§ 60. Formelbüeher und sonstige Rechtsliteratur. 771
U rle diäandi) verfaßt wurde". Die bedeutendste Leistung der deutschenNotariatswissenschaft war das Baumgartenberger Formelbuch (For-mularius de modo prosandi), von einem Mönch des ZisterzienserklostersBaumgartenberg bei Linz a. D. zu Anfang des 14. Jh. mit Benutzung einesin der Kanzlei König Rudolfs I entstandenen Formelbuches und derSumma des Ludolf verfaßt 3 . Während alle angeführten Werke die theo-retische Lehre mit einer Mustersammlung von Formeln und Urkundenverbinden, hält sich die Summa de arte prosandi des Züricher MagistersKonrad von Mure (1275—76) rein theoretisch 4 . Bloße Mustersamm-lungen sind die Formeln der Reichskanzlei, darunter die noch einerkritischen Ausgabe harrende Sammlung des Petrus de Vineis (erste Hälftedes 13. Jh.). Aus der Kanzlei Karls IV stammen der Collectarius perpe-tuarum formarum des Johann von Gelnhaus-en 6 und die Summa can-cellariae des Vizekanzlers Johann von Neumarkt, Bischofs von Olmütz 6 .Von Kanzleiformeln aus der Zeit Rudolfs I und Albrechts I ist die „Summacuriae regis" abgeleitet 7 . Nach dem Vorbild der Reichskanzlei legtenauch die fürstlichen Kanzleien Formelbücher an 8 . Auch in Land- und
Formelbücher des 11. bis 14. Jh., Quell, u. Erört. 9; Ein Würzburger u. ein MainzerFormelb. von Anf. d. 14. Jh. bei W. Levison NArch. 32, 428ff. Über die ars dic-tandi u. die Summae dictaminum in Italien, MSB. 1861. Rosenstock OstfalensRechtsliteratur unter Priedr. II 1912 (vgl. Fehr HistVjsehr. 1917, 171; J.v.GierkeZRG. 47, 641; Schreiber GGA. 1913, 345); insb. 4ff. 54ff. Herzberg-Fränkel,bei v. Sybel u. Sickel Kaiserurkunden 8, 229ff. Steffenhagen, ZRG. 4, 190f.Bärwald Zur Charakteristik und Kritik mittelalterlicher Formelbücher 1858.Seckel Beitr. z. G. beider Rechte im MA. 1898. Hasenöhrl ArchÖG. 93, 304ff.Oesterley Wegweiser durch die Literatur der Urkundensammlungen 1, 7ff.
2 Die drei Werke bei Rockinger Qu. u. Erörter. 9, 203ff. 349ff. 969ff.
3 Her. v. Bärwald i. d. Font. rer. Austr. 2. Abt. 25, 1866. Vgl. KretzschmarFormularbücher aus der Kanzlei Rudolfs v. Habsburg 1889. Rockinger a. a. 0.9, 715ff. Redlich, MJÖG. 11, 330ff. Otto, N. Arch. 26, 217ff. Schwalmebd. 28, 687ff. Bresslau UrkL. 2 2 , 262.
4 Vgl. Rockinger a. a. 0. 405ff. Bresslau UrkL. 2 2 , 263.
5 Ausgabe: Kaiser Collectarius perpetuarum formarum Johannis de Geyln-husen 1900 (vgl. desselben Straßb. Diss. unter gleichem Titel 1898). J. v. Gek>hausen hat das Bergrecht des Königs Wenzel (§55 n. 21), das Iglauer Bergrechtund das zweite Iglauer Stadtrecht (§ 56 n. 113) ins Deutsche übersetzt und dasBrünner Schöffenbuch (S. 757) verfaßt. Er war Magister und Kleriker der MainzerDiözese und nacheinander Unterbergschreiber in Kuttenberg, Registratur in derKanzlei Karls IV (1357—73), Notarius publicus, seit 1384 Stadtschreiber in Brunnund ungefähr 1390—1404 Stadtschreiber in Iglau. Mit dem etwas älteren Johann vonGumpolcz hatte er nichts gemein. Vgl. Zycha Böhm. Bergrecht 1, 106ff. Toma-schek Oberhof Iglau 20ff.; Bergrecht pg. 9f. Burdach, DLitZ. 1898 Sp. 1959ff.Vom MA. zur Reformation I 32 Tadra, MJÖG. 29, lOOff. Bretholz, Z. d. ^er.f. d. G. Mährens u. Schlesiens 7, 1. 2. Celakovsky, Jan z Gelnhausenu a star6mestske knihy Jihlavske, Casopis Musea kral. Ceskeho 1898. Bresslau 2 2 , 276.
6 Vgl. Lulves Summa cancellariae des Johann von Neumarkt 1891. Bur-dach Vom MA. zur Reformation 30ff. Bresslau 2 2 , 277ff.
' Her. v. Stobbe, Arch. f. öst. G. 14, 307ff.
8 Vgl. Bresslau 2 2 , 281. Palacky Formelbücher 1842-47, Abh. d. k. böhm.Ges. d. W. 5. Folge 2. 5.
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