§ 40. Lehnwesen. Treuhandlehn, Pfandlehn. 439
leimsunfähigen Personen das Recht der Folge an den neuen Herrn zugewähren. Passend bezeichnete das Sachs. Lehnr. 56, 5 die Stellung desfür eine Frau bestellten Lehnsträgers dahin: he hevet die lenunge undeim herschilt, unde sie hevet die sehe lenunge unde die gewere. Mit demRecht des Vertretenen hörte das des Lehnsträgers, wenn er nicht Mit-belehming zur gesamten Hand empfangen hatte, von selbst auf 40 .
Zeitlich beschränkt war auch das Pfandlehen, bei dem sich derHerr die Einlösung zu einem bestimmten Betrage vorbehalten hatte 41 .Nach Empfang der Einlösungssumme hatte der Vassall das Lehen an denHerrn zurückzugeben. Zuweilen kam es vor, daß die Summe nicht Eigen-tum des Vassallen wurde, sondern von ihm in Grund und Boden an-gelegt werden mußte, um ihm als rechtes Lehen zu verbleiben 42 . Beiallen wiedergeblichen Lehen trat der Rückfall an den Herrn nicht vonRechts wegen, sondern erst infolge einer Rückauflassung seitens des bis-herigen Inhabers ein 43 , weshalb man die Bedingtheit der Belehnung auchwohl geradezu bestritten und der Riickgabepflicht des Beliehenen nureine obligatorische Bedeutung beigelegt hat 44 . Die Verpflichtung zur
40 Vgl. Sachs. Lehnr. 56 § 2, § 4. 75, § 1.
41 Vgl. Homeyer 344ff. Heusler 2, 130. Kohler Pfandrecht. Forsch. 97f.290ff. v. Meibom Pfandrecht 385ff. Budde ZDR. 9, 437. Als Pfandlehen wurdebekanntlich 1415 die Mark Brandenburg an Burggraf Friedrich VI von Nürnbergverliehen. In dem Leimsbrief des Kaisers Sigmund (Mon. Zoll. 7, Nr. 400) heißtes: Imben wir — — dem vorgenanten Fridrich und sinen erben die vorgenantemarke und kurfurstentum mitsampt der kure und erzcamermeislerample dorzu ge-hörende — — — — gnedicleich gegeben und in oucli einen rechten und warenmarggraven doruber gemacht, geben und machen von romischer kungleicher und ouch
unser erblichen machte, die wir an der vorgenannten marke geliebt liaben; ------------
doch mit solichem underscheid, als hernach begriffen ist: mit namen, ob wir oder
unser erben mannesgcslechle oder, ob wir die nit gewunnen, —------- her Wenzlaw
kung zu Behem, unser lieber bruder, oder sein erben mannesgeschlechle die vor-genante marke mitsampt der kure, erzcamermeislerampt und aller ander irer zu-gehormige von dem itzgenanten Fridrich oder sinen erben widerhaben wollen, daz
dann wir — -------— dieselben marke elc. von in wider kaufen mögen um vier-
ftlund, hunderttausend hungrischer gülden, zu welicher zeite im jare uns — — —das fuget, solichs widerkaufs si ouch uns in allzeit gestalten und gehorsam sinsollen, 6ne alles verziehen und widersprechen. Vgl. AltmannUrk. Beitr. (MJÖG. 18Nr. 10 v. 1424). Sachs. Lehnr. 55 § 1: Wirt enem manne gut gelegen uppe sinetrüwe, dat he H weder uplate, svenne it sin herre lose to beseeidener tiet, dat gutmach die herre losen, of he wel, unde mach it taten.
42 Vgl. Homeyer 344. Kohler a. a. O. 293.
43 Sachs. Lehnr. 55 § 7: Svat aver die herre manlike liet, dut stat an desmannes trüwe, weder he 't late oder ne du na sime gelovede, die herre ne möge inedes vertagen, dat he H binnen Unrechte gelovet hebbe. Vgl. S. 310. 413.
Sachs. Lehnr. 55 § 8: Svie seget gut to sattunge gelegen, die seget unrecht,wende sattunge ne mach nieman lien. Sal man gut setten, als it helpende si, datmut geschien vor des landes richtere, so dat man is die dingplichten to getüge hebbe;sal aver lenunge geschien, die sal geschien vor des herren mannen, an den man isgelüch hebbe. Gelegen sattunge dat vi is weder len noch sattunge. Auetor vetusa> 22: Omnis concessio ad tempus conditionaliter est reprobabilis, propterea delesle-mir haec omnia. Vgl. jedoch ebd. 3, 21.