§ 53. Eeichsgesctze. 713
auf dem Felde, des Königs Straße, das Innere der Dörfer und Städte) undPersonen (Geistliche, Weiber, reisende Kaufleute, Juden, Feldarbeiter,Jäger und Fischer in Ausübung ihres Berufes, u. dgl. m.) gegen jedengewaltsamen Angriff, auch in berechtigter Fehde, gesetzlich geschütztwurden. Darin berührten sich die Landfrieden mit dem Gottesfrieden(jmx Dei, Ireuga Dei), nur daß jene mit zeitlicher Beschränkung auf-gestellt wurden, während der Gottesfriede ewige Geltung beanspruchte 2 .Der Gottesfriede begnügte sich nicht mit der unbedingten Befriedung ge-wisser Personen und Gegenstände, seine Hauptbedeutung lag in der Ein-führung bestimmter Friedetage („gebundene Tage"), an denen ein fürallemal jeder Waffengebrauch (mit Ausnahme von Reichskriegen und derVerfolgung handhafter Verbrecher) und jede Gewalttat untersagt wurde 3 .Der Gottesfriedc war eine kirchliche Einrichtung französischen Ursprungs,durch Beschlüsse französischer Synoden (1037—41) ins Leben gerufen,dann auch in Burgund verbreitet. Im Deutschen Reich wurde er zuerstin der Diözese Lüttich (1082), dann 1083 in Köln und unter TeilnahmeHeinrichs D7 mit der Bestimmung für das ganze Reich 1085 in Mainz ver-kündigt 4 . Verbindlichkeit für die gesamte Christenheit erhielt die treugaDei durch die drei ersten Lateransynoden (1123, 1139 und 1179) und dieAufnahme in das Corpus iuris canonici (c. 1 X. de treuga et pace 1, 34).Auch die ersten Landfrieden gehören der Zeit Heinrichs IV an 3 . DenAnfang machten nicht Reichsgesetze, sondern provinzielle Landfriedens-einungen der Gegner des Königs. Erst während seines letzten Jahrzehntshat Heinrich IV sich mit der Landfriedensgesetzgebung befaßt. Der
* Vgl. S. 604. Ausgabe sämtlicher Gottesfrieden MG. Const. 1, 596—617.Vgl, Kluckhohn, G. des Gottesfriedens 1857. Steindorff, JB. des Deutsch.Reiches unter Heinrich III 1, 137ff. Nitzsoh, FDG. 21, 269ff. Hinschius KR.5, 305ff. Huberti Studien zur RG. der Gottesfrieden u. Landfrieden 1892; Gottes-friede in der Kaiserchronik, ZRG. 26, 133ff. Wasserschieben ebd. 25, 112ff.Weiland ebd. 27, 152ff. Herzberg-Fränkel Die ältesten Land- und Gottesfriedenin Deutschi., FDG. 23,134ff. Heck Urspr. d. gemeinfries. Küren, NArch. 17, 569ff.Rietschel (in Hauck Enzyklopädie). Görris Denkbeeiden over oorlog en debemoetingen voor vrede in de elfde eeuw. Leiden Diss. 1912 (vgl. His ZRG. 47, 664).Prutz Friedensidee im MA., Münch. SB. 1915. Über die Bedeutung des Wortesinuga (von ahd. triuwa, fides, foedus) vgl. Diez WB. d. rom. Spr. 1, s. v. tregua.Du Cange Glossar, s. v. treva, Ireugare, treugarius. Huberti a. a. O. 250ff.
3 Die gebundene Zeit umfaßte, nach anfänglichen Schwankungen, alle Haupt-feste und gewisse Festwochen, außerdem die Wochentage von Mittwoch (oderDonnerstag) abend bis Montag früh, so daß nur drei (oder, vier) Tage der Wochefür die Fehde frei blieben.
4 Die Fragmente des Lütticher Gottesfriedens, der von Heinrich IV, Hein-rich V und Friedrich I bestätigt wurde, MG. Const. 1, 603 n. Der Kölner Gottee-friede ebd. 602 (Altm. u. Bernh.« Nr. 112), ein wahrscheinlich zu dem MainzerGottesfrieden gehöriges Bruchstück (iummemtum pacts Dei) ebd. 608. Der früherfür den Mainzer gehaltene Text eines Gottesfriedens von 1085 (ebd. 605) ist ein aufdem Kölner Gottesfrieden beruhendes Bamberger Kirchengesetz.
5 Über die Verhältnisse unter Heinrich II und III vgl. Waitz 6 2 . 528f. 532f.Steindorff a. a, O. 1, 448ff. Kluckhohn 78f.