488 Mittelalter.
gerichtsbarkeit innerhalb seiner Diözese zugestand, hoc excepto, quoicomites de liberis hominibus qui vulgo bargildi vocantur in comitiis habi-tantibus statutam iusticiam recipere debent 77 . Die den Grafen hier vor-behaltene- Gerechtigkeit wird in zahlreichen niedersächsischen Urkundenals forense ius, de foro nostro, de nostro iure et foro, auch als cornecia odereine ratione cometie dem Grafen zustehende Gerechtigkeit bezeichnet 7 *Sie war identisch mit der von den Pfleghaften zu entrichtenden „Pflege"(plege), wie dem forense ius das ius quod pleghaftich dicitur vulgaritcr ent-sprach 79 , anderseits wurde die Abgabe, die regelmäßig eine Getreideabgabewar, in niedersächsischen Urkunden auch mit modii forenses oder schlecht-hin forenses bezeichnet 80 . In deutschen Urkunden derselben Gegend findetsich die Bezeichnung marchscheffel, die man irrtümlich mit „Marktscheffel"erklärt hat 81 , während sie offenbar mit den anderweitig, zumal in öster-reichischen Quellen vorkommenden Bezeichnungen marchmutte, march-dienst, marchfutter, marchreht gleichbedeutend war 82 und, von march= Mähre abgeleitet, ursprünglich eine Futterabgabe für Pferde be-
77 Die vielbesprochene Urkunde u. a. bei Heck Biergelden 33, der auch diefünf als Fälschungen anerkannten Würzburger Kaiserprivilegien (ebd. 31 f.) fürseine Zwecke heranzieht. Gegen seine hieT ganz unmögliche Übersetzung derWorte iusticiam recipere mit „Gerichtsbarkeit ausüben" vgl. u. a. Stutz a. a. 0.130 n. 5.
78 Beyerle Pflegh. 322. 332. 381ff. Über die berühmte Walkenrieder ürk.v. 1214 (Anspruch des Grafen auf zwei Hufen forensi iure quorundam hominumqui in vulgari dicuntur plaecachte) vgl. Beyerle 307f. 382. Stutz ZRG. 34, 132 n. 1.v. Amira ebd. 40, 389f. Fehr ebd. 43, 285. Meister 171f. Heck, der ius forenseunrichtig statt mit „Gerichtsrecht" mit „Marktrecht" übersetzt, findet darin eineStütze für seine abenteuerliche Auffassung der Pfleghaften als Stadtbürger. EinerWiderlegung bedarf diese, allgemein abgelehnte Ansicht nicht mehr. Nur erwähntmag werden, daß unter seinen vermeintlichen Beweisen auch Dsp. 283 erscheint,als ob der schwäbische Verfasser auch nur eine Ahnung von dei Bedeutung desniedersächsischen Ausdrucks hätte haben können. Vgl. auch n. 81.
79 Vgl. Beyerle 329. Meister a. a. O. 60f. Der Sachsenspiegel (II 58 §2.III 76 § 4. S. Lehnr. 60 § 2) braucnt plege und uns (d. i. Vogtzins) stets neben-einander, und zwar, dem Sprachgebrauche seiner Zeit entsprechend, als etwas Ver-schiedenes. Dazu Homeyers Register S. 466. Vgl. Beyerle 380. 390 n.
80 Vgl. Beyerle 383ff. österr. Weist. 9, 795: richterfueler. Ebd. 6, 620(1224): iudicium et marchfüter exerceat.
"Vgl. Beyerle 365 Nr. 23. 366 Nr. 25. 367 Nr. 28. 372 Nr. 36. 373 Nr. 381375 Nr. 43. Daneben findet sich, offenbar durch ein Versehen des Abschreibersdes Melder Kopialbuches, S. 375 Nr. 42 marthscUfjel und 372 Nr. 37 neben-einander: ein marlhscheffel rockin und ein marthscheffel gersten und J / 2 march-scheffel weißen, Northußer moß. Aus diesem Schreib- oder Lesefehler erklärt sichdann weiter der martscheffel S. 363 Nr. 20, 369 Nr. 32, 372 Ni. 35. Die Unzu-verlässigkeit des Abschreibers zeigt sich in Nr. 20 auch in dem gerbane gelde, dasdurch eine Entstellung aus herban gelde entstanden sein könnte. Vgl. Beyerle363 n. und 386. Beyerle 383ff. sucht, durch die falsche Lesart verführt, den ver-meintlichen „Marktscheffel" als eine mißglückte Übersetzung von modius forensiszu beseitigen, was als unmöglich erscheinen muß.
82 Vgl. Waitz 8, 391 f. (der von der Bedeutung „Mark" ausgeht und die Er-klärung aus Mähre verwirft). Haltaus Glossar. 13171 Schmeller-Frommann