Oktober 1529.
zu Herzen nehmen soll, wenn anderswo biedere Christenleutc um der Wahrheit willen vergwaltigt oder unter-drückt werden, als wenn das bei uns geschähe. Es ist zu bedenken, daß das Glück und Gedeihen der christ-lichen Herren und Städte am Rhein oder anderswo auch unser Sieg und unsere Stärke ist; denn würden siebewältigt und wieder zu päpstlichem Wesen gezwungen, so hätten die Gegner desto mehr „Anleitung" undMacht, uns mit gleicher Maß zu messen, und würden wir ohne Zweifel um so minder verschont, als wir, vondem Glauben abgesehen, als Anfänger des Burgrcchts mehr als Andere verhaßt sind. . .
2. Zweitens fällt in Betracht die große Macht an Landschaften und Herren, die dem Kaiser, dem Königvon Böhmen, den Bischöfen, Pfaffen und ihren Anhängern zngethan und ihrer Practiken mitwisscnd sind, gegenwelchen Anhang und Reichthum unser Vermögen sich gar zu klein ausnimmt. Würde man sich darauf zu vielvertrösten, so könnte „er" (der Kaiser?) wohl unversehens mit einem mächtigen Heere aus Italien, wie es ohneZweifel sein Plan ist, in Deutschland einfallen, sich an den Rhein lagern, eine Stadt und einen Herren nachdem andern nöthigcn, und dann wäre von den „Eidgenossen" (den V Orten) nichts anderes zu erwarten, alsdaß sie »ach einem Unfall (der Evangelischen) sich „liederlich" gegen uns bewegen ließen, sodaß die Glocken zu-sammenschlagen würden und man nicht unangefochten bliebe, sondern vielleicht schwer geschädigt, zerstört und zuder früheren Abgötterei genöthigt würde.
3. Denn es erscheint als unwidersprechlich wahr und gewiß, nach der Versicherung von Leuten, die umdiese Dinge unfehlbar wissen, daß der Kaiser von den Pfaffen besoldet wird und zur Unterwerfung der evan-gelischen Stände aus Spanien gezogen ist, und daß er mit seinem Bruder ein auf Täuschung berechnetes Spielvorhat, indem der Kaiser mit der Pfaffen Hab und Gut den einen Türken, wie sie sagen, die Lutherischen,Ferdinand aber mit Hülfe der Städte den anderen Türken bezwingen soll. Es sollen nämlich mit Listen dieStädte aus dem Land gegen den Türken geführt und dadurch ihre Macht verbraucht und vernichtet werden,wodurch der Pfaffen Gut, das zur Bezwingung der Lutherischen dienen soll, erspart und behalten würde. Dasläßt sich handgreiflich daran erkennen, daß alle Hülfe, die Ferdinand sucht, nur von den Städten gefordert wird,die er unaufhörlich um Hülfe anspricht, während er die Pfaffen und die oberländischen, an uns grenzendenHerren nncrsucht still sitzen läßt, als ob es sie nichts anginge, offenbar in der Absicht, die Städte zu schwächen,damit sie dem Angriff des Kaisers, des Messias der Pfaffen, desto weniger Widerstand leisten, und die Pfaffenihre Güter und „ehrsüchtige Gewalt" behalten und damit fromme Christen zum Abfall nöthigen mögen. ' 'Es werden auch „itel Männli" und Spiegelfechter angestellt, um den Schein zu erwecken, als ob es etwasTapferes gegen die Türken gölte. Aber all das ist lauter Betrug; denn bringt ein Hauptmann Knechte auf,so fährt er allein davon und läßt die Leute zurück, oder umgekehrt. So bleiben alle die Herren und Hanpt-leutc, die an den Grenzen der Eidgenossenschaft wohnen, ruhig im Land, stellen sich aber immerfort an, als obsie jeden Tag wegreisen wollten: alles boshafte List wider Christum und die Seinen.
4. „Zuodem hat ouch gedachter Landgraf diser dingen halb heimlichen verstand mit dem künig ußDennmark, Herzog von Geldern, von Lünenburg, Mecklenburg, Brunschwyg, Zweicnbruck, Brandenburg, Fries-land und andern, die all evangelischer leer und die mit im zuo schirmen besinnt und bedacht. Wenn dann diefach mit Straßbnrg beschlossen und der verstand mit im, dem Landgrafen gemacht, wäre es dann alles ein fach,ein hilf, ein will von: meer heruf bis an unsere laud, daß der Keiser am Rhpn niena kein ufenthalt han, ouchkein Herr, wie mächtig joch der wäre, uns die hilf abnemen möcht, wie ouch der Landgraf das sclbs zuo unserbotschaft gercdt, wenn Straßburg mit uns daran, so syge im nit anders*), dann ob er schon unser nächsternachbur sige; dann so dick und vil das not, (daß) er uns zuo hilf kommen, darvor im kein Herr spn noch wiedas geweren mög.
5. „Wenn dann ander Herren und Stett, die sich bißhar uß forcht hindcrhalten, disen anhang und trostsechcn, wurde sich mänige (statt?) Herfür thuon und uf unser syten stan, die sunst zwungenlich, das si nit gern thüt,
") Am Fuße der Seite notirt Vepel in kleiner Schrift: „v"' pferd, geschütz, profiand, pfalzgraf selbs begleitet."