712 Mittelalter.
des gesetzten, gewiesenen oder in Kechtsbüchern niedergelegten Rechtsschließt sich eine kurze Übersicht über das Urkundenwesen und diejuristische Literatur außerhalb der Rechtsbücher an.
§ 53. Die Reichsgesetze.
MG. Constitutiones et acta publica imperatorum et regum I— VI 2. VIII \1893ff. (Leg. sect. IV). Deutsche Reichstagsakten 1867ff. Zeuiuer Quellen-sammlung 8 1913. Altmann u. Bernheim Ausgewählte Urkunden 1 1909. VglStobbe 1, 459ff. Zeumer, Hist. Z. 82, 483ff. Beseler, ZRG. 2, 367H. Fürdie späteren Gesetze vgl. Schmauss u. v. Senckenberg Neue und vollständigeSammlung der Reichsabschiede 1747. Unbrauchbar ist Goldast Collectio con-stitutionum imperialMm 1613.
Die alte volksrechtlichc Gesetzgebung war in erster Reihe dem Be-dürfnis entsprungen, durch Aufstellung fester Büß- und Wergeidtaxendas Fehdewesen möglichst einzuschränken (S. 373). Schon die fränkischeReichsgesetzgebung ist von Maßregeln zum Schutze des Landfriedens(S. 286), wenn auch in anderem Sinn als das Mittelalter, ausgegangen.Im Mittelalter hat die Landfriedensgesetzgebung 1 den Ausgangs-punkt für die deutsche Reichs- wie Landesgesetzgebung gebildet; sie er-scheint als der eigentliche Kern der G3setzgebung, um den sich allmählichimmer weitere Gagenstände legen, die in mehr oder weniger losem Zu-sammenhang mit dem Landfrieden stehen, zum Teil eines solchen Zusammen-hanges ganz ermangeln. Unter Landfrieden verstand das Mittelalter denSchutz gegen Mißbrauch des Fehdewesens, darüber hinaus aber wurdendie Landfriedensgesetze überhaupt zu Strafgesetzen, in ihrer späterenEntwicklung zum Teil zu förmlichen Strafgesetzbüchern. Das alte Bußen-und Wergeidsystem war im Absterben; die Landfriedensgesetze hatten esfast nur mit der Aufstellung öffentlicher Strafen für alle Gefährdungendes Landfriedens zu tun. Daran reihten sich Bestimmungen über Land-friedensgerichte und deren Verfahren; Vorbeugungsmaßregeln, um denAusbruch von Streitfällen und Fehden möglichst zu verhüten; zuweilengeradezu Verbot der Fehde, meistens freilich nur beschränkt, indem be-stimmte Sachen (Kirchen, Kirchhöfe, Wohnhäuser, Mühlen, Ackergeräte
1 Vgl. S. 602«. Waitz 6 2 , 522ff. 546f.; GGA. 1859 S.761ff. H.O.Leh-mann bei Ersch u. Gruber Enzykl. II 41, 340ff. Wilda in Weiskes Rechts-lexikon 6, 232ff. Kluckhohn Geschichte des Gottesfriedens 1857. GöckeAnfänge der LFr.Aufrichtungen in Deutschland 1875. Eggert Studien z. G.der LEr. 1875. Herzberg-Fränkel Die ältesten Land- und Gottesfrieden inDeutschi., FDG. 23, 117ff. Küch LFr.bestrebungen Friedrichs I, Marb. Diss. 1887.Giesebrecht, G. d. Kaiserzeit 2°, 71ff. 3 4 , 610. Brock Entstehung des Fehde-rechts im Deutsch. Reich des MA. 1887. Wyneken LFr. in Deutschi, von Rudolf Ibis Heinrieh VII, Gott. Diss. 1886. Schwalm LFr. in Deutschi, unter Ludwig d.Baiern, Gott. Diss. 1889. Zallinger Kampf, um den LFr. in Deutschi., MJOG.,Erg. 4, 443ff. F. W. Müller (S. 667).