§ 66. Rezeption der fremden Rechte. 865
lehre d. 13. Jh., N. Arch. 30, 647ff. Stintzing G. d. deutsch. R.-Wissensohaft 1.1880- 6. der populär. Literatur d. rörn.-kan. R. in Deutschi. 1867; Ulrich Zasius1857- Hugo Denellus 1869 (Erlanger Fschr. f. Wächter); Zur G. d. röm R. in Deutscht.,HistZ. 29, 408ff.; KritVjschr. 6 ; 557ff. Stobbe Rechtsqu. 1, 609ff. 2, 1 ff.;KritVjschr. 11, 1 ff.; Priv.-R. 1 § 4. Stölzel Entwickl. d. gelehrt. Richtertums,2 Bde. 1872 (vgl. Franklin, Z. f. d. Priv.- u. öff. R. 1, 236ff.); Entwickl. d. gelehrt.R.-Sprechung d. Brandenburg. Schöppenstuhls 1. 1891; Brandenburg-PreußensR.-Verwaltung 1, 30ff.; Billigkeits- u. Rechtspflege in der Rezeptionszeit 1910;Urkundl. Material a. d. Brandenb. Schöppenstuhlsakten, 4 Bde. 1901 (vgl. v. Amira,ZRG. 36, 288ff. 38, 427ff. Rietschel, HistVjschr. 6, 405ff. Zeumer Forsch.z. br.' u. pr. G. 16, 255ff.); Forsch, z. br. u. pr. G. 16, 345ff.; KritVjschr. 47, lff.v. Voltelini Zur Rez. d. gem. R. in Wien (Fschr. d. akad. Ver. d. Historiker in Wien1914) 79ff. Wach Handb. 169ff. Werunsky Öst.RG. 19f. A. Wolff Ger.-Verf.u. Prozeß im Hochstift Augsb. i. d. Rez.-Zeit 1913, Arch. Höchst. Augsb. 4, 129ff.;vgl. Pischek, ZRG. 47, 661). Ylander Die Rolle d. röm. R. im Priv.-R. derOstseeprovinzen, Liv-, Est- u. Kurland, ZVglRW. 35 (1918) 431 ff.
Die Aufnahme der fremden Rechte in den deutschen Gerichten hatsich, ähnlich wie die der Rechtsbücher, im Wege gewohnheitsrechtlicherEntwicklung vollzogen; nur ist nicht wie dort das Volk, sondern ausschließ-lich der Juristenstand Träger dieser Entwicklung gewesen. Die Wissen-schaft unterscheidet die theoretische Rezeption, d. h. die allmählicheAusbildung der Überzeugung, daß dem römischen Recht subsidiäre Gel-tung zukomme, und die praktische Rezeption, d. h. die wirkliche Durch-führung dieser Überzeugung im praktischen Rechtsleben. Die theoretischeRezeption war vornehmlich staatsrechtlicher Natur. Die später zu einemfesten Dogma gewordene Auffassung des mittelalterlichen Kaisertums alseiner Fortsetzung des alten römischen Reiches geht in ihren Anfängenbis auf die Zeit Ottos III- zurück. Die deutschen Könige, auch wenn siedie Kaiserwürde nicht erworben hatten, betrachteten sich als Rechts-nachfolger der römischen Imperatoren 1 und trugen kein Bedenken, sichin ihren italienischen Händeln und hofgerichtlichen Entscheidungen aufdas römische Recht zu berufen. Als „Kaiserrecht" oder „der Kaiser ge-schriebenes Recht" bezeichnete die Terminologie des Mittelalters nichtbloß die deutschen Reichsgesetze und was man, wie die Rechtsbücher,dafür hielt, sondern auch das Corpus iuris Justinians la . Die höchste Gerichts-gewalt der deutschen Fürsten bezeichneten staufische Urkunden mit einemden Digesten entlehnten Ausdruck als merum Imperium 1 *. Friedrich I »be-stimmte die Aufnahme zweier seiner Gesetze durch die Universität Bo-logna als Authenticae in den Codex 2 , dasselbe geschah unter Friedrich II»
1 Vgl. Fleischmann (S. 864) 670ff.
la Vgl. Reichsurteil Heinrichs VII*(MG. Const. 3, 304), das sich auf JustiniansInstitutionen beruft.
lb Vgl. § 50 n. 3. In der Const. in fav. princ. v. 1231/32 § 19 findet sich derrömische Satz actor forum rei sequetur (MG. Const. 2, 212. 419).
2 Vgl. S. 718. Der Reichslandfriede von 1186 (MG. Const, 1, 452) enthielt
8 *■& die Bestimmung: Ut autem haec ------ ordinatio omni tempore rata permaneat ------,
eam legibus praedecessorum nostrorum imperatorum atque regum iussimus inierseri,doch scheint diese Verfügung keine Folge gehabt zu haben.