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Lehrbuch der deutschen Rechtsgeschichte
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781
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§ 61. Privatrecht. 2. Sachenrecht. 781

tigung nach dreimaligem Aufgebot 24 . Den Mehrerlös hatte der Gläubigerdem Schuldner herauszugeben; für den Mindererlös haftete dieser aufGrund des Treugelöbnisses persönlich. War das Pfand durch Zufall unter-gegangen oder in seinem Werte vermindert, so hatte der Schuldner alleinden Schaden zu tragen 25 . Ebendarum wurde von seiten der Kirche darauf«machtet, daß der Pfandgläubiger sich jeder Pfandnutzung enthalte; siewurde als wucherisch angesehen, während man das ältere Verfallpfand alsVerkauf und Wiederverkauf auffaßte und darum keinen Anstoß an derPfandnutzung des Gläubigers nahm 26 .

Nach der Ausbildung der Stadtrechtssatzuhg bei unbeweglichen Sachengestattete man auch, daß der Gläubiger ihm verpfändete Sachen, nament-lich Schiffe, Warenlager und Hausrat, gegen einen Mietzins, den derSchuldner übernahm, in dessen Gewahrsam beließ 27 , oder daß der Schuldnersich verpflichtete, die gepfändeten Gegenstände nicht von der Stelle zuentfernen, so daß sie gewissermaßen zu gewillkürten unbeweglichen Sachenwurden 28 . Auch unter Eintrag in die Stadtbücher wurden derartige Ver-

M Vgl. Stobbe 2 2 , 691f. (2, 2 3 S. 312). Meibom 388ff. Planitz (n.18)661ff. Hamb. Stadtr. v. 1270 1, 14. Kohler Pfandrechtl. Forsch. 6ff. Loersch-Schröder-Perels Nr. 236.

25 Vgl. Ssp. III 5 § 5 (jüngerer Zusatz): ire gelovede ne stünde den anders. Brem.Stadtr. v. 1303 Ord. 3 (Ölrichs 1, 68). Magdeb. Fragen 1, 6 Dist. 6 (Loersch-Schröder-Perels Nr. 253). Bair. Landr. 17, 11 (c. 231). Einen Rest der älterenAuffassung (reine Sachhaftung) zeigt noch Hamb. Stadtr. v. 1270 1, 14, im Gegen-satz zu dem von 1292 C. 10.

28 Vgl. Lübecker Streitschrift gegen Herzog Erich von Sachsen von 1418(ÜB. d. Stadt Lübeck 6, 78): In dudesscheme nimpt me dat wort pant twierleie wijs:ene wijs so het dat en pand, dat en vor ghelt eneme anderen settet in der mate: wan dejenne sin ghelt wil wedder hebben, dat he dat esschen moghe unde in deme rechte vorderen,unde eft he des an den personen nicht vorderen hone, dat he dat an deme gvde sokenmoghe; unde eft he dat gud vorghinghe, dat he allike wol sin ghelt manen mochte vanden personen; ok dat deme personen dat gud wedder werde, wan he den schuldener be-talt; unde we sulkes pandes nut upboret, de doit dat mit wokere. To deme anderenmale, wat gudes ein koft umme ene summen gheldes, unde steit die (d. h. Gedeih) undvorderj des gudes, unde let dem vorkopere den wedderkop van gnaden, dat het ok einpand ghemenliken in der leien tungen, wente gelijker wijs alse, de ghelt borghet uppegud, dat gud mach wedderlosen van rechte, so mach desse dat verkofte gut wedderkopenvan gnaden unde losen, darumme ghebruket man ghemeinliken dat wort pand lo sulkemgme, dat ok weddeschat Jiet. unde we sulkes gudes nut upboret, dat en is nen woker.Zur Etymologie von pant vgl. S. 301 30 , Planitz (n. 18) 577 6 ,v. Schwerin, RG. 2 HO 4 .

27 Vgl. hierüber wie über das Folgende Pauli Abh. a. d. lüb. R. 4, 138ff.;Lüb. Zustände 3, 8ff. Stobbe 2 2 , 686ff. (2, 2 3 S. 308). Meibom Pfandrecht«2ff. 442. v. Gierke Priv.-R. 2, 961f. Pappenheim Seerecht 2, 128. H.MeyerNeuere Satzung an Fahrnis u. Schiffen 1903 (vgl. Pappenheim, ZRG. 37, 433ff.Puntschart, KritVjschr. 48, 49ff. Egger, ZHR. 53, 626). Schöne Beispielefür die Verpfändung von Schiffen durch Übernahme eines Mietzinses: IIB. d. StadtLübeck 6, Nr. 388. 7, Nr. 504. 521. 669. 701.

28 Vgl. ZGO. 20, 341 (Loersch-Schröder-Perels Nr. 208). Pauli Abh. 4,138f. ; Zustände 3, 115f. Loersch-Schröder-Perels Nr. 281. Das Pfandrechtwar nur wirksam, solange die verpfändeten Gegenstände an der Stelle blieben;wurden sie entfernt, so kam es in Wegfall, trat aber wieder ins Leben, wenn sieweder zurückgebracht wurden.