7 92 Mittelalter.
Andererseits wurde seit dem 13. Jh. in einzelnen Stadtrechten das Bei-spruchsrecht der Erben völlig aufgehoben 78 .
Von hervorragendem Interesse in dem mittelalterlichen Recht Deutsch-lands und Frankreichs sind die verschiedenen Gestaltungen des Miteigen-tums (zumal an unbeweglichen Sachen), die sich größtenteils bis zur Gegen-wart behauptet haben 77 . Das durchaus vorwiegende Miteigentum zur ge-samten Hand, dem im Gebiet des Lehnrechts die Gesamtbelehnung (S. 437.444ff.) entsprach, konnte, wie bereits bemerkt, nach Art der lehnrecht-lichen Mutschierung durch eine dauernde Nutz- und Gebrauchsteilung,aus der sich in den Städten das sog. Gelaß-, Geschoß- oder Stockwerks-eigentum entwickelt hat, seiner Härten und Unbequemlichkeiten ent-kleidet werden 78 . Eine andere Art gemeinschaftlichen Eigentums war es,wenn dem Einen der Grund und Boden, einem Anderen das auf ihm er-richtete Gebäude gehörte 79 . Im Gebiet des Leimrechts und der bäuerlichenLeihe entstand das später zum Teil auch auf die Hausleihe und das Rechts-verhältnis bei Stammgütern und Famüienfideikommissen 798 übertragenesog. geteilte Eigentum mit dem Untereigentum (dominium utile) des inNutz und in Gelde, also in der lediglichen Gewere befindlichen Lehns- oderZinsmannes und dem Obereigentum (dominium directum) des Lehns- oderZinsherrn, der, abgesehen von den ihm zustehenden Abgaben und Diensten,im wesentlichen auf die Mitwirkung bei Veräußerungen und anderen Ver-fügungen über die Substanz, auf das Vorkaufs- und Heimfallsrecht und eingewisses Privationsrecht beschränkt war 80 . Als geteiltes Eigentum dürfte
78 Vgl. Iglau StR. § 10 (Tomaschek 212). Statut der Stadt Metz von 1215bis 16 (Histoire de Metz, Preuves 4, 1 S. 179). Genter Keure von 1192 § 19 (Warn-könig Flandr. KG. 2, 2 S. 16). Ausschließung in Notfällen: Brünner Schöffenb.363 (Loersch-Schröder-Perels Nr. 240). Beschränkung des Erbenlaubes ineinem Hofgerichtsweistum des Herzogs Erich von Sachsen, Hasse Schlesw.-bolst,Urk. 3, 125 Nr. 411 (1320).
77 Vgl. S. 302f. Schröder Eigentümliche Formen des Miteigentums imdeutsch, u. franz. R. 1896. Meynial Notes sur la formation de la theorie du do-maine divise 1908 (M61anges Fitting 2, 709). Stobbe Miteigentum u. gesamteHand, ZRG. 4, 207ff.; Priv.-R. 2 § 81 (2 3 § 97). v. Gierke Priv.-R. 1, 663ff. 2,375ff.; Gen.-Theorie 339ff.; Gen.-R. 2, 144ff. 325ff. Heusler Inst. §§50-53.Gesamthand in Livland vgl. v. Transehe-Roseneck (S. 758 12 ) 258ff. HuberG. d. schw. Priv.-R. 398f. M. Huber Gemeinderschaften der Schweiz 1897 (GierkeU. 54, vgl. Stutz, ZRG. 32, 190ff.). Fehr (n. 130) 147ff. Levenson Haus-gemeinschaft u. deren Auflösung 1888. Korner Zur G. d. Grundhörigkeit in d.alem. Schweiz 1904, ölf. Cohn, ZVglRW. 13, lff. Schuster (§61 S. 775) 43(1910) 119ff. Fockema Andreae Oudn. Burg. R. 1, 233ff.
78 Vgl. n. 74. Schröder (n. 77) 24ff.
79 Vgl. S. 464. 691. Schröder 37ff. 41f. M. Wolff Bau auf fremdem Boden9 ff. Trennung des Eigentums an Wald und Waldgrund vgl. oben § 28 n. 41.
78a Vgl. n. 216, insb. Hübner.
80 Schröder (n. 77) 40f.; ZRG. 39, 43ff. Duncker Dominium directumu. utile, ZDR. 2, 177. Lautz Entw. G. d. dominium utile, Gott. Diss. 1916. Ho-meyer Syst. d. Lehnr. 383ff. 393f. 402ff. Stobbe Priv.-R. 2 §80 (2 3 §96).v. Gierke Priv.-R. 2, 368ff.; Allod(Beitr. z. WB. d. d. Rechtssprache 1908) Sp. 103«.Beseler Priv.-R. 1 § 81. Arnold G. d. Eigentums 141ff. Kraut Grundriß 6 § '4.Heusler Inst. 2, 48ff. Huber G. d. Schweiz. Priv.-R, 693ff. Hübner 3 204«.