§ 37. Gerichtsverfahren. 2. Ordentliches Verfahren. 401
gotischen und langobardischen Gesetze dem Königsgericht, also einem andie Prozeßformen und Beweisregeln des Volksrechtes nicht gebundenenBilligkeitsgerichtshof, die Entscheidung vorbehielten 83 .
Die Urteilsvollstreckung geschah überall, wo es sich um einedem Beklagten auferlegte Leistung handelte, auf Grund des Urteils-erfiillungsVersprechens, nachdem der Beklagte diesem binnen der gesetz-lichen Frist nicht nachgekommen war 64 und auch einer dreimaligen, inrechtsförmlicher "Weise vor Zeugen erfolgten Mahnung keine Folge ge-leistet hatte 65 . Am deutlichsten hat sich der altgermanische Standpunktim langobardischen Recht erhalten, das die Mahnung und Pfändung desSchuldners durchaus dem Bürgen, die Pfändung des säumigen Bürgenaber dem Kläger überließ und gerichtliche Mitwirkung nur bei der Weg-nahme pfändungsfreier Sachen verlangte 66 . Auch das sächsische Volks-recht muß außergerichtliche Pfändung zugelassen haben, da sie in derCapitulatio de part. Saxoniae c. 25 bei Strafe des Königsbannes verbotenwurde. Das ostgotische, burgundische, bairische und angelsächsische Rechtüberließ die Betreibung und Vollstreckung ebenfalls dem Kläger oderdem Wettbürgen des Beklagten, verlangte aber für die Pfändung Ge-nehmigung des Richters 67 . Dasselbe dürfte bei den Alamannen undFriesen der Fall gewesen sein, da Karl der Große es hier nicht für not-
83 Vgl. Cap. 1, 32 c. 7. 71 c. 4. 159 c. 7. Liutpr. 28. L. Wis. 2, 1 c. 24.
64 Vgl. Brunner 2, 442.
65 Vgl. Brunner l 2 , 266. 2, 445—60. v. Amira 3 215. 280ff.; Vollstreckungs-verf. 256ff. 280; Obl.-R. 1, 109ff. 234ff. 2, 140ff. Planitz a. a. 0. (S. 389).Mayer-Homberg 1, 251 ff. 255ff. Horten Personalexekution in Geschichte u.Dogma 2 Bde. 1893—95 (vgl. Schreuer KrVJSchr. III. F. 6, 325. BehrendProzeß 68ff.; Lex Salica 2 105. Geffcken Lex Salica 192ff. 245f. 273. CohnJustizverweigerung 62. Loening Vertragsbruch 40f. Beaudouin, N. Rev. 10,487ff. Siegel 35ff. 245ff. v. Bethmann-Hollweg 1, 336ff. 392f. 473ff. 515ff.2. 173ff. Sohm R.- u. GV. 117ff.; Proz. d. L. Sal. 30ff. Glasson Histoire 3, 414ff.429. 450. 454f. Wilda Pfändungsrecht, ZDR. 1, 167ff. v. Meibom Pfandrecht39ff. 190ff. Egger Vermögenshaftung (§35 n. 97). Esmein Etudes sur lescontrats 90ff. 154ff. Pertile 4, 498ff. Osenbrüggen Strafr. d. Lang. 142ff.Wach Arrestprozeß 1—33. Gaudenzi Un'antica compilazione di diritto romanoe visigoto 130ff. 145ff. Lehmann Königsfriede 18ff. 113ff. Alle Ausdrücke fürPfändung (vgl. S. 301) sind von Wörtern gebildet, die ein rapere, diripere be-zeichnen. So afrk. strudis (vgl. ags. strudan , mnd. stroden , mhd. stritten),aschwed. ittmiceta, nmma, an. nam (vgl. ags. näm, pignus captum). Vgl. GrimmRA. 635. 866. Lexer Mhd. WB. 2, 1255. Schiller-Lübben Mnd. WB. 4, 439.v. Amira Obl.-R. 1, 113. 234. Schmid Ges. d. Angels. 636. 658.
66 Vgl. S. 316ff. 402. Roth. 245f. 248. 251. Liutpr. 15. 108. Unrichtigist die Annahme, daß die Langobarden die Privatpfändung nicht bloß bei derSchuld aus einem Wettvertrage, sondern bei jeder Schuld zugelassen hätten (Valde Lievre 196ff. Wilda a. a. O. 190. Sohm Prozeß 53. Loening Vertrags-bruch 88. 91. v. Bethmann-Hollweg 2, 330 n. 8). Vgl. Wach lff. Siegel 37ff.v.Meibom 190ff. Osenbrüggen 143. Heusler Inst. 2, 207. 241.
07 Vgl. Ed. Theod. 123. L. Burg. 19, 1. 96. extrav. 21, 8. L. Baiuw. 13, lff.Ine 9. Cnut2, 19 (Lieberm. 92. 320). Sohm Prozeß 42ff. Wilda 184. v. Beth-mann-Hollweg 1, 168. 473. Schmid Ges. d. Angels. 642. v. Meibom Pfandr.194.R. Schröder, Deutsche Rcchtsgcschlchte. 7. Aull. 26