§ 43. König. 517
von Baiern. zusammen mit seinem Bruder, Pfalzgraf Ludwig, die Stimmeabgegeben. Auch aus den nach der Wahl mit Papst Urban IV„ gepflogenenVerhandlungen ergibt sich, daß die herrschende Meinung damals nur nochsieben Kurstimmen annahm und eine von diesen dem Böhmen zugestand;streitig scheint nur gewesen zu sein, ob der letztere unmittelbar mit-zustimmen, oder nur bei Stimmengleichheit den Stichentscheid abzu-geben hatte 25 .
Erst nach der Wahl Rudolfs (1273) erhob Herzog Heinrich, indemer seiner Teilnahme an der Wahl von 1257 eine andere Bedeutung bei-legte, gegenüber dem widerstrebenden Böhmen den Anspruch auf eineeigene baierische Kur, die ihm in der Hofgerichtsverhandlung v. 1275(Const. 2, 11) auf die Frage nach dem Besitzstande (quaestione superquasipossessione iuris eligendi Romanorum regem) auch zuerkannt wurdeund alsbald im Schwabenspiegel und dem Gedicht Lohengrin literarischeVertretung fand 26 . Nachdem König Rudolf 1289 und 1290 dem Böhmenden Besitz seiner Kurwürde und des Schenkenamtes bestätigt hatte,nahmen auch die jüngeren Handschriften des« Schwabenspiegels die ent-sprechende Textänderung vor 27 .
Bald nach der Abschließung des Kurfürstenkollegiums verschwanddie durch Einzelabgaben des Kürspruches nacheinander vollzogene feier-
25 Vgl. MG. Const. 2, 525ff. Zeumer Quellensamml. 2 Nr. 80. Heinrichy. Segusia, Kardinal von Ostia (f 1271) in seinen Ausführungen zu der Bulle„Venerabilem" (Lectura sive apparatus domini Hostiensis super quinque librisDecretalium, zu c. 34 X. de elect. 1, 6): In qua ponitur recognitio pape, quod adprincipes spectat electio regis in imperatorem promovendi — —, Ulis scilicet:Moguntino, Coloniensi, Treverensi archiepiscopis, comiti Rheni, duci Saxonie,narchioni Brandeburgensi; et septimus est dux Bohemie, qui modo est rex, sediste secundum quosdam non est necessarius, nisi quando alii discordant, nee istudius non habuit ab antiquo, sed de facto hoc hodie tenet. Der Bericht der ParteiRichards forderte den Papst ausdrücklich auf, quasdam consuetvdines circaelectionem novi regis Romanorum — — apud principes vocem in huiusmodieleclione habentes, qui sunt Septem numero, pro iure servari.
28 Schwsp. Rock. 118 (Laßb. 130a): Den kunc suln kiesen drt phaffenfursten■unde viere leienfursten. Der bischof von Meinze ist kanzeler ze teutschem lande,der hat die fasten stimme an der kur. Der bischof von Trier die andern, derbischof von Köln die dritten. Der bischof von Köln ist kanzeler ze Lanchparten.der bischof von Triere ist kanzeler ze dem kuncriche ze Arie. Daz sint driu ampt,diu Mrent zu der kur. linder den leienfursten ist der irst ze wein an der stimme"er phalnzgrave von Rtne, des riches truhseezze. Der ander daz ist der herzöge vonaahsen, des riches marschalch, der sol dem kunge sin swert tragen. Der dritteleienfurste der die kur hat daz ist der marcgrdfe von Brandenburch, des richeskamerer. Der vierde daz ist der herzöge von Baiern, des riches schenke. Sieheauch Schwab. Lehnr. 8 (Rock.). Lohengrin, her. v. Rückert 1858 Vers 1962ff.Schröder ZDA. NF. 13, 156f.; ZDPhil. 1, 274; ZRG. 15, 200. Picker Ent-stehungszeit des Schwabenspiegels, WSB. 77, 828ff. Rockinger Münch. Abh.23, 486ff. 24, 73ff. Seeliger Erzkanzler 46ff.
MG. Const. 3, 408. 426f. Über den baierisch-böhmischen Kurstreit vgl.besonders Zeumer Böhm. u. bayr. Kur (n. 8). A. Müller G. d. böhm. Kur, Diss.Hurzb. 1891. Scheffer-Boichorst Zur G. d. bair. u. pfälz. Kur, MSB. 1884