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Lehrbuch der deutschen Rechtsgeschichte
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306
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306 Fränkische Zeit.

Die meisten Stammesrechte behandelten die römische und die ger-manische Form der Landübertragung als gleichwertig, indem sie es mehroder weniger dem Belieben der Beteiligten überließen, ob sie die Über-tragung an Ort und Stelle durch körperliche Investitur nach der ger-manischen Form, oder außerhalb des Grundstücks durch traditio cartaevornehmen wollten 51 . Dabei erfuhr aber die fremdländische Form viel-fach eine eigentümliche Umgestaltung in nationalem Sinn, indem mandie Übergabe der Veräußerungsurkunde für sich allein nicht als aus-reichend erachtete, wenn nicht die volksrechtlichen Investitursymbole,die man zu dem Zweck nötigenfalls von dem Grundstück herbeischaffte,gleichzeitig mitübergeben wurden 52 . Da von einer körperlichen Besitz-

51 L. Burg. 60, 2: Si quis post haec barbarus vel testari voluerit vel donan,aut Romanam consuetudinem aut barbaricam esse servandam, si vult aliquid jirmi-tatis habere quod gesserit: id est ut aut scripturis legitimis, quod largiri cuicumqutooluerit teneatur, aut certe quinque inganuorum teslimonio, quod dimittere vohu.nlvel donare robur accipiat et in eius, cui res deputata fuerit, iura commigret. L. ßib.59, 1 (n. 52) trifft Bestimmungen über die Übertragung durch testamentum ven-ditionis und 60, 1 über die auf dem Grundstück (locus traditionis) vorgenommeneÜbertragung der possessio, wenn der Erwerber testamentum accipere non potuerit.Vgl. auch L. Rib. 48 (Brunner RG. d. ürk. 295ff.). L. Bai. 16, 2 verfügt, daßbei Immobiliarverkäufen, accepto pretio, aut per cartam aut per testes comprobeturfirma emptio. Dabei legte man Gewicht darauf, daß der Übertragungsakt wieder-holt von neuem vorgenommen wurde (firmatio). Vgl. Brunner RG. 2, 510f. 516f.Dahn Könige 9, 2 S. 353. Merkel ZRG. 2, lOOff. Bitterauf Trad. Freising 1,108. 110. 280. 474. 475. 479f. 493. 496. Schenkungen an die Kirche erfolgten nachL. Alam. 1, 1 und L. Bai. 1, 1, indem der Geber die Schenkungsurkunde auf denAltar legte. Kirchengüter sollten nach L. Alam. Tit. 18 u. 19 nicht ohne cartaoder epislula in andere Hände übergehen können. Vgl. Brunner RG. d. Urk.266. 299; ZHR. 22, 535ff. (Forsch. 615ff.). Veräußerung thüringischer Güterdurch cartula traditionis bei Wenck Hess. Landesgeschichte 2, ÜB. Nr. 14 S. 19.Bei Tauschgeschäften stellte jeder der Kontrahenten eine Urkunde aus, die erseinem Vertragsgegner übergab. Vgl. die am Schluß der Form Sangall. 4 (Form. 381)enthaltene Anweisung: Islam cartam ille, qui loquitur haec, det alii habendam, hoc estEpitide, aliam autem cartam similiter Epitides ex sua persona faciat et donet Eumelohabendam. Beispiele: MG, Form. S. 91f. 187 Nr. 5. 234 Nr. 15. 249 Nr. 20. 270Nr. 5. Lacomblet ÜB. d. Niederrh. 1 Nr. 48. 55.

52 Vgl. L. Rib. 59, 1: Si quis alteri aliquid vinderit, et emptor testamentumvindicionis accipere voluerit, in mallo hoc facere debet (die Lesart voluerit st. debetberuht auf Dittographie), precium in praesente tradat, et rem accipiat, et testamentumpublici conscribatur. Die »Vorte testamentum vindicionis accipere deuten die Be-gebung der carta venditionis, die Worte et rem accipiat die Überreichung der In-vestitursymbole an. Vgl. Brunner RG. d. Urk. 211ff. 260ff. 264. 276; ZHR. 22,537ff. (Forsch. 6171). Heusler 2, 69 (anders noch Gewere 10f.). Sohm MG.Leg. 5, 248. #Über die symbolische Investitur vgl. noch Sohm Auflassung 92ff.Adelung Neues Lehrgebäude der Diplomatik (aus Toustain et Tassin Nouv.traite de diplomatique) 6, 449ff. Eine Schenkung per epistolam donationis, wobeiein Basenstück auf den Altar der bedachten Kirche gelegt wird, bei de CoursonCartulaire de Redon S. 7 Nr. 7. Zuweilen, aber keineswegs so häufig, wie manfrüher angenommen hat, wurden auch die Investitursymbole mit der Urkundeund dem Schreibzeug auf den Boden gelegt und mit dieser vom Boden aufgehoben.Vgl. Goldmann a. a. O. 8f.