504 Januar 1530.
aus der Betrachtung des Welttaufs wie aus den zugegangenen Warnungen und Kundschaften zn vermuthcnist, es sei darauf abgesehen, die Städte in und außerhalb der Eidgenossenschast, die dein göttlichen Wort an-hangen, zu „Abfall und Verkleinerung, in Summa zum Sterbeil und Verderben" zu bringen; denn es istjetzt wohl bekannt, daß der Kaiser don dem Papste angefeuert wird, den evangelischen („unfern") Glauben zuverfolgen („dnrchächten") und auszurotten; ebenso weiß man, daß der Kaiser und König Ferdinand vor etlichenJahren berathschlagt haben, eine löbliche Eidgenossenschaft und die Reichsstädte zu unterdrückeu, und was manam meisten zu Herzen nehmen muß, ist die Nachricht, daß die V Orte dem Kaiser die Frage vorgelegt habensollen, wessen sie sich von ihm zu versehen Hütten, da sie nicht gesonnen seien, den Landfrieden zu halten, unddaß er ihnen zugesagt habe, sie nicht zu verlassen, soweit es in seinem Vermögen stehe, die römische Kirchezu erhalten und aufzurichten; zu schweigen von vielen andern Anzeigen und Warnungen, die man jener Fürstenund der V Orte wegeil empfangen hat, wie nämlich letztere niit denselben heimliche Tage halten, schreiben undan ihren Anschlägen Theil nehmen. 2. Dies Alles ist von den Gesandten ernstlich erwogen und dabei be-rathen worden, was in solcher schwierigen Lage zu thun sei, und hierauf zum ersten verabschiedet, es solle jedeStadt den Ihrigen ohne Verzug gebieten, sich mit Geschütz, Pulver und andcrm Kriegsbedarf, sowie mitHarnischen, Schuhen und Gewehren wohl zn versehen, damit die christlichen Städte einander getreuen undwirksamen Beistand leisten können, was ihnen auch über kurz oder laug zustoßen möchte. ?». Es ist auchbeschlossen, an die Obern zu bringen und auf dem nächsten Tage zu Baden Antwort zu geben, ob sie denvon mehreren Seiten gemachten Vorschlag billigen, von den V Orten eine bestimmte Erklärung zu fordern, obsie die Bünde samt dem Landfrieden beschwören wollen, da man aus ihrer Antwort bald erkennen würde, obsie den Frieden zu halten begehren, v. Deßglcichen soll heimgebracht und den Boten zu dem Tag in Badenernster und tapferer Befehl und genügende Vollmacht erthcilt werden, was wegen der Kundschaft von einemZürcher, der aus „dem Land" herausgekommen, lind dessen Bericht jedem Boten abschriftlich initgetheilt wordenist, mit den V Orten geredet, wie denselben ihr „Wesen und Practicieren" vorgehalten und von ihnen, da eshohe Zeit dazu sei, ein lauterer verläßlicher Bescheid gefordert werden soll, was man von ihnen zu halten habe,und wessen man sich von ihnen versehen dürfte, wenn der Kaiser und seine Anhänger eine oder mehrereStädte angreifen würden, um sie mit Gewalt von der evangelischen Wahrheit zu dräugen. «Ü. Sodanu wirdabermals angezogen, was gegen die heimlichen Späher und Boten zu thun sei, die zur Vermittlung schäd-licher Anschläge hin und wider gefertigt werden, und nach gepflogener Unterredung und stattlicher Berathuugverabschiedet, daß jede Stadt in ihrer Obrigkeit und Verwaltung auf diese verdächtigen Leute treues Aufsehenhaben und wo solche getroffen werden, mit denselben handeln soll, was die Nothdurft und die Billigkeit derSache erfordert; reitende oder laufende Boten aber, welche Ehrenzeichen, Schilde oder Farben von Städten oderLändern tragen, sollen nicht beleidigt noch gefangen werden, sondern nnangcfochten ihren Geschäften nachgehen,wofern einer nicht durch Worte oder Werke so viel Argwohn erweckte, daß die Obrigkeit Ehren halb verpflichtetwäre, gegen ihn einzuschreiten, v. Da die verirrte elende Secte der Wiedertäufer mit ihrem Haufen undihrem Lehren allenthalben je länger je mehr und gefährlicher überhand nimmt, wodurch in dem wahren christ-lichen Glauben großer Abfall und Zwiespalt, viel Jammer, Blutvergießen und Unruhe erwächst; da be-sonders zu Schwäbisch-Gmünd die Täufer gehaust und die Eheweiber mit einander gemein gehabt haben,woraus die Fcrdinandischen oder Kaiserlichen Anlaß nehmen, die evangelische Wahrheit zu verdächtigen und dieLutherischen zu schmähen, während jene Seete und ihr Treiben zum Erschrecken unerträglich und dem Evan-gelium Ehristi zuwider ist, so soll jeder Bote zum treulichsten an seine Herren und Obern bringen, daß man