeraufenthalt für die Pariser, war der Ortund die Umgebung mit zahlreichen, in schönen Parks gelegenenLandhäusern versehen, welche der Etabliriing des Spitals trefflichzu statten kamen. In der ersten Woche wurden zwei grössereVillen nebst zwei grossen anstossenden Gebäuden und das Schul-haus eingerichtet und sofort benutzt. Als die Krankenzahlhoher stieg und die Belegung wegen der vielen Typhus- undluihrfälle eine weitläufigere werden musste, wurden auch daszweite Schulhaus, eine Villa, sowie ein anderes Wohnhaus zurKrankenaufnahme, in einem kleinen Hofgebäude die Krätz-anstalt mit Bädern und Desinfektionsvorrichtung, endlich fürUlatternkranke ein ganz isolirtes, von Gärten umgebenes kleinesHaus eingerichtet, so dass Mitte Januar die ganze Anlage auszehn Gebäuden bestand, welche in 79 Räumen 380 Lagerstellenrar die Kranken und das nöthige Wartepersonal enthielten, un-gerechnet die Räume und Betten für das übrige Personal

Sanitäts-Bericht über die Deutschen Heere 1870/71. I. Bd.

(Offiziere, Aerzte, Beamte). Fast sämmtliche Gebäude standenin Parkanlagen oder Gärten, das Trinkwasser war überall gutund rein. Beim Eintritt kälterer Jahreszeit verursachte dieHeizung Schwierigkeiten, da nur ein Theil der Zimmer in denzum Sommeraufenthalt gebauten Häusern Kamine, die meistenübrigen Räume keinerlei Heizvorrichtung besassen. In einigenwenigen Häusern fanden sich Anlagen zu Luftheizungen, welchezum Theil benutzt werden konnten. Für die übrigen Lokalewurde Abhilfe durch aufgefundene Oefen, sowie durch eigeneHerstellung kleiner eiserner Oefen geschaffen. Letztere wurdenvon einem Mann des Lazarethpersonals, einem Schlosser, ausden vorhandenen eisernen Gartenstühlen und aus Eisenblechkonstruirt; das Untergestell des Ofens bestand aus diesen Stühlen,deren durchbrochene Sitze den Rost bildeten. Bei Aufstellungder Oefen in den Zimmern wurde die Rohrleitung gewöhnlichdurch die Fenster geführt. Das Spital blieb fast 5 '/a Monate inThätigkeit und hatte nebenbei am 4. Dezember die von Antonynach Verrieres verlegte Station zu übernehmen, wozu eingünstig an der Hauptstrasse gelegenes Gebäude mit 66 Lager-stellen in grossen Zimmern eingerichtet wurde.

Am 20. Februar kam noch eine Filiale hinzu in dem einehalbe Stunde entfernten Ort Massy, welche aus den zurück-gelassenen nichttransportablen Kranken des Aufnahms-Feld-spitals No. 8 bestand.

Bei Beginn des Abmarsches des IL Bayerischen Armeekorpshatte das Spital vom 7. März ab noch die Aufnahme und Eva-kuation der Kranken des ganzen Armeekorps allein zu über-nehmen, besorgte am 9. März die Ueberleitung aller Schwer-kranken nach Versailles und am 10. März die letzte Evakuationvon 96 Kranken nach Lagny mit Hilfe der Sanitäts-Kompagnien.Am 11. März verliess dasselbe als letzte Abtheilung desIL Bayerischen Armeekorps in dem südlichen Einschliessungs-ring von Paris den Ort Verrieres und marschirte seinem Armee-korps bis Coulommiers nach, wo es nach einigen Kantonnirungs-tagen in dem nahegelegenen Chäteau du Buisson am 19. MärzBefehl zum sofortigen Rückmarsch nach Ingolstadt erhielt.

Vom 29. September bis 10. März wurden an beiden ge-nannten Orten 5500 Mann (ausschliesslich 2718 Passanten) auf-genommen, darunter 71 Verwundete.

Oestlich Paris in Lagny schlug das 1. WürttembergischeFeldspital am 20. September auf, um bis 25. März 18713638 Mann (u. a. 1120 Verwundete) zu verpflegen.

Desgleichen richtete sich das 4. Feldspital') und zwar die

1. Sektion am 29. September, die 2. am 5. Oktober in Noisielein. Es fand hier in einer Fabrik einen Saal mit 32 Bettenvor, welchen der Besitzer bereits als internationale Ambulanzfür Lazarethzwecke hergestellt hatte, schliesslich benutzte esin dieser Fabrik 21 Säle mit 350 Betten, sowie 12 Offizier-Krankenzimmer im Schlosse und der Villa des genannten Be-sitzers. Vom Dezember an wurde auch eine Maschinenhallefür 150 Kranke in Gebrauch gezogen, so dass das Spital überreichliche und gute Unterkunftsräume verfügte. Es nahm bis11. März 1871 im Ganzen 1533 Pfleglinge auf, unter ihnen718 Verwundete.

Am 30. September endlich Hess sich die 1. Sektion des

2. Württembergischen Feldspitals in Meaux nieder (nordöstlichLagny), wo schon am 18. September der 3. WürttembergischeFeld-Sanitätszug eine Krankenstation in der Kavallerie-Kaserneunterhielt, um bis 8. Februar 1871 in Summa 3449 Mann(u. a. 390 Verwundete) Beistand zu leisten.

Nach Noisiel und Lagny führte der 1. Feld-Sanitätszug,welcher vom 19. September bis Ende November in Villiers,

Vergl. Stoll im Literaturverzeichniss.

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