426 Mittelalter.
Nach seiner Ächtung wurde auch die steirische Mark nebst dem Traun-gau von Baiern abgezweigt und zu einem selbständigen Herzogtum er-hoben 8 . Die Bedeutung des so verkleinerten Herzogtums, wie es 1180auf das Haus Witteisbach überging 9 , war, wie bei dem Herzogtum West-falen immer noch erheblich größer als die eines bloßen territorialenHerzogtums, namentlich da dem Herzog eine gewisse Oberhoheit über dieBischöfe verblieb, obwohl diese schon seit Otto I vom Keich investiertwurden und als Keichsfürsten galten 10 , aber beide Herzogtümer warenauf Bruchteile der Stammesgebiete beschränkt und hatten damit die Eigen-schaft als Stammesherzogtümer verloren.
Das Herzogtum Schwaben kam seit der Thronbesteigung der Hohen-staufen als selbständiges Herzogtum nicht mehr in Betracht, da sie auchals Könige ihr Herzogtum in der Hand behielten. Mit dem Tode Kon-radins (1268) war auch dies letzte Stammesherzogtum erloschen 11 .
Die auf der Gaueinteilung beruhende Grafschaftsverfassung aesfränkischen Keiches erhielt sich ebensowohl in den reichsunmittelbaren Ge-bieten wie in den Herzogtümern bis zum 12. Jahrhundert 12 , nur waren
Dopsch MJÖG. 17, 256ff. Strnad Geburt des Landes ob der Enns 79ff. Hasen-ohr 1 Arch. öst. G. 82, 436ff.
8 Österreich, Steiermark, Krain und die Windische Mark verlieh Rudolf I1282 an seine beiden Söhne; 1335 wurde auch Kärnten und später ebenso dieGrafschaft Tirol mit den habsburgiseh-östeTreichischen Besitzungen verbunden.Vgl. Festschrift z. Gedenkfeier d. Belehnung des Hauses Habsburg mit Österreich1882 S. 36. v. Schwind u. Dopsch 132. 168. 169. 215.
9 Vgl. Heigel u. Riezler Das Herzogtum Baiern zur Zeit Heinrichs desLöwen und Ottos I von Witteisbach 1867. Riezler G. Baierns 1, 723ff. GengierBeiträge z. RG. Baierns 1, 128ff.
10 Gegen die Annahme, daß die bairisehen Bischöfe 1180 von der Oberhoheitdes Herzogs eximiert worden seien, vgl. Heigel u. Riezler a. a. 0. 185ff.
11 Die Herzöge von Zähringen und die einer Seitenlinie entsprossenen Her-zöge von Teek führten persönlich den Herzogtitel, ohne daß diesem ein Herzog-tum entsprach. Vgl. Flamm ZGORh. 69, 254ff. Ähnlich war es mit den Herzögenvon Rotenburg.
12 Vgl. die Gaukarten Nr. 31—36 bei Spruner-Mcnke Handatlas, und diedazu gehörigen Vorbemerkungen. Lang Baierns Gauen 1830; Baierns alte Graf-schaften 1831. Baumann Grafschaften, im wirtemberg. Schwaben 1879. CramerG. d. Alamannen als Gaugeschichte 1899. Schricker Älteste Grenzen und Gauoim Elsaß 1884. W. Schultze Abgrenzung der Gaugraf schaffen des alamannischenBadens, Hcidelb. Diss. 1895; Die fränkischen Gaugrafschaften Rhoinhaierns,Rheinhessens, Starkenburgs u. Würtembergs 1897. Riot Les pagi de la Belgiqueet leurs subdivisions pendant le moyen-äge, Mein. cour. par l'Acad. roy. de Bel-gique 1874. v. d. Bergh Handboek der middelncderlandsche geographie 1872.Landau Besehreibung der deutschen Gaue 1855—57. Ledebur Die fünf münstcr-schen Gaue und die sieben Seelande Frieslands 1836. Hodenberg Die DiöceseBremen und deren Gaue in Sachsen und Friesland 1858—59. Wersebe Beschrei-bung der Gaue zwischen Elbe, Saale, Unstrut, Weser und Werra 1829. BöttgcrDiöcesan- und Gaugrenzen Norddeutschlands 1874—76. v. Richthofen Unter-suchungen über fries. RG. 2. 3. (1882—86). Winter Grafschaften im Nord-thüringgau, G.-Bl. f. Magdeburg 9, 281 ff. 394ff.; Grafschaften im Schwabengau,Mitt. Ver. anhält, G. 1, 79f£.; Grafschaften im Hassegau und Friesenfeld, N. Mitt.