§ 55. Landrechte und Landesgesetze. 737
wohnheitsrecht und schöpft vielfach aus dem Schwabenspiegel und dornRechtsbuch Ruprechts von Freising. In Böhmen entstand unter Karl IVdie Maiestas Carolina, die zwar die landständische Genehmigung nichterhielt, im Lauf des 15. Jh. aber gewohnheitsrechtlich rezipiert wurde 26 .Eine Privatarbeit, wahrscheinlich aus der zweiten Hälfte des 14. Jh., istdas steiermärkische Landrecht (der Landlauf von Steyr) 27 . DasErzstift Salzburg erhielt 1328 eine Landesordnung von ErzbischofFriedrich III 28 . Eine amtliche Bearbeitung des Sachsenspiegels miteinigen bemerkenswerten Zusätzen war das für das Fürstentum Breslauauf Anlaß des Königs Johann von Böhmen verfaßte Breslauer (schle-sische) Landrecht von 1356 (s. §54 n. 65). Durch Vertrag des Bischofsvon Würzburg und seines Kapitels mit den Grafen_und der Ritterschaftdes Stiftes wurde 1435 das Würzburger Landrecht festgestellt 29 . Vonden niederländischen 30 Landrechten sind hervorzuheben: das von See-land, von 1258 und 1290, Kennemerland von 1292 und Westfrieslandvon 1299 31 , das alte Landrecht von Stift Thorn, angeblich von 1295 32 ,das Landrecht des Stifts Utrecht 33 , die Keuren von Südholland 34 unddas Drenter Landrecht von 1412 35 . Daran reihen sich die Landrechte
oberbaier. Land- und Stadtrecht, Oberbaier. Areh. 23, 216. v. d. Pfordten Studienzu Kaiser Ludwigs Stadt- und Landrecht 1875. Pfeiffers Germania 12, 71 ff.Riezler, G. Baierns II 540. Riedner Die Rechtsbücher Ludwigs des Bayern 1911(Beyerle Beitr. 6, 3; vgl. Heubeiger MJÖG. 37, 674ff.; v. Gierke ZRG. 45,472ff.) Fischer D. ältere Rechtsbuch Ludwigs d. Bay. 1908.
26 Jirecek Codex iuris Bohemici 2, 2 S. 104ff. Vgl. Werunsky, ZRG. 22,64ff.; G. Karls IV 3, 76ff. Bei der Abfassung wurde ein wahrscheinlich Mitte des14. Jh. entstandenes Rechtsgangbuch, der Ordo iudicii terre Boemie (Jirecek2, 2 S. 245ff.), eine ursprünglich in tschechischer Sprache verfaßte, dann lateinischbearbeitete Privataufzeichnung, benutzt. Vgl. Werunsky, G. 3, 39ff.; ZRG. 23,98ff. Ebenso war das älteste böhmische Rechtsbuch in tschechischer Sprache, dieKniha Rozmberska (Rosenberger Buch), her. von Brandl 1882, eine bloßePrivatarbeit.
27 Ausg. von Bischoff 1875. Vgl. Hasenöhrl Arch. ÖG. 93, 302ff.
28 Rössler a. a. 0. Nr. 1.
29 Schmidt Thesaurus iur. Franc. 2, 2 S. 329ff. Knapp Würzb. Zcntgerichts-reformation 44ff.
30 Friesischen Ursprungs sind die Rechte des heutigen Friesland, von Gro-ningen, Drente, Holland, Seeland und dem größten Teil Utrechts, sächsisch dievon Overijssel und wahrscheinlich Zutphen, fränkisch die von Brabant, dem größtenTeil Gelderlands u. Limburg. Fockema Andreae (S. 707) 17. — Die Keurenvon Reichsflandern (Waes 1241, Vier Ämter 1242) bei Warnkönig Flandr. RG. 2,2 Urk.-Anh. Nr. 220, 222.
31 v. d. Berch Oorkondenb. v. Holl. en Zeel. 2, 19. 330. 345. 374. 505.
32 Ausg. von Sivre 1871.
33 Muller De middeleeuwsche rechtsbronnen der stad Utrecht 2, 409ff.
34 Keure von 1303 bei Mieris Charterboek der graven van Holland 2, 28.Verschiedene spätere Rechtsaufzeichnungen bei Fruin De oudste rechten der stadDordrecht en van het baljuwschap van Zuidholland 2, 225ff. und bei FockemaAndreae a. a. O.
M S. GratamaDrenthsche Rechtsbronnen 1894. Richthofen Fries. Rechtsqu.R. Schröder, Deutsche Eeehtsgeschichte. 7. Aufl. 47