§ 61. Privatreoht. 5. Erbrecht. 821
Genossenschaft im allgemeinen verloren. Die im Sachsenspiegel noch durch-blickende Unterscheidung des engeren Erbenkreises von dem weiterender „Sippe" oder der „Magen" wurde von den jüngeren Kechtsbüchem nichtmehr verstanden 204 . Das Verwandtschaftsbüd suchte man sich in alterWeise an den Gliedern des menschlichen Körpers klar zu machen; der Ver-gleich der Sippe mit dem Baum und seinen Ästen und Zweigen (arbor con-sarujuinitatis) wurde erst im späteren Mittelalter aus dem kanonischenRecht übernommen 205 . Die Erbfolgeordnung, die von den Quellen als selbst-verständlich vorausgesetzt und daher nur selten ausdrücklich dargestelltwurde, war im allgemeinen die von uns schon für die vorige Periode an-genommene Parentelen- oder Linealgradualordnung 206 . Den ersten Erb-
ment, Tijdschr. RG. 1 (1919) 520ff. Lamprecht, WL. 1, 628ff. Lederer, Ver-fügungen auf den Todesfall nach ma. Wiener StR. (Mbl. Landesk. NÖsterr. 6, 311 ff.).0. Loening Das Testament im Gebiet d. Magdeb. StR. 1906 (Gierke U. 82, vgl.Rietschel, ZRG. 41, 525). D. Erbr. d. Fremden nach d. Stadtrechten d. MA.1910 (Gierke Fschr. 285ff.). Loersch u. Schröder 2 S. 273f. H. MaurerEin Erbschaftsprozeß 1304 (ZGO. 2 21, 199ff.). Herb. Meyer Einkindschaft, BresLDiss. 1900. Anf. d. Familienfideikommisse (Fschr. Sohm; vgl. Stutz, ZRG. 49,492). R. Müller Vergabg. v. Todes wegen im Geb. d. Magdeb. StR., Thür.-Sächs.Z. 1, 71ff. 187ff. Pauli Erbr. d. Blutsfr. u. die Testamente, Abh. 3. 184. RauchGewährschaftsverhältnis u. Erbgang (Festg. Zeumer) 1910. Rietschel in HoopsReall. 4, 311ff. Rosin Begriff d. Schwertmagen 1877; Grünhuts Z. 28, 341ff.Schanz Erbfolgeprinzip d. Ssp. n. Magd. R. 1883. Schilling Lehn- u. erbrechtl.Satz. d. Waldemar-Erichschen R. 1879. Schröder Bezeichnungen d. Spindel-magen, ZRG. 17, lff. H.Schulze (S. 775) 32ff. v. Schwerin Priv.-R. 293ff.Seelig Erbfolgeordnung d. Schwsp., Kiel. Diss. 1890. Siegel Das deutsche Erbr.d. MA. 1853; Der Dreißigste, KritVjschr. 7, 275ff. Stobbe Priv.-R. 5 §§ 281.283. 285-88. 290-91. 293. 299-301. 308. 310. 313; Beiträge 36ff. Stutz Ver-wandtschaftsbild des Ssp. 1890 (Gierke ü. 34). v. Sydow Darstell, d. Erbr. n.d. Sap. 1828. Telting (S. 775), Themis 40-42 (1879-82). Weiske (S. 775) 53bis 68. Wieland Erbrecht u. Akkreszenzrecht, Fschr. Cohn 1915. v. WyssLetztw. Verfüg, n. d. Schweiz. Rechten, Z. f. schw. R. 19, 68ff. Zöpfl BambergerR. 210ff.
204 Vgl. Ssp. I 3 § 3 und Dsp. 6 mit Schwsp. L. 3a, vgl. dagegen Köhler (n. 195).
205 Vgl. Stobbe Priv.-R. 5, 64.
206 Vgl. S. 362ff. Ficker Erbenfolge 2, 55f. 304ff. 387ff. 616ff. Frieseu. Liesegang 1, 774ff. Heymann (n. 204) 5ff. Kohler Zur Lehre v. d. Parent.-Ordn., Ges. Abh. 341 ff. Ssp. I 3 § 3 kann bei unbefangener Auffassung nur vonder Parentelenordnung verstanden werden. Vgl. Heusler 2, 594. 600f. Huber548. Pliniaux, Homeyer, Seelig, Stobbe, Stutz (n. 203). Nach dem Landb.v. Nidwaiden c. 157 (Z. f. schw. R. 6, 2 S. 157) soll Erbe werden, wer sin fründ-schaft aller nächst gerechnen mag an des toten rechten vater, d. h. wer von dem nächstenVater (Vorfahren) des Erblassers abstammt. Das Saarbrücker Landr. 1, 4 (Kremer,G. d. Grafen v. Saarbr. 558) bestimmt, daß, wenn weder Abkömmlinge, noch Vor-fahren oder Geschwister vorhanden sind, das nachgelassen erb und gut gehet undfolget an die nechste erben in der rechten ufsteigenden linien, da es den ersten grad zurSeiten absteigen findet. Kaum weniger deutlich das Stadtb. v. Steenwijk 2, 31 (her.v. Telting 1891 S. 51), die Summa legum von Wiener-Neustadt (Tomaschek,Wien. SB. 105, 2 S. 291f.) und das schon von Homeyer angezogene Sprichwort: Geengoot Mimt gaarne, dem man die bei Graf u. Dietherr Rechtssprichwörter 193 mitge-teilten und das schweizerische Sprichwort: ain erbschaft soll für sich gan und nit hinderWh (Eoffa Das bündnerische Münstertal 114; Kraut 6 § 146 Nr. 81) anreihen mag.