866 Neuzeit bis zur Auflösung des Reiches.
mit seinem römischen Gesetz von 1220 (§ 48 n. 52, n. 74), unter Hein-rich Vllimit dem Ketzergesetz von 1312 3 . Es beruhte auf demselbenGedanken, wenn in Italien seit dem 13. Jahrhundert das lombardischeLehnrechtsbuch wegen der darin enthaltenen Keichsgesetze als ein Anhangder justinianischen Novellen (decima collalio Novellarum) angesehen unddie dazu verfaßte Glossa ordinaria des Jacobus Columbi von demselbenAccursius, der die Glosse des Corpus iuris zum Abschluß brachte, einerBearbeitung unterzogen wurde 4 . Auch für ihn war das Lehnrechtsbuchein Teil des Corpus iuris, die Lehnrechtsglosse ein Bestandteil des litera-rischen Apparates zu den Gesetzbüchern Justinians.
Am schärfsten trat die romanisierende Richtung bei Karl IV 4 ,* hervor:er gründete die Universität Prag, sein Entwurf eines böhmischen Land-rechts (Maiestas Carolina) war reich an römischrechtlichen Ausdrückenund Redewendungen, in der Goldenen Bulle übertrug er die römischenBestimmungen von der Majestätsbeleidigung auf die Kurfürsten (S. 836),das überwiegend für römischrechtliche Verfügungen des Herrschers be-stimmte Amt des Hofpfalzgrafen (S. 528 f.) wurde unter ihm von Italiennach Deutschland verpflanzt.
Mit der Neigung der deutschen Könige, sich auf das römische Kechtzu stützen, hing ihr lebhaftes Interesse für die Universitäten zusammen 5 .War früher die Hofkapelle die eigentliche Pflanzschule für die Diplomatiegewesen (S. 531), so ging diese Aufgabe seit der Gründung Bolognas aufdie italienischen, seit dem 14. Jh. in zunehmendem Maße auch auf diedeutschen Universitäten über 6 . Es war selbstverständlich, daß die Kechts-gelehrten, neben der Idee des Kaiserrechts auch von der humanistischenBegeisterung für das klassische Altertum erfüllt, nach Kräften für dasrömische Recht, das ihnen als Idealrecht erschien, Propaganda zu machen
3 MG. Leg. 2, 355ff.: Et hanc itaque nostre serenitatis constitidionem in cor-pore iuris sub debita rubrica volumus inseri et mandamus. Auch diese Bestimmungist ohne Folgen geblieben.
4 Vgl. S. 759. Laspeyres Entsteh, d. Libri feudorum 326ff. 359ff. 396ff.4a Vgl. Ott u. Pfaff (S. 864). Werunsky Maiestas Carolina, ZRG. 22, «ff.
5 Vgl. § 44 n. 4. G. Kaufmann G. d. d. Universitäten, 2 Bde. 1888-1896;Univ.-Privil. der Kaiser, ZGW. 1,118ff.; Die d. Univ., ihre Entw. vom 16.-19. Jh.,HistVjschr. 20 (1920) 171ff. Paulsen, HistZ. 45. Hüllmann 190ff.
6 Vgl. S. 529 n.-7. Wolf Quellenkunde z. Ref.-G. 1, 295ff. Vgl. Fried-länder u. Malagola Acta nationis Germanicae universitatis Bononiensis 1887.Brunner, ZRG. 9, 250f. Von den deutschen Universitäten des 14. Jh. wurdePrag 1347, Wien 1365, Heidelberg 1386, Köln 1389 gegründet. Der Unterrichtim römischen Zivilrecht begann in Deutschland erst nach Mitte des 15. Jh. Vgl.Stintzing G. d. RW. 1, 21ff. Kariowa a. a. O. 8f. Stobbe 1, 630f. 2, 9. 16ff.Thorbeke G. d. Univ. Heidelberg 1, 98ff. v. Wrctschko G. d. jur. Fak. Inns-bruck 1671 — 1904 (Beitr. z. RG. Tirols); Verleihung gelehrter Grade durch denKaiser seit Karl IV 1910. Pscholka D. Rechtslehrer der steir. Landschaft 1912(Z. Steierm. 9). Fournier La nation Allemande ä l'univ. d'Orleans en 14 e siede1888. Meijers De Universiteit van Orleans in de 13 e eeuw, TijdschrRG. 2, 460ff.Luschin Österreicher an ital. Univ. z. Z. d. Rez. 1882. v. Below Rez. 106ff.