812 October 1530.
Aarau von Oecolampad gemachten Anzug, betreffend die Einführung eines christlichen Bannes, soll auf nachsteinTag Antwort gegeben werden, ob man einen solchen annehmen wolle. L. Betreffend die Antwort auf dasSchreiben, welches Zürich von dem Kaiser empfangen hat, wird von allen Orten gewünscht, daß diese Erwi-derung zum „freundlichsten, mildesten, unverfänglichsten und ziemlichsten"*) gefaßt werden sollte, damit wederfiir Zürich noch die andern Städte etwas Widriges daraus erwachse. K. Jeder Bote kennt das Anbringendes Voten von Basel, der im Auftrag seiner Obern aus allerlei Ursachen empfiehlt, eine Botschaft zum fran-zösischen König zu schicken und ihm vorzutragen, was den christlichen Städten begegne, sie zu „entschuldigen" :c.und dagegen zu erforschen, wessen sie sich von ihm versehen dürften. Darüber soll man auf dem nächsten TagAntwort geben. I». Es weiß jeder Bote, daß die V Orte die 2500 Kronen ohne alle Bedingungen, lautdes Berichtes und letzten Vertrages, gegen eine gebührliche Quittung bezahlt haben, und was dabei geredetund von allen Thcilen gehandelt worden ist; kraft eines Mehrheitsbeschlusses hat man das Geld dem Schult-heiß und Rath zu Aarau bis auf weitern Bescheid zu behalten überantwortet, i. Für alle diese Geschäfteist ein anderer Burgertag in Aarau anberaumt auf Allerheiligentag (1. November).
Das Zürcher Exemplar ist dntumlos. Uebcr die Datirung ist zu bemerken, daß der 2V. October ver-muthlich den Tag der letzten Verhandlung (vielleicht über lr) bezeichnet; einen diesfalligen Anhaltspunct gibtfolgender Bericht:
1530, 12. October, 0 Uhr Abends, Baden. Joh. Schweizer und Hans Edlibach an Bürgermeister undRath iu Zürich. 1. Sie haben nur Boten von Bern, Glarus, Freiburg und Appenzell getroffen und mit den-selben verabredet, auf die übrigen noch 1—2 Tage zu warten. Unterdessen sei der Bote von Uri gekommen,der die baldige Ankunft der andern (4 Orte) verspreche; dergleichen seien Solothnrn und Basel heute angelangt.Bis die V Orte alle da seien, wolle mau nun die Geschäfte der christlichen Burger verhandeln. 2. VenncrStärker wisse nichts Neueres von dem Zug nach Genf, als daß Bern, Freiburg und Solothurn bis Ruc gezogenund jetzt weiter rücken; auch sei geschrieben worden, wie viele biderbe Leute dazwischen treten, um einen Friedenzu machen; der Herzog habe wohl 16000 Mann beisammen und verstärke sich von Tag zu Tag. Mühlhauscnberichte, daß es iu der Umgegend ganz stille sei, ebenso in Lothringen zc. St. A. Zürich: «. G°»s.
4U.
Uern. 15.Z0, o. 20. October f.
Kantonsarchw Solothurn: Abschiede Bd. rs.
Gesandte von Solothnrn — Benedict Mannsleib, I. Hieronymus von Lutcrnan, Wolfgang Stölli,Hans Wallier — erinnern instrnctionsgemäß an einen Artikel des zn Genf (St. Julien) gemachten Vertrags,kraft dessen die Landschaft Waat, wenn der Herzog von Savoyen denselben verletzte, den beiden Städten ver-fallen sein sollte; daß Solothnrn davon ausgeschlossen sei, finde man nicht wenig befremdlich, da es demHerkommen der Stadt wie dem Brauch und den Bünden der Eidgenossen zuwiderlaufe, indem bisher die Orte,die ans die Mahnung anderer mit ihren Zeichen ausgezogen, mit ihnen wie Lieb und Leid, so auch eroberteLande und Leute gcthcilt haben. Weil nun für Solothnrn an diesem Handel viel gelegen, indem ein solcherAnfang („ingang". Präcedens) später zn größeren Nachtheilcn sichren könnte, so »volle es Bern (und Frcibnrg)
*) Das Berner Exemplar sagt nur „zum fründlichosten".