§ 56. Stadtrechte. 743
Rechtes ausgeschlossen 16 , teils weil die hauptsächlich aus Blandem undden Niederlanden stammenden Kolonisten in dieser Beziehung ihr an-gestammtes Recht festhielten, teils wohl auch, weil die flämisch-nieder-ländische Gütergemeinschaft den wirtschaftlichen Verhältnissen der Städtebesser als das sächsisch-magdeburgische Geraderecht entsprach. Be-achtenswert ist der Anschluß der. meißnischen sowie lausitzischer undschlesischer Stadtrechte an das böhmisch-mährische Dritteiisrecht, vondem auch das Meißener Rechtsbuch beherrscht wird 17 . Auf demselbenBoden steht auch das inhaltreiche Stadtrecht von Freiberg (1296—1307),einer der wenigen meißnischen Städte, die nicht in näherer Beziehung zuMagdeburg standen 18 . Bald nach der Aufzeichnung des Stadtrechts erfolgteauch die des Freiberger Bergrechts 19 , das mit dem Iglauer nahe verwandt ist.Mit der Ausbreitung des Magdeburger Rechts war zugleich die StellungMagdeburgs als Oberhof gegeben. Fast alle mit Magdeburger Recht be-widmeten Städte gingen in Magdeburg „zu Haupte". Dabei gab es wiedereine Eeihe von Tochterstädten Magdeburgs, die selbst als angesehene Ober-höfe ein engeres Gebiet beherrschten. Die hervorragendsten unter diesenwaren die Schöffenstühle zu Breslau, Krakau 20 , Thorn, Kulm 21 , Halle,Leipzig, Dresden, Naumburg, Brandenburg 22 , Stendal 23 , Spandau, Neu-markt, Liegnitz, Ratibor, Schweidnitz, Leitmeritz M , Olmütz 25 , Lemberg 26 ,Posen 27 . Vielfach wurden in diesen Städten Sammlungen von Magde-burger OberhofentScheidungen veranstaltet 28 , zum Teil unter Tilgung allerpersönlichen Beziehungen, so daß nur der präjudizielle Inhalt bestehenblieb. Solche Sammlungen sind namentlich im Lauf des 14. Jh. in Breslau
18 Vgl. Schröder Ehel. Güterrecht 2, 3 S. 53ff. 61ff. 80ff. 135ff. 360.v. Martitz Ehel. Güterrecht 49f. 320ff. Roth Deutsch. Privatr. 2, 188.
17 Vgl. S.731f. Schröder, G. d. ehel. Güterrechts 2, 3 S. 80ff. Dem MeißnerRechtsbuch nahe verwandt ist das Zwickauer Stadtrechtsbuch. Vgl. Planitz ZRG.51, 321ff.
18 Vgl. Ermisch Freiberger Stadtrecht 1889. Nur selten hat Freiberg Rechts-belehrungen in Magdeburg oder Leipzig eingeholt.
19 Herausgegeben ven Ermisch Das sächsisohe Bergrecht (1887) S. 38—64.Vgl. Müller.Erzbach Bergr. Preußens 1916 S. 63.
20 Vgl. Bobrzynski, ZRG. 12, 219ff. Sokolowski Krakau im 14. Jh. Diss.Marburg 1910. Karge Die ma. Verf. d. osteurop. Kolonialstädte Posen, Krakau,Lemberg, Breslau, Liegnitz. Diss. Halle 1912.
21 Vgl. v. Brünneck Z. Gesch. d. Kulmer Oberhofs ZRG. 47, lff.
22 Vgl. Sello Brandenburg. Stadtrechtsquellen, Mark. Forsch. 18, lff. Stölzolürkundl. Material a. d. Brandenburger Schöppenstuhlsakten 1 (1901).
23 Vgl. Behrend Ein Stenaaler Urteilsbuch 1868.
24 Zycha MittDBöhm. 53, 144; 162f. 166.
25 Vgl. Fischel D. Olmützer Gerichtsordnung 1903 (vgl. Schreuer ZRG.39, 325).
28 Vgl. v. Brünneck Z. Gesch. d. Magdeb. R. u. d. Statuten der Armenierin Lemberg ZRG. 48, lff.
27 Friese Z. Gründungsurkunde von Posen (1253), ein Beitr. z. G. d. Magd. R.ZRG. 39, 91. Vgl. n. 20.
28 Vgl. n. 6. Stobbe 1, 278ff. 421ff. Magd. Sch.-Sprüche für Eisleben, her.v. H. Grössler ZHarzVer. 1890, 171ff.