752 Mittelalter.
von 1342—65 (der sog. Einungsbrief) und die umfangreiche Gerichts-ordnung von 1457. Dem letzten Viertel des 15. Jh. gehört das Stadtrechtvon Luzern an 80 .
Zu den ältesten Marktrechtsurkunden gehört das Eeichenauer Privilegfür Aliensbach (1075) und das in den Mittelpunkt der Stadtrechts-forschungen getretene Privileg des Abtes Ulrich für das Städtchen Radolf-zell (1100), das seinerseits auf iusticiam et libertatem Constantiensem, quaeins fori est, verweist und insofern indirekt auch für Konstanz als ältestesZeugnis dienen kann 81 .
Das bedeutendste Mutterrecht am Oberrhein war das Stadtrecht vonFreiburg i. B. 82 . Die bei der Marktgründung (1120) oder kurz danachverliehene Handfeste Konrads V. Zähringen ist in einer durch spätere Zu-sätze der Herzogszeit (bis 1218) erweiterten Gestalt überliefert: dem erstenTeil und Schluß des Tennenbacher Textes 83 . Seine Sätze sind überwiegendins umfangreiche, lateinische Stadtrecht bürgerlichen Ursprungs über-gegangen, das in zwei amtlichen Bearbeitungen vorliegt: im sog. Brem-garter Text 84 und in dem auf ihm beruhenden, der ersten Hälfte des13. Jh. ange hörenden Stadtrodel 85 .
80 Ausg. von Segesser 1855. Vgl. P. Weber Das Weißbuch der StadtLuzern 1421—1488 (Geschichtsfrd. d. 5 Orte 1916). Von selbständigen schweizeri-schen Stadtrechten sind noch anzuführen der Schaffhauser Richtebrief von 1291(her. v. J. Meyer 1857) und der Züricher Richtebrief (13. u. 14. Jh.), Helvet.Bibliothek 2, 1735 u. Arch. f. Schweizer G.5 (vgl. Wirz i. d. Festg. Meyer v. Knonau1913; Stutz ZRG. 47, 719), an den sioh die im 14. Jh. beginnenden Stadtbüchervon Zürich (Ausg. v. Zeller-Werdmüller u. Nabholz, 3 Bde 1899-1906) an-schlössen. Das Zürcher Recht beruhte auf dem von Konstanz.
81 Vgl. A. Schulte Über Reichenauer Städtegründungen, ZGO. 44, 137ff.(vgl. K. Schaube und Küntzel, ebd. 45, 296ff. 47, 626ff. 373f f.). Albert, G. d.Stadt Radolfzell (1896) S. 35ff. Keutgen Nr. 100.
82 Eine kritische Gesamtausgabe durch Lahusen in den Oberrh. StR. stehtbevor. Der Tennenbacher Text bei Gaupp 2, 19ff. Keutgen Nr. 133; vgl.Rietschel Neue Studien über die älteren Stadtrechte von Erb. i. B, 1907 (Festg:Thudichum). Der Bremgartner Text ebenda und, mit neuer Paragr. hg. Merz 1909(Samml. Schweiz. RQ. XVI 1, 4). Der Stadtrodel bei Rietschel a. a. O. und beiKeutgen Nr. 133 als Variante zu Tennenb. Zur Gesch. u. Textkritik vgl. MaurerZGO. 2 1, 170ff. Hegel ebd. 11, 277ff. Rietschel VJSchr. Soz. WG. 1905, 241(vgl. Konrad Beyerle ZRG. 43, 408). Flamm MJÖG. 28, lff. Franz BeyerleUnters, z. G. d. älteren StR. v. Freiburg i. B. u. Villingen 1910 (Beyerle Beitr. V 1)16ff. Rietschel ZRG. 46, 471. A. Schultze ZGO. 2 28, 188ff.
83 Vgl. Hegel a. a. O. F. Beyerle a. a. O. 37ff.; dazu Rietschel ZRG. 44,561 ff.
81 Die größere TJrsprünglichkeit des Bremg. Bewidmungstextes gegenüberTennenb. art. 16—55 hat Rietschel (n. 82) erwiesen. Die Rechtsaufzeichnungkann über 1218 zurückgehen. Vgl. A. Schultze ZGO. 2 28, 202ff.
85 Die Annahme Rietschels (n. 82), der Rodel sei eine bürgerliche Fälschungvor 1275, hat er ZRG. 44, 570f. aufgegeben. Rörig ZGO. 2 26, 38ff. 27, 16ff.MJÖG. 34, 197ff. bewies in paläogr. Untersuchung die Echtheit und datierte dieUrk. um bzw. vor 1218. Dagegen Lahusen MJÖG. 32, 326ff. 33, 356ff.A. Schultze (n. 82) S. 205 verlegt den Rodel in die Zeit 1235-1245. Vgl.Flamm ZGO. 2 29, 105ff. 30, 272ff.