404 Fränkische Zeit.
erfolgte nach Ablauf der Frist die endgültige Konfiskation, wobei es zu-nächst dem König überlassen blieb, wieviel davon zur Befriedigung desKlägers verwendet werden sollte 80 . Reichte das Vermögen des Beklagtennicht aus, so verfiel er ursprünglich in Friedlosigkeit; als ein Rest davnnerscheint die Preisgabe des bußpflichtigen, zahlungsunfähigen Missetäterszu Händen des Klägers 81 , an deren Stelle im Lauf der Zeit mehr und mehrdie exekutive Schuldhaft hzw. Sehuldknechtschaft trat 82 .
3. Ungehorsamsverfahren 83 . Eine Zwangsvollstreckung in dasVermögen gab es ursprünglich nur auf Grund eines Urteilserfüllungs-versprechens (fides facta). Verweigerte der Beklagte ein solches, oderleistete er schon der Ladung oder der Aufforderung zur Antwort auf dieKlage keine Folge, ohne sich wegen echter Not zu entschuldigen 84 , so
80 Vgl. Cap. ad leg. Rib. v. 803 c. 6 (Cap. 1, 118): Einen gesetzlichen An-Spruch auf seine Befriedigung aus dem gefronten Vermögen des Beklagten, so daßnur der Rest dem König anheimfiel, erhielt der Kläger erst durch Ludwigs Cap.leg. add. von 816 c. 5 (Cap. 1, 268). Diese zunächst nur als Zusatz zur Lex Salicaerlassene Bestimmung wurde durch Cap. legib. add. v. 818/19 c. II (1, 283) zu all-gemeiner volksrechtlicher Geltung erhoben. Daß die beiden Kapitularien von 816(Nr. 134. 135) Zusatzgesetze zur Lex Salica gewesen und erst durch das Capitularv. 818/19 zu allgemeiner Geltung erhoben worden sind, hat Mayer-Homberg1, 284ff. nachgewiesen. Die Übereignung gefronter Grundstücke an den Klägererforderte, weil sie zunächst Eigentum des Königs geworden waren, ein praeeeptumregis (S. 226f.). Vgl. Brunner 2, 74 n. 41. 460. Bei rechtzeitiger Lösung durchden Schuldner erfolgte die Aufhebung des Bannes durch den Richter (foras bannummittere). Vgl. Brunner 2, 459 n. 18. Ficker a. a. 0. 1, 33. Lib. Pap. Ludov. Piie. 16, form. (MG. Leg. 3, 531): Et post comes dicit: „per istum justein et istumwantum tollo omnes res eins de banno".
81 Vgl. S. 87 f. 304 n. L. Sal. 99 (58). Ed. Chilp. 8 (Cap. 1,10). L.Burg. 12,3.Roth. 253. Liutpr. 20. Brunner 2, 477f.; Abspaltungen 92ff. (Eorseh. 473ff.);ZRG. 16, 37ff. Glasson 3, 420. Esmein Etudes 154f. Mayer-Homberg 1,269ff. Fehr, ZRG. 40, 151ff. J. Gierke, ebd. -41, 290ff.' v. Amira Erbenfolge22ff. Lamprecht WL. 1, 23ff. Planitz 1, 53ff. 60ff.
82 Vgl. S. 237. L. Burg. 19,7. L. Baiuw. 1, 10. 2,1. 9, 4,19. L. Wis. 5, 6 c. 5.6, 4 c. 2. 7, 1 c. 5. Liutpr. 63. 80.121. 152. Aist. 22. Aregis. 6. Fieker Forschungen4 Nr. 18 (auch Cod. dipl. Cav. 1, Nr. 106). Brunner 2, 479f.; Abspaltungen 94f.(Forsch. 475f.). v. Bethmann-Hollweg 1, 247. 393. 518. 2, 176. Waitz2, 1S. 246. 4, 520. Korn De obnoxiatione et wadio, Breslau 1863. Esmein a. a. 0.155f. Loening Vertragsbruch 193ff. Grimm RA. 613ff. Wilda Strafr. 515f.v. Amira 3 281f.; Obl.-R. 1, 126ff. 480. 2, 155ff.; Vollste. 262ff. Maurer Schuld-knechtschaft n. altnord. R., MSB. 1874. Schmid Ges. d. Angels. 657. KohlerShakespeare 20ff.
83 Vgl. Brunner 2, 461ff. Siegel 73ff. v. Bethmann-Hollweg 1, 518ff.2,176ff. Sohm Prozeß 155ff. 180ff. 200ff. 216ff.; R- u. GV. 120 n.; Z. f. KR. 3,229.Waitz4, 516ff.; Das alte Recht 138f. Ficker Forschungen 1, 29ff. Gaudenzia. a. O. 141ff. Schmidt Echte Not 152f. Mayer-Homberg 1, 258ff. 269ff.
84 Vgl. S. 91. Schmidt a. a. O. 19ff. 120ff. 130. Brunner 2, 335f. Alsechte Not galt Königsdienst und Krankheit, nach fränkischem Recht auch Feueroder Todesfall im Hause des Geladenen, nach westgotischem auch Abwesenheitzur Zeit der Ladung. Vgl. L. Sal. 1, 4 (65 Titel-Text). Erstes sal. Kapit. c. 1.Fragm. Gaudenz. 5 (11). Über die sprachliche Bedeutung von sunnis (sonia, esso-nium, afrz. essoine, essoigne, an. syn) vgl. Diez WB. 1, s. v. sogna. Grimm EA.847f.; Kl. Schriften 5, 289f. Schmidt a. a. O. 8ff. Brunner 2, 335f.