Es wird gewis keinem zur Entschuldigung oder Recht-fertigung gereichen, wenn er mit jenem nur sagen kan,daß er sein Talent nicht verderbet oder durchgebrachthabe. Es ist schon strafbar genug, wenn es ver-graben und nicht gehörig angewandt worden ist.Der faule Knecht wird so wenig der Strafe entge-hen, als der Verwüster, Verschwender, und Durch-bringer.O das solte billig allen faulen, trägen untreu-en und unnützen Menschen einen Schrecken einjagen;sie zittern und beben machen! Keiner sage: Ich thueja nichts Böses, und verschwende nichts; ich lebenicht, wie dieser, oder jener; nicht in groben Lastern,Ungerechtigkeit, Unzucht, Hurerey, Ehebruch, Dieberey, Unmäsigkeit — Ach! das ist nicht genug. Daskönnen auch manche ehrbare Heiden sagen. Ohnegrobe Laster leben, das heist noch nicht christlich le-ben. Es sey dann eure Gerechtigkeit besser, alsder Schriftgelehrten und Pharisäer: so werdetihr nicht ins Himmelreich kommen. Wer da weisGutes zu thun, und thuts nicht, dem ists SündeDer Mensch muß auch Gutes thun, und in seinemTheile, und nach seinen Umständen, nützlich in derVelt seyn. Sonst wäre es ihm besser, daß er nichtgeboren wäre. Er ist ja so ein unnützes Glied derGesellschaft. Wie heist es aber von dem unnützen Knech-te? Werfet ihn in die äuserste Finsternis hinaus: Da wird seyn Heulen und Zähnklappen.Wird ein so schweres Gericht über die Unnuͤtzenergehen: was wird dann nicht erst denen bevorstehendie nicht nur unnütz gewesen: sondern gar Schadengethan haben; die Seufzer über sich erregetandere verlästert, gedränget, gedrücket, vervortheiletver-
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Der Lohn der Treue und des Fleises im Gebrauche der von Gott empfangenen Talente im Gegensatze der Strafe der Untreue und der Faulheit : Eine christliche Synodalpredigt vor dem versamelten reformirten Clevischen Synodo zu Wesel den 1. Junius 1774
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