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Lehrbuch der deutschen Rechtsgeschichte
Entstehung
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292
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292 Fränkische Zeit.

der Zeit vor 721, zum Teil aber erst der Zeit Karls des Großen an. Diejüngsten Formeln aus der Merowingerzeit sind die Formulae Turo-nenses von Tours (ebd. 12865), früher nach dem ersten HerausgeberFormulae Sirmondicae; der vielfach römisch-rechtliche Inhalt muß größten-teils der Neigung des Verfassers, mit seiner aus dem westgotischen Breviargeschöpften Gelehrsamkeit zu prunken, zugeschrieben werden. Die For-mulae Arvernenses von Clermont-Ferrand (ebd. 2631. 726), früher indas 6. oder gar 5. Jahrhundert gesetzt, gehören der 2. Hälfte des 8. Jahr-hunderts (nach dem Einfall Pippins in Aquitanien, 76061) an. Ausden ersten Eegierungsjähren Karls des Großen rühren die FormulaeSenonenses von Sens (ebd. 182226. 723f.), früher zum Teil als Appen-dix Marculfi bezeichnet, wenigstens in ihrem älteren Teil (Cartae Seno-nicae), während die sog. Formulae Senonenses recentiores größtenteilserst unter Ludwig dem Frommen entstanden sind. Ein aus 6 Formelnbestehender Anhang der Cartae (Zeumer 208ff.) fällt noch in die mero-wingische Zeit. Die nach den ersten Herausgebern benannten FormulaeBignonianae (ebd. 22738) und Merkelianae 1 gehören im allgemeinennoch dem ersten Jahrzehnt Karls des Großen an, enthalten aber zumTeil auch jüngeres Material aus der Zeit Ludwigs des Frommen. Dieeinzige in altsalischem Lande entstandene Formelsammlung (die übrigensind sämtlich aus den romanischen Teilen Westfrankens) sind die gewöhn-lich nach dem ersten Herausgeber benannten Formulae Lindenbro-gianae 2 . Die Sammlung ist gegen Ende des 8. Jahrhunderts wahrschein-lich zu St. Am and (Elnon) an der Scarpe entstanden, steht aber in eigen-tümlichen Beziehungen zu Baiern. Bei Anfertigung der Formeln habenmehrfach bairische Urkunden als Vorlage gedient, andrerseits ist jeneSammlung trotz ihrem ausgeprägt salfränkischen Charakter seit 796 auchin Baiern stark benutzt worden. "Wir besitzen zwei bairische Kompi-lationen, in denen die lindenbrogischen Formeln, um drei weitere Formelndesselben Charakters vermehrt 3 , mit den überarbeiteten Formeln desMarkulf verbunden sind. Die eine dieser Kompilationen, die nur in ge-ringen Bruchstücken vorliegt, hat ehemals dem Stift St. Emmeram zuKegensburg gehört und ist deshalb von dem Herausgeber unter der Be-zeichnung Formularum eodicis 8t. Emmerami fragmenta den bairischenFormeln eingereiht worden 4 ; sie gehört aber zu den fränkischen Formel-sammlungen, da sie nichts Bairisches enthält und auch die neun selb-ständigen Bestandteile des ersten Fragments entschieden auf westfränkischeEntstehung schließen lassen. Die zweite Kompilation ist mit einem Salz-burger Formelbuch verbunden und zweifellos in Salzburg entstanden.Zahlreiche bairische Urkunden zeigen, daß die lindenbrogischen Formeln,

1 ZRG. 1, 194ff. Zeumer 23963. Vgl. Waitz Abh. 383ff. (FDG. 1, 535fL).Als Anhang der Merkeischen bei Zeumer 263ff. zwei Pariser Formeln.

2 Zeumer 26582. Vgl. ZRG. 17, 94ff.

3 Bei Zeumer 282f. als additamenta 13. Siehe auch ebd. 466 Nr. 15 16.

4 Zeumer 46168. Vgl. N. Arch. 8, 601ff.