§ 53. Reichsgesetze. 715
Alle früheren Landfriedensgesetze wurden durch den Mainzer Reichs-landfrieden Friedrichs II von 1235, das erste in deutscher Sprache er-schienene Reichsgesetz (der lateinische Text fußt auf dem deutschen Text),in den Hintergrund gedrängt 13 . Er stand noch um 1400 in solchem An-sehen, daß er von Nikolaus Wurm zu einem Rechtsbuche mit Glossen ver-arbeitet wurde 14 ; die Reichslandfrieden Rudolfs I, Adolfs, Albrechts I undHeinrichs VII waren im wesentlichen bloße Erneuerungen des MainzerGesetzes, das sie nur hier und da abänderten oder ergänzten 15 . DenInhalt bildeten außer strafrechtlichen Bestimmungen der verschiedenstenArt die Einsetzung des Reichshofrichters und eines Hofgerichtschreibers,dazu Vorschriften über Gerichts-, Münz-, Zoll- und Verkehrswesen, Ge-leits-und Befestigungsrecht, geistliche Gerichtsbarkeit, Vogteirechte, Verbotder Pfalbürger und Muntmannen in den Städten, Verbot der Privat-pfändung, auch ausführliche Bestimmungen über die Rechte der Vätergegen ungehorsame Söhne, in Anknüpfung an die Empörung des KönigsHeinrich gegen seinen Vater. Die Bestimmungen über die Fehde standenalso nicht mehr im Vordergrund. Seit Rudolf I lag der Schwerpunkt derFürsorge für den Landfrieden nicht mehr in den Reichs-, sondern in denProvinziallandfrieden, bei denen der König nur noch zuweilen mitwirkte 16 .Seit Ludwig dem Baiern hörte dfe Landfriedensgesetzgebung des Reichesin der Hauptsache auf und die freien oder durch den König vermitteltenLandfriedenseinungen traten an ihre Stelle 17 . Von Reichslandfrieden sindnur der von 1383, der Nürnberger 18 bedeutende Gesetzentwurf Albrechts IIvon 1438 (Zeumer 2 Nr. 165), sodann die sog. Frankfurter Reformationvon 1442 (ebd. Nr. 166) und die Landfrieden von 1467 und 1474, sämtlichvon Friedrich III, hervorzuheben 19 .
13 Der deutsche Urtext jetzt Const. 3, 275ff., der lateinische 2, 241ff. Beidebei Zeumer 2 Nr. 58. Altm. u. Bernh. 4 Nr. 121. Vgl. Zeumer, Hist. Z. 82, 489;ZRG. 36, 61; N. Arch. 28, 435ff. Luschin von Ebengreuth ebd. 25, 539.
11 Ausgabe von Böhlau Novae constitutiones domini Alberti 1858.
15 Vgl. Const. 3, 280. 370. 443. 4, 26.
16 Vgl. Const. 3, 116. 265. 268. 331. 363. 383. 601-20. 4, 101. 355.
17 Vgl. Vielau Beiträge z. G. d. Landfrieden Karls IV, Hall. Diss. 1877.Fischer Landfr.Verf. unter Karl IV, Gott. Diss. 1884. Michelsen Urkundl. Beitr.z. G. d. LFr. 1863. Mendthal Städtebünde u. LFr. in Westf., Königsb. Diss. 1879.Weigel LFr.Verhandlungen unter König Sigmund, Hall. Diss. 1884. Zeumer 2Nr. 119. Über einen Landfriedensvertrag König Albrechts I v. 1301 vgl. Schulte,G. d. mittelalt. Handels 1, 205. Ein lothringischer LFr. Karls IV von 1354 WienerSB. 111, 1 S.39, der wetterauische von 1371 bei Altm. u. Bernh. 4 Nr. 127, WenzelsEgerer LFr. von 1389 ebd.? S. 261. Zeumer 1 Nr. 133, Ruprechts fränkischer LPr.von 1407 bei Chmel Regesta Ruperti 205ff. Ein Landfriedensgesetz Karls IV warder westfälische LPr. von 1371. Vgl. Lindner Veme 442ff. Mendthal a. a. 0.50ff. Fischer a. a. 0. 99ff.
18 Zeumer Qu S. 2 Nr. 151; eine Einung auf 12 Jahre, teilt in Art. 24 dasganze Gebiet der Beteiligten in vier „Parteien", was als erster Versuch einer Kreis-einteihmg erscheint. Vgl. Art. 6. 14. 16. Zeumer ebd. Vorrede p.9 und oben S.604.
19 N. Samml. d. Reichsabschiede 1, 154. 164. 170. 225. 261. Ein kurzer LFr.Ludwigs des Baiern v. 1323 ebd. 43. Schwalm LFr. i. Dtschl. S. 139. Der LFr.