§ 62. Strafrecht. 838
Verfestung) in die Aberacht, d. h. volle Friedlosigkeit, wenn der GeächteteJahr und Tag verstreichen ließ, ohne sich durch freiwillige Gestellung aus derAcht zu lösen 13 . Ausnahmsweise wurde die Acht auch unmittelbar als Strafeverhängt, so namentlich über alle, die durch längere Zeit (Jahr und Tagoder sechs Wochen und drei Tage) mit dem Kirchenbann belegt waren 14 .Verbotenes Waffentragen binnen gesvoreneme vrede hatte für den auf hand-habter Tat Ergriffenen die alte Folge der handhaften Tat: er wurde wie einGeächteter angesehen 15 . Die Strafe der Verbannung, Landes- oder Stadt-verwcisung 15a stand mit der Acht oder Verfestung in keinem Zusammen-hang, obwohl man die Stadtverweisung als Verfestung zu bezeichnen pflegteund die Ausgewiesenen in eigene Verfestungsbücher 15 » eintrug. Sie kam ur-sprünglich nur in Strafumwandlungsfällen im Wege der Begnadigung oderSühne und als arbiträre Strafe bei Verlust der Gnade vor; zu einer selb-ständigen Strafe wurde sie zuerst in den Städten ausgebildet 150 . Auch dieFreiheitsstrafen 16 sind vorzüglich dem Stadtrechte eigen. Wir finden sie
18 Vgl. Bienko De proscriptione sec. fontes juris Sax., Diss. Königsb. 1867.v. Künßberg Acht 1910. Lechner Reichsacht, HistVjschr. 1914, 512ff. PoetsohEeichsacht im MA. u. NZ. 1911 (v. Gierke U. 105). Niese Prozeß Heinr. d. L.,ZRG. 47, 195ff. Perthes De proscriptione et banno regio, Bonn. Diss. 1834.Frensdorff a. a. O. 464ff. Ficker Forsch. 1, 73ff. Ermisch Das Verzählen,N. Arch. f. sächs. G. 13. 1892. Ssp. I 38 §§ 2. 3. III 34. Dsp. 43. Sehwsp. L. 45.285. MG. Const. 1 Nr. 318, 10. 2 Nr. 30. 196, 22-26. 291. Das frühere Mittel-alter kannte die Abstufung von Acht und Aberacht noch nicht. Vgl. Waitz 6 2 ,612f. Aberacht v. Künßberg im RWB. 1, 46ff. Bis 1179 war die Acht immerendgültig, wenn auch durch die Könige häufig wieder erlassen. Mit dem Rechtdes Geächteten, sich binnen bestimmter Frist zu lösen, wird die Acht zum bloßenVorbann, also zur lokal nicht beschränkten Verfestung, und erst die Aberacht istunlösbar. So seit dem rhein. Landfr. 1179 c. 9f. (Zeumer QS. a Nr. 16. MG.Const. 1, 381 f.), vielleicht schon etwas früher. Recht- und Ehrlosigkeit tretenauch fernerhin, wenn auch in geringerem Maße, schon mit der Acht ein, nicht erstmit der Aberacht. Das Achturteil der älteren Zeit enthielt eine besondere Ad-judikationsformel betr. Eigen und Lehen, die auch später beibehalten wurde, abernur noch als Arrest (Fronung) wirkte. Die Ungehorsamsacht kam übrigens nichtbloß als Strafe, wie im Sachsenspiegel, sondern auch im bürgerlichen Prozeß vor. —Auf das sakrale Element der Achtformel, das sich lange erhielt, weist hin F. BeyerleEntw. (S. 828) 38.
"Vgl. S. 562. Ssp. II 71 § 2. III 60 § 3. MG. Const. 1 Nr. 318,1 f. E.Mayera.a.O. 1, 196. Über Acht und Bann vgl. S. 527. 728 n. 49. MG. Const. 2, 35(1209). 406 (1226). 444 (1240). 3, 366f. (1286). 636. Franklin Reichshofgericht 2,378ff. v. Künßberg Acht 23ff. v. Schubert Reich u. Reformation 1910 S. 12ff.
16 Vgl. Ssp. II 71 § 2. Planck a. a. O. 102ff.
15a Sog. stadtacht. Vgl. v. Künßberg Acht 14. Stadtverweisung auch imVollstreckungsverfahren. Planitz (§61 18 ) 763. Wackernagel ZSchweizR. 2 40, 391.
15b Über solche Bücher vgl. Beyerle, DGB1. 1910, 196 (schadensbücher fürBchädl. Leute ebd. 195; urfehdebücher ebd. 196). Vgl. S. 740*. Über die Achtbüchcrdes Hofgerichts vgl. S. 599. v. Künßberg Acht 27ff.
150 Über die Beziehungen zwischen Verweisung und Acht vgl. His MA. 1, 550ff.
19 Vgl. His MA. 1, 556ff. Waitz 6 2 , 578ff. Eberhard Schmidt Ent-wicklung u, Vollzug der Freiheitsstrafe in Brandenb.-Preußen bis zum Ausgangd. 18. Jh. 1915. Adams Geschieht!. Entw. d. subsidiären Freiheitsstrafe 1912(Strafr.Abh. 162) 29ff. Wackernagel ZSchweizR. 2 40, 391.