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Lehrbuch der deutschen Rechtsgeschichte
Entstehung
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756
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756 Mittelalter.

Nachdem es von späteren Königen wiederholt bestätigt worden, entstandgegen Ende des 13. oder Anfang des 14. Jh. ein das ältere Recht erweiterndesautonomes Stadtrecht, ebenfalls lateinisch, das von dem StadtschreiberJohann von Gelnhausen Ende des 14. Jh. ins Deutsche übersetzt wurdeund bald in Mähren und Böhmen die größte Verbreitung erlangte 113 ; eswurde die Grundlage der Stadtrechte von Prag, Brunn und Schemnitz inUngarn. Zugleich war Iglau für zahlreiche böhmische und mährische Städteder Oberhof; seine wertvollen Entscheidungen sind bis zu den Hussiten-kriegen in lateinischer oder deutscher, von da an vorwiegend in tschechischerSprache abgefaßt. Mutterrecht von Prag 114 war außer dem Iglauer auchdas Nürnberger Recht, es scheint sogar, als sei Prag bis 1387 in Nürnbergzu Haupt gegangen 115 . Das sog. Altprager Statutarrecht von 1269 isteine deutsche Privatarbeit aus dem Ende des 13. oder Anfang des 14. Jh.,namentlich auf Grund des Iglauer und Brünner Rechts, des Sachsen-spiegels und älterer einheimischer Rechtssatzungen 116 . Das Prager Rechts-buch, ebenfalls in deutscher Sprache, ist eine Bearbeitung des zweitenIglauer Stadtrechts; auch das Statutarrecht hat neben zahlreichen lateini-schen und deutschen Ratssatzungen aus der Zeit von 13141418 ver-schiedene Iglauer Bestimmungen aufgenommen 117 . Die Stadt Brunn 118erhielt 1243 ein lateinisches Stadtrecht (iura originalia) von König Wenzel I,Das deutsche Stadtrecht wurde zu Anfang des 14. Jh. aufgezeichnet, aufGrund des älteren Iglauer Stadtrechts, dessen Bestimmungen in der Formeigener autonomer Ratssatzungen aufgenommen sind, ein Verfahren, daswohl auf private Entstehung schließen laßt. In der zweiten Hälfte des14. Jh. verfaßte der bereits erwähnte Stadtschreiber Johann von Geln-

113 Vgl. Tomaschek Deutsches R. in Österr. im 13. Jh. 1859; Oberhof Iglau(13.16. Jh.) 1868; Das alte Bergrecht von Iglau u. seine bergrechtl. Sohöffen-spräche 1897. Das letztere besser bei Zycha Böhm. Bergrecht 2, 18ff., wo S. 298ff.auch die Iglauer Spruchpraxis in Bergsachen zusammengestellt ist. Johann vonGelnhausen übersetzte das Iglauer Bergrecht; vgl. n. 118. Andere Stadtrechtebei Grunzel Deutsche Stadtrechte Böhmens und Mährens, MittDBöhm. 30. 31.Strnad Listär kralovskeho mesta Plzng (ÜB. der Stadt Pilsen) 1. 1891. PeterkaZur rechtsgeschichtl. Bedeutung d. Böhmischkamnitzer Stadtreehts 1915.TrotzBesonderung konnte die Vorstellung eines gemeinsamen böhm. StR. bestehen'.Zycha, MittDBöhm. 53, 157. Über Tachauer stadtrecht (namentlich deutschesErbrecht im Gegens. zu jus bohemicale) in Dörfern vgl. Schmidt MJÖG. 37,598«. Vgl. S. 691 59 , 742 14 .

114 Vgl. Rössler Rechtsdenkm. aus Böhmen u. Mähren 1. (a. u. d. T. Alt-prager Stadtrecht) 1845. Tomaschek Deutsches Recht 96ff. Celakovsky Cod-iur. munic. Bohemiae 1. 1886. Schranil, Die sog. Sobieslawschen Rechte, ein PragerStadtrechtsbucb a. d. 15. Jh. 1916.

115 Vgl. Köpl, MJÖG. 8, 306ff. Zycha, MittDBöhm. 53, 162.

116 Ausg. Rössler Bedeutung der G. d. R. in Österreich 1847 pg. 9ff.

117 Rössler Rechtsdenkm. 1, lff. 103ff.

118 Rössler Rechtsdenkm. 2 (a. u. d. T. Die Stadtrechte von Brunn) 1852.Über Johann von Gelnhausen vgl. n. 98 §55 n. 22, §60 n. 5; ferner BretholzG. d. Stadt Brunn 1911 S. 140ff. Das Brünner SchB. hatte in Prag und sonst inBöhmen subsidiäre Geltung, v. Czyhlarz Mitt. d. deutsehen Juristen in Prag 1878.