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Lehrbuch der deutschen Rechtsgeschichte
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422
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422 Mittelalter.

Obwohl die große Masse der Bevölkerung des Eeiches der deutschenNationalität angehörte, war doch auch ein starker Zusatz anderer Natio-nalitäten vorhanden. In Currätien überwogen curwälsche, in Burgundprovenzalische, im westlichen Lothringen französische Elemente, der ganzeOsten war slawisch. Die am weitesten vorgeschobenen Posten des Slawen-tums waren die Wagrier zwischen Kiel und Lübeck, die Sorben an derthüringischen Saale und die Main- und Rednitzwenden des oberen Main-gebietes 10 . Daß die letzteren im Beginn des 12. Jahrhunderts noch nichtvollständig germanisiert waren, erkennt man aus den Beziehungen derBamberger Kirche zu den wendischen Missionsgebieten. Im Südostenbefand sich seit dem 10. Jahrhundert das deutsche, namentlich bairischeElement in allmählichem friedlichen Fortschreiten, ohne das stärkereslawische Element zu verdrängen n . Dagegen vollzog sich im nordöstlichenDeutschland im 12. und 13. Jahrhundert ein umfassender Germanisierungs-prozeß, durch den die slawische Bevölkerung bis zur Oder teils verdrängt,teils völlig aufgesogen wurde; im Lauf des 14. Jahrhunderts wiederholtesich dasselbe in Schlesien und den preußischen Ordenslanden, währenddie deutsche Kolonisation in Ungarn (Siebenbürgen, Zips) und Polen(Bukowina) schon im 12. und 13. Jahrhundert zum Abschluß gekommenwar 12 . Bei allen diesen Kolonisationen, die schon von Graf Adolf II vonHolstein, Heimich dem Löwen und Albrecht dem Bären in Angriff ge-nommen und dann besonders durch den Cisterzienser- und Prämonstra-tenser- sowie den deutschen Orden gefördert worden waren, kamen außerden Einwanderern aus den zunächst gelegenen niedersächsischen undmitteldeutschen Gebieten besonders zahllose Scharen westfälischer, frie-sischer und niederfränkisch-flämischer Kolonisten in Betracht. Währendsich die westfälischen Kolonisten vorzugsweise dem Küstengebiet (Wagrien,Meklenburg, Pommern) zuwandten, wurde das Binnenland, zumal in denMarken, der Hauptschauplatz der flämischen Kolonisation 13 . Auch in

10 Vgl. Dove Sendrecht d. Main- u. Rednitzwenden, ZKR. 4, 157ff. MeitzenSiedelung 2, 401 ff.

11 Vgl. Krones Besiedelung d. östl. Alpenländer (Kirchhoffs Forsch, z.deutsoh. Landes- u. Volkskunde 3, 5. 1889). Meitzen Siedelung 2, 374ff.

12 Vgl, F. Maurer Besitzergreifung Siebenbürgens 1875. Borchgrave Essaihistorique sur les Colonies Beiges cn Hongrie et en Transylvanie, Ouvrage couronnepar l'Acad. roy. de Belgique 1871. Weinhold Verbreitung u. Herkunft derDeutschen in Schlesien (Kirchhoffs Forsch. 2, 3. 1887). Kaindl G. d. Deutscheni. d. Karpathenländern I. 1907 (vgl. v. Künßberg ZBG. 41, 496).

13 Vgl. Borchgrave Histoire des Colonies Beiges en Allemagne 1865.Vanhoutte Le droit flamand dans les chartes de colonisation en Allemagne 1899.Wersebe Die niederl. Kolonien im nördl. Deutschland 181516. Meitzen Aus-breitung d. Deutschen in Deutschi. u. ihre Besiedelung der Slawengebiete, JB.Nat.-Ök. 17, lff.; Boden u. landwirtsch. Verhältnisse d. preuß. Staates 1, 303ff;Siedelung 2, 419ff. 475ff. Schröder Niederländ. Kolonien in Norddeutsch!, z. Z.des Mittelalters 1880. v. d. Ropp Deutsche Kolonien im 12. und 13. Jh., GießenerRektoratsrede 1886. J. Gierke G. d. deutsch. Deichrechts 1901 (Gierke U. 63)S. lOff. 124ff. F. Boll Meklenburgs deutsche Kolonisation, JB. mekl. G. 13,