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Lehrbuch der deutschen Rechtsgeschichte
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293
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§ 34. Die Formelsammlungen und die übrige juristische Literatur. 293

wahrscheinlich durch Vermittlung der beiden besprochenen Kompilationen,in Baiern viel benutzt wurden. Man darf vermuten, daß Arno, ursprüng-lich Mönch in Freising, dann Abt von St. Amand, seit 785 außerdemBischof und später Erzbischof von Salzburg, die lindenbrogische Samm-lung veranlaßt, und dazu Material aus den Urkundenschätzen der Frei-singer und Salzburger Kirchen nach St. Amand geschafft hat, und daßebenso die Einführung jener salfränkischen Formeln in den Urkunden-brauch Salzburgs und anderer bairischer Kirchen durch ihn vermitteltworden ist. Eine ursprünglich sehr umfangreiche, aber nur in wenigenBruchstücken erhaltene Sammlung, die Formulae Pithoei (Zeumer596ff.), scheint ausschließlich westfränkischen Charakter gehabt zu haben;während einzelne Bestandteile dem Sprachgebrauch der lindenbrogischenFormeln entsprechen, weisen andere auf Südfrankreich hin. Die jüngsteund für die Verfassungsgeschichte bedeutsamste fränkische Formelsamm-lung enthält die wahrscheinlich um 830 unter dem Kanzler Fridugisentstandenen Kanzleiformeln Ludwigs des Frommen (Formulaeimperiales e curia Ludovici Pii), früher nach ihrem ersten HerausgeberCarpentiersche Formeln genannt 5 .

Die alamannischen Formeln 6 , aus dem Ende des 8., großenteilssogar erst aus dem Ende des 9. Jahrhunderts, werden durch die St. GallerUrkundenschätze an Alter und Reichhaltigkeit des Inhalts weit über-troffen und haben daher für die Wissenschaft nicht die Bedeutung derfränkischen Formeln. Dem Elsaß gehören die vorzugsweise Briefe ent-haltenden Formeln des Klosters Murbach und drei Straßburger Ur-kundenformeln an 7 . Die beiden Formelbücher des Klosters Reichenauzeigen starke Benutzung des Markulf; eine dritte Reichenauer Sammlungenthält nur Briefe 8 . St. Galler Formeln finden sich in dem sehr ver-schiedene Bestandteile enthaltenden sogenanntenFormelbuch des BischofsSalomo III von Constanz", verfaßt von dem Mönche Notker dem Stammler(f 912) 9 . Dazu kommen einige kürzere Sammlungen (Zeumer 378ff.),deren eine (um 900 entstanden) früher fälschlich dem Iso zugeschriebenwurde. In Baiern war besonders Erzbischof Arno von Salzburg fürdie Förderung des Urkunden- und Formelwesens tätig, Rim ist auch dasmit der- salfränkischen Kompilation (S. 292) verbundene Salzburger

5 Ebd. 285327. Vgl. Siekel a.a.O. 158ff. Eine photo-lithographischeNachbildung der in tironisehen Noten geschriebenen Handschrift bei SchmitzMonumenta tachygraphica I. 1882. Vgl. Zeumer GGA. 1882 S. 1415ff. Zwei bis-her unbekannte Formern für Kaiserurkunden bei Zeumer 327f. als additamenta.

6 Vgl. Zeumer N. Arch. 8, 475ff.

' Formulae Morbacenses, Zeumer 32937. Formulae Argentinenses ebd. 337f.

8 Formulae Augienses ebd. 33964. 724f. Formulae epistolares Augiensesebd. 364 ff.

9 Zeumer 390437. Vgl. Dümmler Formelbuch des Bischofs Salomo III1857. v. Wyss Mitt. der antiqu. Ges. v. Zürich 7, 17ff. Die in der Kompilationenthaltenen Formeln für königliche Diplome sind ein doktrinäres, ganz wertlosesMachwerk aus den letzten Jahren Karls III.