Februar 1529.
die so die hohe obcrkeit, das fryg ungemittelt Imperium haben, daran hindern noch sumen, daß sy nit das, soinen von iren stiften, klöstern und conventen in ircr oberkeit gelegen fry heimgestellt und übergeben, annemcnund damit irs gcfallens und guoten bedunkens handten, schaffen, walten und villicht in bessere ücbung ver-wenden möchten."
Des Glaubens halb zu handeln, gehöre nicht hicher. Wenn aber Mnrner vermeinte, daß Zürich darinirre, so habe man zu erwidern, daß ihm die Stadt immer offen gewesen, um uns eines Bessern zu belehren!dazu sei er auf der Disputation zu Bern nicht erschienen, sondern habe dieselbe nach seiner Art schändlich ver-lästert, die Besucher „besprcnzt und gcschänzelt", während ihm das Geleit dahin ohne Zweifel so gut wie An-dern gehalten worden wäre, zc. ?c.
Wenn er nach der spitzfindigen Art der Juristen geltend zu machen versuchte, es sei die Frist für solche Klageverstrichen, oder man könnte ihn laut der geschriebenen Rechte wegen bloßer Scheltworte nicht peinlich beklagen,oder sich mit anderen „fuchslistigen Juristengrifflin" behclsen wollte, so muß man sich einfach auf den Brauchder oberländischen Gerichte berufen, die von solcher „scherpfe" nichts wissen; „dann was ein biderwcn unpar-tyischen verständigen man in sinem herzen guot und recht bedunkt, ist auch das recht, und ob schon kein buochstabniemermer darumb geschribcn wär."
Würde er M. Ulrich Zwingli anziehen, weil dieser nicht nach Baden gekommen ?c., so wird man sichdessen nicht beladen, sondern erklären, M. Huldreich wisse wohl zu verantworten, was er gcthan oder gelassen;man habe es jetzt nicht damit zu thun w., damit man von der Hauptfrage nicht abgeführt würde. Das Weitere,was nach Umständen vorzubringen sein wird, muß man den hiezu verordneten Boten vertrauen.
(Arbeit von W. Bcyel.)
2) 1529, 18. Februar (Donstag nach Jnvocavit), Zürich. Rathschlag der Heimlichen über den Handelmit Murner.
„Diewyl es jetz kund Und offenlich, daß die von Luzern mit den übrigen in(en) anhängigen Orten zuoFeldkirch mit den Keiserischcn on zwyfel wider uns und das heilig gottswort heimlich untrüw und anschläg, unszuo ruck und hinderwärtling mit kleinen eeren, wider ir und unser pünd und geschworen brief und sigel nnzuo-richten . . und damit uns und die unseren in schad, angst und not zuo bringen understand; darus wol undgar lychtlich by eim jeden verständigen abzuomessen und zuo erwägen, was guoten gemüets ft) zuo uns tragend,und was glycher billigkeit, erbarkeit oder guoten rechtens, frylich mit dann spott und spitzwort und alle Un-gerechtigkeit wir by inen erlangen möchtind, und daß zuo ersorgen, daß wir in ein solichen schweren wyt-schwcifen, langwirigen und verwirrten gerichtshandel mit disem arglistigen Münch und in vil zyt nit wider daruskämind, und nüts da zuo erlangen dann schand, spott und schaden; desshalb vil unnützen kostens, nahitrölens,müeg und arbeit, so man hiemit unnützlich und vergebenlich haben müeßt, und die man wol in bessers ver-wenden und nützers (da)mit schaffen mag, zuo verhüeten, diewyl man jetzt mich wol anders ze schaffen (hat)dann mit disem unnützen rechten umbzegan; daß dann etivan an Sunntag zuo abent der klein Rath hievornenzuosammen bcrüeft, inen abgehörte Meinungen fürgehalten und dannenthin ein bott ylends gan Luzern verfertigtwerd, der des andern tags am Mentag früeg zuo ratszit uf das rathus gan Luzern mit einer schriftlichenabmanung komme und unsere Kotten im allerbesten widerumb heim mane. Da mögent dann unsere bottenhinin gan und sölich schryben und abmanen offenlich verlesen lassen; das wirt dann darzuo guot (sin), obvillicht von jedem ampt, als man seit, zwen mann da wärind, daß sy irer Herren hübscher crbarer Handlungenzum teil bericht wurdint."
(Folgt Concept des vorzuschlagenden Abmahnungsschreibens an die Boten.)
St. A. Zürich: A. Neligioilsschlnähllligen.
3) 1529, 19. Februar, Bern. Instruction für die Botschaft nach Lucern, betreffend den Handel mitMurner. 1. Da sich Zürich und Bern vereinbart haben, einander bei der Rechtsverhandlung Beistand zu leisten,so sollen die Boten zunächst mit denen von Zürich zusammensitzcn, um Murners Schmähschriften zu erlesenund zu berathen, wie die Zürcher ihre Klage auf das allerschicklichste führen könnten. Nachdem dann diese