302 Fränkische Zeit.
und galten ihm nur als verschiedene Spielarten des Eigentums. Nichtdie verschiedene juristische Natur, sondern die größere oder geringereDauerbarkeit und Übertragbarkeit begründete die Unterscheidung zwischenvererblichem Eigentum, lebenslänglichem Eigentum und Leibzucht, Lehn-recht und Leiherecht, ablösbarer Satzung und vormundschaftlichemNutzungsrecht 33 .
Das Privateigentum an Grund und Boden hatte, soweit es sich umden bäuerlichen Besitz handelte, noch nicht alle Spuren der früherenFeldgemeinschaft abgestreift. Das ursprünglich jedem Gemeindegliedzustehende Abtriebsrecht bei der Niederlassung von Ausmärkern in derGemeinde (S. 224) hat sich in der abgeschwächten Gestalt der Nachbar-losung in manchen Gegenden das ganze Mittelalter hindurch erhalten.Privatrechtlich bedeutsamer war das Beispruchsrecht (mnd. bisprake, Ein-spruch) der Erben, d. h. das Recht der Verwandten auf ihre Mitwirkungbei Grundstücksveräußerungen 34 . Nur allmählich gelang es der Kirche,die Schenkungen zum Heil der Seele von dieser Beschränkung zu befreien 35 .Bei den Sachsen stand das Beispruchsrecht nicht allen Verwandten,sondern nur dem nächsten Erben zu, diesem aber immer, auch wenn er sichin keinem Gemeinderverhältnis mit dem Veraußerer befand; das Beispruchs-recht hing also hier an der Erbeneigenschäft, es war ein unentziehbares
33 Vgl. Heusler 2, 13ff. Brunner Landschenkungen der Merowinger (BSB.1885 S. 1195f. Forsch. 29f. 32).
31 Vgl. S. 66 und unten n. 337; Heusler 1, 227ff. 236ff. 2, 54ff.; Ge-were 43ff. v. Amira 3 172f. 196f.; Erbenf. 51ff. 105ff. 134ff. 201. 212. Pappen-heim Launeg. und Garethinx 58ff. (Gierke U. 14). Fipper Beispruchsrecht nachaltsächs. Recht (ebd. 3). Adler Erbenwartrecht nach den ältesten bairischenRechtsquellen 1891 (ebd. 37); Eheliches Güterrecht and Abschichtungsrecht n. d.ältesten bair. Rechtsqu. 1893 S. 5—40. Stobbe Handbuch 2 § 87 (2 3 § 117).Loening Kirchenrecht d. Merow. 681 ff. Pernice Kr. VJSchr. 9, 67ff. ZimmerleStammgutssystem 33ff. Thudichum Gau- und Markverfassung 192ff. van HasseltWederspraaksrecht der erfgenamen in de periode der volksrechten 1882. Sandhaasa. a. O. 163ff. Beseler Erbverträge 1, 48ff. v. Inama WG. I 2 , 470ff. DopschWirtschaftsentwicklung 1, 229. Mayer-Homberg Studien z. G. des Verfangen-schaftsrechts I. 1913 (SA. aus Westd. Zeitschr. 31) S. 17ff. (vgl. Stutz ZRG. 40,427). Tamassia Le alienazioni degli immobili e gli eredi 1885. Beseler Erb-verträge 1, 48ff. Lewis De origine facultatis heredibus in iure Germanico con-cessae prohibendi alienationes rerum immobilium, Diss. Berl. 1862; Succession desErben in die Obligationen des Erblassers 7 ff. — Die nordgermanischen Rechte undLudwigs Cap. legibus add. von 818/9 (n. 35) setzen den gemeingermanischen Cha-rakter außer Zweifel. Vgl. Heusler 1, 237. Brunner RG. d. Urkunde 290 n.;MJÖG. 2, lOff. Für das langobardische Recht vgl. II. F. 3 § 1.
35 Allgemein durch Ludwigs Capitula legibus addita von 818/9 c. 6 (MG. Cap.1, 282). Vgl. L. Alam. c. 1 (anders L. Baiuw. 1, 1). L. Sax. 62 (n. 36) gab auchTraditionen an den König und unter gewissen Voraussetzungen Veräußerungenin Notfällen frei. Über das nordgermanische Recht Maurer Münch. Abh. 13, 2S. 221 f. 232. 242f. 288f. v. Amira Obl.-R. 1, 573. 2, 701. Die scheinbar für völligeFreigabe aller Veräußerungen sprechende Bestimmung der L. Angl. et Wer. 54 istnicht in diesem Sinne zu verstehen. Vgl. v. Richthofen MG. Leg. (fol.) 5, 138n. 21f. Zimmerle a. a. O. 37f. v. Amira Erbenfolge 70.