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Lehrbuch der deutschen Rechtsgeschichte
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§ 34. Die Formelsammlungen und die übrige juristische Literatur. 291

responsa wiederholt eingeschärft wurde. Die auf diese Weise hergestelltenUrbarien (polyptycha) bilden eine besondere Gruppe unter den notitiae 14 .Neben den Urbarien oder statt ihrer legten die Grundherren auch be-sondere Sal-, Kopial- oder Traditionsbücher an, in denen die Erwerbs-urkunden abschriftlich oder in Auszügen zusammengestellt wurden 15 .

§ 34. Die Formelsammlungen und die übrige juristische Literatur.

Kritische Ausgabe aller Formelsammlungen, mit Ausnahme der angelsächsischenund langobardischen, von Zeumer MG. Leg. Sectio 5 (Formulae Merovingici etKarolini aevi), 188286. Die dem tränkischen Reiche angehörigen Formeln insystematischer Anordnung: de Roziere Recueil general des formules usitees dansl'empire des Francs, 3 Bde 185971. Zeumer N. Arch. 6, llff. 8, 475ff. 601ff.10,383ff. ll,313ff. 14,589. 30, 717; GGA. 1882 S. 1389ff. Schröder Die fränkischenFormelsammlungen, ZRG. 17, 75ff.; K. Heidelb. JBB. 2, 165ff. Krusch Hist. Z.51, 512ff. Stobbe 1, 241ff. Th. Sickel Urkunden der Karolinger 109ff. K. Leh-mann Ki-it. VJSchr. 29, 331ff. Brunner l 2 , 415. 575ff.; Grundz. 6 43f. v. Amira 321, 35ff. Bresslau HB. 1, 608ff. Conrat G. d. Qu. u. Liter, d. röm. Rechts imMA. 1, 266. 293ff. v. Halban a. a. O. 3, 62ff. Stouff De formulis secundumlegem Romanum, Paris 1890. Tardif Hist. des sources du droit francais 171ff.(1890). N. Rev. 8, 557ff.; Bibl. de l'ecole des chartes 44, 352ff. Poupardinebd. 69, 643ff.

Die juristische Literatur der fränkischen Zeit bewegt sich vorzugs-weise auf dem Gebiete der Formelsammlungen. Neben Urkundenformelnenthalten diese vielfach auch Briefe, von denen für die Rechtsgeschichteaber nur die amtlichen Schreiben in Betracht kommen. Es gibt fränkische,alamannische, bairische, burgundische, west- und ostgotische und angel-sächsische Formelsammlungen.

Unter den westfränkischen Formelsammlungen salischen oder römi-schen Rechts sind die 60 Formulae Andecavenses von Angers (Zeumer125. 726) die ältesten, wenn auch schwerlich, wie man früher annahm,der Zeit Childeberts I, sondern wohl erst dem Anfang des 7. Jahrhundertsangehörend, bis auf die drei letzten jedenfalls vor 678 abgefaßt. Um 700sind die Formulae Marculfi (ebd. 32106) entstanden, in zwei Büchern(1. cartae regales, öffentliches Recht, 2. cartae pagenses, Privatrecht). Ver-fasser war ein Mönch Markulf (wahrscheinlich im Kloster Resbach), dersein Werk einem Bischof Landerich, wohl dem Bischof L. von Meaux, alsseinem Diözesanbischof, widmete. Die markulfische Sammlung wurde vonspäteren Formelsammlern mit Vorliebe benutzt, erhielt Ende der Mero-wingerzeit ein Supplement (ebd. 107ff. HOff.) und erfuhr gegen Schluß des8. Jahrhunderts teilweise eine Überarbeitung (ebd. 11327). Die For-mulae Bituricenses von Bourges (ebd. 16681) gehören zum Teil noch

14 Vgl. Lamprecht a. a. 0. 2, 659f. Vielfach wurden Regesten der Urkundender betreffenden Grundherrschaft mit dem Urbar verbunden.

Vgl. Dopsch 1, 87ff. Unter den zahlreichen Traditionsbüchern dürfen diedes Erzstifts Salzburg, weil sie von Bischof Arno veranlaßt sind, ein besonderesInteresse beanspruchen. Vgl. Keinz Indiculus Arnonis und Breves notitiae Salis-burgenses 1869.

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