Februar 1529.
9. Zu Handeu der Obrigkeit und der Landleute lege er diese Handschrift nieder, und da sie in gegen-wärtigen Uniständen seine Richter seien, so rufe er sie an, seine Widerpartei anzuhalten, auf diese rechtmäßigenForderungen Antwort zu geben; alsdann werde er sich dermaßen in diesen Rechtshandcl schicken, daß jedermannsehen müsse, daß er nicht begehre, muthmillig Aufruhr zu machen oder fromme Christenleute zu verwirren, wieViele mit der Unwahrheit behauptet haben. El. A. B-r,,-. Kirch!. AngUegenh.
6) 1529, 24. Februar (St. Matthins Tag). Die Zürcher Boten in Lucern, Joh. Wcgmann und WernerBeyel, an ihre Obern, Der letzten Weisung entsprechend, der Feldkirchischen Practik halb sich heimlich zu er-kündigen, haben sie Folgendes zu berichten: Am letzten Montag Abend (22. Februar), als die Edelleute Antonvon Erlach und Jacob von Dießbach von Bern und Nathsherr Kachlin von Lucern den Berncr Boten beimNachtmahl Gesellschaft geleistet, haben „sie" nach dem Schlaftrunk, da die Zürcher Bolen sich früher entfernt,vor jenen, die sie weniger scheuen, „ausgeschlagen" und nicht verbergen mögen, daß die V Orte ihre Botschaftenzu den Kaiserlichen geschickt und Hülfe gegen Zürich begehrt haben, um sich im Thurgau und anderswo vordessen täglich verübten Gewaltthaten zu schirmen und beim alten Glauben bleiben zu können; es seien auchschon alle Dinge zugesagt und beschlossen; nur seien die Länder noch nicht einig, ob sie fremdes Volk hereinführen lassen wollen oder nicht, da ein Theil sehr widerstrebe, fürchtend, daß es ihnen damit gehen könntewie den Mailändern mit den Spaniern, deren sie zuletzt nicht mehr Meister geworden; auch scheuen sie sichvor Krieg in ihren Gebieten; deßhalb sei darin ein Mittel gesucht worden, daß der Kaiser drei „groß gewaltigeHerren" zur Sicherheit nach Lucern legen soll, damit er nicht weiter greifen dürfe, als die Länder bewilligenwürden, sodaß sie je nach der Sachlage die Hand „offen und zu" hätten; es handle sich bloß noch um dieStunde, wann die Sache anzugreifen sei. Sie haben übrigens die Absicht, nicht von sich aus den Krieg zu führen,sondern ihre Knechte nur laufen zu lassen. — Kürzlich haben sie auch ein Burgrecht mit den Wallisern gemacht,das von „Rüthen und Burgern" zu Lucern zu besiegeln beschlossen sei; die Walliser haben ihr „Burgrecht" mitSavoyen auf 191 Jahre erneuert; hiemit versuchen „sie" eine Kette zu bilden, um die evangelischen Städte („uns")zu „bekläftern". Es werde auch ganz unverholen auf den Gassen besprochen, wie die V Orte zu Feldkirch Hülfesuchen, um den Hochmuth der Zürcher zu dämpfen. Die Boten der Länder, die am Montag früh um 9 Uhreingetroffen, liegen noch immer hier und verhandeln ernstlich, ob sie „ein Volk" ins Land kommen lassenwollen. — Des Murners halb hätten die Boten gewünscht heimgerufen zu werden, indem die ertheilte Vollmachtihnen zu schwer vorkomme, wie den Boten von Bern, die nochmals Befehl von ihren Obern erwarten; dochwollen sie mit einander thun, was sie mit ihrem geringen Verstand zuwege bringen können.
St. A. Zürich: A. I. Cappelerkrieg.
7) 1529, 27. Februar (Samstag nach Ncminiscere), Lucern. Dr. Thomas Murner an Herbarr Hettcrzu Straßburg. „Minen stündlichen gruoß und alles guots zuo vor. Lieber vetter, ich Hab üch mit Caspardem trucker gebetten, daß ir oder Wernher wellent von im zuo Frankfurt entpfahen dritthalbhundert („iij")latinischer disputation von Baden von minentwegen, und die in mpnem kosten hinder üch behalten und gon Straß-burg lassen fieren, daß ich sy hinder üch Hab; das bitt ich üch noch uf das feindlichst, daß ich nit darum kum;sonst bin ich mit dem trucker ganz und gar vertragen und ist bezalt lut siner Hand qnittanzen, so ich hindermir Hab. Ich Hab üch auch gebetten, glaser Dicbolts bruodcr Uolrichen r g. von minentwegen zuo zuo senden,daß er dassclbig gelt an min stuck reben an lege und (die) buw uf das best, als ich im vertruw, unangesehendaß es villicht nit ein gnot stuck ist, kurz ab, es muoß gebuwen siu, gott geb gott gricß, ich wills nit lassen widerzuo schüren gon.* Witers wisscnt, lieber vetter, daß beide stett Zürich und Bern hoch gegen mir erbittretein(en) rechtstag wider mich begeret handt, der ist inen ersetzt gewesen uf Montag nach Reminiscere, dcss ich garnüt erschrocken bin gsin, sonder mit srölichem herzen verstanden Hab, und ist der tag also beschehcn. Minegnedigcn Herren von Luzcrn sint uf den selbigen Montag zuo recht gesessen, die Rät und Hundert der statt Luzernmit sampt allen iren ämpteren dor zuo berieft. Als beider Stett anwält und botschaften (am) Montag erschinen,habent st) sich mit vilen warten über mich ze klagen entschuldiget, wie inen entgegne etwas das sy nit vermeinthellen, welltent aber heim schriben gon Zürich und Bern, und was inen befolhen wurde, handle«. Also sindmincr Herren ämpter all zno Luzern in großem losten da bliben bis uf Donderstag nach Reminiscere, sint wir