Druckschrift 
Lehrbuch der deutschen Rechtsgeschichte
Entstehung
Seite
486
Einzelbild herunterladen
 

486 Mittelalter.

hafte' 1 bezeichnet 69 . Während die Wissenschaft darüber einig ist, daßder Name der „Pfleghaften" sie als Abgabenpflichtige kennzeichnet 70besteht ein um so lebhafterer Streit über Bedeutung' und. Herleitung derals synonym für dieselben gebrauchten Bezeichnung „Biergelden" 71 . Daßes sich dabei nur um eine wahrscheinlich durch Volksetymologie ent-standene Abwandlung der in fränkischen, sächsischen und friesischenQuellen seit dem 9. Jahrhundert vorkommenden Bezeichnung bargüäibarigildi, bargüdiones, bergildi, afries. berieldan, handeln kann, ist un-bestritten 72 . Ebenso lassen die Quellen keinen Zweifel darüber, daß dieBargilden oder Biergelden Gemeinfreie gewesen sind. Genauere Auskunfterhalten wir durch ein Kapitular Lothars I vom Jahre 825, das Aufgebotzu einer Heerfahrt nach Corsica betreffend 73 . Das Kapitular, dessen Aus-drucksweise zweifellos die des fränkischen Sprachgebrauches gewesen ist,unterscheidet 1. die vassi dominici und deren homines (die vassi minores),die unter ihren Senioren ausziehen, 2. die homines episcoporum seu abbatum,von denen die außerhalb der Immunität gesessenen ihrem Grafen, die Im-munitätseinsassen ihrem Senior ins Feld folgen, und 3. die ceteri liberihomines quos vocant bharigildi, die unter ihrem Grafen stehen, unter sichaber wieder in drei Klassen zerfallen: a) die Wohlhabenderen, die keineHeersteuer zahlen, sondern sich auf eigene Kosten ausrüsten und ihremGrafen persönlich Heerfolge leisten; b) die Minderbegüterten, die nachGruppen von zwei bis vier Pflichtigen dem Grafen je einen mit Hilfe ihrerHeersteuer (adiutorium) ausgerüsteten Mann stellen; c) die Ärmeren, die

müssen (Vers 413f.), die städtischen Besitzungen, die sieh städtischer Freiheit er-freuen, aber verschoßt werden (Vers 418f.), und die freien Güter der Ritter (Vers426. 579ff.).

69 Vgl. v. Amira ZRG. 40, 389ff. 41, 435. Beyerle Pfleghafte (S. 467).Stobbe ZDR. 15, 345ff. Zöpfl Altert. 3, 138ff. Fehr Fürst u. Graf 76f.; ZRG.43, 281 ff. 285ff. 45, 487f. Gaupp Abh. 128. Heck Stände 369ff. 413ff. 839ff.;Biergelden (Hallische Festg. Dernburg 1900 S. 17ff.); Pfleghafte- u. Grafschafts-bauern in Ostfalen 1916 (vgl. Histor. Jahrb.1917.130ff). Lindner Veme 169f.MeisterGer.-Verf. 166—175. 178. 180. 199ff. Molitor Stände 40ff.; ZRG. 45, 330.Stutz ZRG. 34, 127ff. Eckert Fronbote 14ff, Waitz 4 2 , 332. 411 n. 5 2 , 319f.Ssp. I 2 §§ 1. 3. III 45 §§4. 5. Gl. zu Ssp. I 2 § 3 (Homeyer): Plechhaften sin,di in dem lande eigen hebben, dar si wat sin plichlig of to gevene oder to dunde.Pfleghaite in Thüringen bezeugt eine Walkenrieder L'rk. v. 1214, ÜB. d. hist.Ver. Niedersachsen II Nr. 83 (vgl. Beyerle a. a. 0. 307).

70 Vgl. Gierke ZRG. 40, 479ff. über die Doppelbedeutung „Pflege" = Für-sorge, Verpflegung, und = Leistung, Abgabe.

71 Vgl. Ssp. III 45 § 4.

72 Zu den oben n. 69 und S. 234 n. 15 Angeführten sind noch hinzuzufügenBeyerle 286ff. Breßlau FDG. 13, lOOn. Lindner Veme 169f. E.MayerHerzogtum d. Bisch, v. Würzburg 182ff.; DFrzVG. 1, 41. 410; Ital.VG. 1, 415 n.21.Petz, Grauert, Mayrhofer Drei bayer. Traditionsbücher 166ff. RosenstockHerzogsgewalt u. Friedensschutz 105. 133. 153f. Schröder Ger.-Verf. 41ff. 51.Telting a. a. 0. 8. v. Zallinger Würzb. Herzogtum 32 n.

73 MG. Cap. 1, 324f. Sonstige Erwähnung der Bargilden im Ed. Pistensev. 862 c. 32 (ebd. 2, 324) und einem nicht näher zu bestimmenden Kapitulara. a. 0. 1, 185 c. 4.