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Lehrbuch der deutschen Rechtsgeschichte
Entstehung
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736 Mittelalter.

zu erwähnen. Die letzteren, besonders zahlreich in Baiern, sollten nichtbloß die landständischen Rechte heben (S. 670), sondern auch die für dieDienstmannen bestehenden Freiheitsbeschränkungen beseitigen und dieUmwandlung dieses Standes in einen freien Landesadel herbeiführen 20 .Eine umfassende Kodifikation des böhmischen und sächsischen Bergrechtsist das Ius regale montanorum (auch Constitutiones iuris metallici) desKönigs Wenzel II von Böhmen (130005) 21 .

Weitaus die bedeutendsten territorialen Kechtsquellen waren die Land-rechte. Soweit sich diese auf die Aufzeichnung des Gewohnheitsrechtsbeschränkten, bedurften sie der landständischen Genehmigung nicht. AuchLandrechtsbücher rein privater Entstehung kamen vor. Viele Landrechtedagegen waren Werke förmlicher Gesetzgebung, bestimmt, das bisherigeKecht nicht nur zu verzeichnen, sondern zu reformieren, wobei die stän-dische Mitwirkung nicht entbehrt werden konnte.

Vom österreichischen Landrecht 22 sind uns zwei Fassungen (diekürzere LR I und längere LR II) erhalten. Beide sind Aufzeichnungendes Rechts, wie es um 1276 in Österreich bestand, wobei eine Landes-ordnung Otakars von Böhmen von ungefähr 1266 im Mittelteil von LR IIaufgenommen wurde 23 . Beide sind im Zusammenwirken König Rudolfsund der Landherrn (des hohen Landadels) entstanden.

Die kulmische Handfeste wurde von 1233 von dem GroßmeisterHermann von Salza erlassen; eine Neuausfertigung erfolgte 1251, undzwar in der ursprünglichen lateinischen Fassung und einer anscheinendamtlichen deutschen Übersetzung 24 . Ein hervorragendes Werk ist dasoberbairische Landrecht Kaiser Ludwigs des Baiern von 1346, dieältere Fassung zwischen 1333 und 1336 25 . Es enthält überwiegend Ge-

20 Dies zeigt sich namentlich in Steiermark. Vgl. v. Luschin Steir. Land-handfesten, Beitr. z. K. steierm. G.-Qu. 9, 119ff. v. Schwind u. Dopsch Nr. 36.120. 157. v. Lerchenfeld Die altbaier. landständ. Freibriefe mit den Landes-freiheitserklärungen 1853 (Einleitung von Rockinger). v. Below a. a. 0. 1, 156ff.

21 Ausgabe von Zycha Bergrecht 2, 40296. Jirecek Cod. iur. Boh. 1,265ff. Die deutsche Übersetzung des Joh. v. Gelnhausen (s. § 60 n. 5) neben dem]at. Text abgedruckt bei Zycha a. a. O., jetzt nach dem Brünner Original her. v.Bretholz, Z. d. Ver. f. G. Mährens u. Schlesiens 7, 3. 4. Vgl. oben 709 u.MJÖG. 23, 332.

22 Hasenöhrl Österr. Landesrecht 1867. Krit. Ausgabe: v. Schwind-Dopsch Nr. 34. 50. Altmann-Bernheim« Nr. 162.

23 Dopsch Jb. NÖLk. 1915, 161ff. Neue Forschungen über das österr.Landesrecht 1918 (ArchÖG. 106); hier die ältere Literatur (Rößler, Siegel,v. Luschin, Dopsch u. a.). Den böhmischen Einfluß betont der tschechischeForscher Stieber (Dopsch, Forsch. 2, 1905, vgl. Schreuer ZRG. 41, 608); dagegenWerunsky MJÖG. 29, 253. Vgl. ferner Steinacker Jb. NÖLk. 1917, 3. v. LuschinOst. Reichsg. I 2 (1914) 150. Stowasser inÖsterreich" 1918, 1, 229.

21 Preußisches ÜB. I 184ff. Altmann u. Bernheim« Nr. 158.

25 Ausgaben: v. Freyberg Samml. bist. Schriften u. TJrk. IV 383; Heu-mann Opuscula 54. Das ältere Landrecht bei Rockinger Kaiser Ludwigs ober-baier. Land- u. Lehenrecht, Münch. Abh. 24, 461. Vgl, Rockinger, ebd. 11, »;Mönch. SB. 1873, S. 399; Kr. VjSchr. 17, 460; Zur äußeren G. von König Ludwigs