VII
Grenzortcn nährte; das von Oesterreich angebotene engere Bündnis; konnte oks Nebenbuhlerdes französischen um so weniger Anklang finden. Einen kritischen Moment für solche Be-ziehungen brachte die Bewegung des deutschen Bauernkrieges, die auch die oberösterreichischenLande erschütterte und es den Schweizern verführerisch nahe legte, das aufständische Walds-hnt, das Frickthal, das Schwarzwald-Amt und andere Grenzgebiete an sich zu ziehen. SolcheAbsichten wagten sich indessen nicht heraus; die große Mehrheit der Eidgenossen hielt ohneWanken die Erbeinnng aufrecht; nur wenige Stände mischten sich als gütliche Vermittler ein;die Reislänfer, die der Herzog Ulrich von Würtemberg geworben hatte, wurden wirksam ab-gemahnt, die Parteigänger der empörten Bauern zurückgerufen und mit Strafen belegt, diefremden Flüchtlinge theilweise ausgeliefert. Für diese Rücksichten und die gebrachten Opferernteten aber die betheiligten Orte wenig Dank. Da eben sie jene kirchliche Neuerung unter-nahmen, welche Oesterreich mit aller Anstrengung bekämpfte, so wurden sie bald mit Restitntions-nnsprüchen, mit Hästen ans geistliche Güter, mit Marktverboten und andern Hemmungen be-lästigt; mit den V Orten dagegen, die offen als Vorkämpfer des alten Glanbens auftraten,suchten die Regenten der österreichischen Lande in ein ersprießliches Einverständnis; zu kommen;ja es gewinnt laut einzelner schriftlicher Zeugnisse den Anschein, daß der Hof die Entzweiungder Eidgenossen so weit thunlich förderte, um dieselben politisch zu schwächen. Mit etwasverdächtigem Elser reizte er die V Orte, dem Bnrgrecht der Stadt Eonstanz mit Zürich undBern entgegenzutreten; er bot ihnen endlich ein förmliches Bündnis; zum Schuhe des altenGlanbens und des beidseitigen Besitzes an und bewies denselben,' auch nach dessen plötzlicherAuflösung, besondere Zuneigung. Um so mehr wird das Mißtrauen begreiflich, das die nen-glänbigen Stände in ihren Berathnngen gegen Oesterreich an den Tag legen; gipfelte dochdessen Ansicht und Interesse an den schweizerischen Verhältnissen in der Hoffnung, die alteOrdnung vollständig wieder herstellen zu können.
Bei all' diesen Beziehungen blieben Besitz und Verträge unverändert, zumal das vonOesterreich heftig bestrittene Bündnis; von Constanz mit den Vororten der uengläubigen Eid-genossen nach nur vierjährigem Bestehen aufgelöst wurde. Weit ernstere Folgen knüpften sichan die Verhandlungen mit dem Hause Savoyen. Zwar blieb der Frenndschastsvertrag,den es im Jahre des „großen Pavierznges" mit acht Orten geschlossen hatte, in äußerlicherGültigkeit, wobei aber die schwankende Haltung des Herzogs in den Kriegen zwischen Frank-reich und dem Kaiser die Eidgenossen nicht immer befriedigte; indessen traten diese Span-nungen, sowie loeale Marchstreitigkeiten und andere Differenzen, neben den Händeln über diepolitische Stellung von Genf und Lausanne völlig zurück. Die besonderen Bnndesverhältnisse,welche Savoyen mit Bern und Freibnrg, zum Theil auch mit Solothnrn unterhielt, wurdendurch jene, freilich für alle Theile tiefgreifenden, Fragen stark erschüttert und zeitweise that-